Nicht jeder Nationalspieler kann Datei-Anhänge öffnen
Die Tücken mit der Technik

Gerald Asamoah hat noch einige Probleme mit den modernen Zeiten. Zumindest wird diese Version weiterhin in der Öffentlichkeit verbreitet, und niemand weiß genau, ob das nicht vielleicht längst ein Teil der Folklore ist. Oliver Bierhoff jedenfalls hat erst am Mittwoch ausführlich über die technischen Neuerungen bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft berichtet.

NÜRNBERG Der Team-Manager verriet, dass die Anweisungen und Mitteilungen des Trainerstabes inzwischen per E-Mail bei den Nationalspielern eingehen, dass es einige Profis gibt, die sehr gewandt mit den neuen Möglichkeiten umgehen - und dass Gerald Asamoah immer noch ein Lernender ist. "Der muss gelegentlich seine Freundin hinzuziehen, um den Anhang zu öffnen", hat Bierhoff, der Manager der Nationalmannschaft gesagt.

Die modernen Zeiten bei der deutschen Nationalmannschaft dauern jetzt elf Monate, und noch immer gibt es einige Nörgler, die mit den Veränderungen wenig anfangen können. Rudi Assauer, der Manager des FC Schalke 04, hat über die Methoden des Bundestrainers Jürgen Klinsmann gesagt: "Wenn ich dann höre: ,Wir machen Telefonkonferenzen? - da wird ich bekloppt in der Birne." Assauer ist 61, und er stammt noch aus einer Zeit, in der Fußball die Sache harter Männer war. Der 40 Jahre alte Klinsmann hingegen hat nicht nur die Methoden der globalisierten Wirtschaft in die Welt des Fußballs eingeführt, sondern auch deren Jargon.

"Der Jürgen war schon als Spieler der etwas andere Profi", sagt Klinsmanns Vorgänger Rudi Völler. Klinsmann lernte Fremdsprachen, fuhr mit seinem alten VW-Käfer in den Urlaub - und achtete darauf, dass solche Geschichten immer auch in den Medien landeten. Im Grunde will er seine Nationalspieler nun zu kleinen Klinsmännern machen, zu mündigen Profis, deren Horizont nicht an der Kreidelinie des Spielfelds endet. "Wir wollen Spieler, die etwas zu sagen haben", sagt Oliver Bierhoff.

» Fotostrecke: der Confederations Cup in Bildern

Seinen Kritikern macht es der Bundestrainer mit seiner Art ziemlich einfach. Irgendwas wird jeder finden, das ihm an Klinsmann nicht gefällt: dass er immer noch in Kalifornien wohnt und deshalb mit seinen Mitarbeitern per Telefon oder E-Mail kommuniziert; dass er Fitnesstrainer aus den USA zur Nationalmannschaft bestellt, wo doch das sinnfreie Dauerlaufen eine Erfindung der Deutschen ist; und dass er überhaupt eine Menge Gewese um seine schönen Neuerungen veranstaltet.

Wenn der Bundestrainer von seinen Ideen kündet, benutzt er am liebsten den Ausdruck Philosophie, und im Grunde verfolgt der Philosoph Klinsmann einen ganzheitlichen Ansatz: Klinsmann will Weltmeister werden. Dazu muss er offensiven Fußball spielen, und dazu wiederum benötigt er mutige Spieler mit einer gefestigten Persönlichkeit. Als die Nationalmannschaft vor Weihnachten zu drei Freundschaftsspielen nach Asien flog, bekam jeder Spieler als Reiselektüre ein Exemplar des amerikanischen Bestsellers "Denke nach und werde reich". Napoleon Hill beschreibt darin, was erfolgreiche Menschen zu erfolgreichen Menschen macht. Klinsmann schreibt den Spielern regelmäßig E-Mails, zeigt Power-Point-Präsentationen, formuliert die neuen Unternehmensziele, verfügt Verhaltensmaßregeln, die das Zusammenleben in der Gruppe regeln, und hat für jeden Spieler eine spezielle DVD mit ihren Schwächen und Stärken erstellen lassen.

Seite 1:

Die Tücken mit der Technik

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%