Niederlage im Confed-Cup-Finale
Der gedemütigte Weltmeister

Erschreckend schwach präsentierte sich Spanien im Finale des Confed Cups gegen den Gastgeber Brasilien. Kritik am Spielsystem will der spanische Trainer aber nicht hören – trotz der Statistiken.
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Rio de JaneiroDer traurige Blick von Iker Casillas ging ins Leere. Die Situation war für Spaniens Torwart neu, und er wollte sich partout nicht daran gewöhnen. „Es ist ein Pleite, die uns schmerzt. Jetzt müssen wir wieder aufstehen“, forderte der komplett frustrierte Kapitän der entzauberten spanischen Übermannschaft nach dem 0:3 gegen Brasilien im Confed-Cup-Finale in Rio de Janeiro. Bei drei Finalsiegen in den vergangenen fünf Jahren hatte Casillas den Siegerpokal für „La Roja“ in die Höhe halten dürfen. Diesmal wurde er ausgerechnet im legendären Maracanã mit der bedeutungslosen Fair-Play-Trophäe abgespeist.

Bayern Münchnes Javíer Martinez war nach 90 Minuten auf der Bank bedient und wollte gar nichts sagen. Spaniens Spielmacher Xavi schaute ein bisschen trotzig Richtung WM 2014. „Im nächsten Jahr wollen wir mehr Widerstand leisten“, versprach er. Die Spanier haben Erfahrungen mit Enttäuschungen beim Confederations Cup. Vor vier Jahren in Südafrika schieden sie im Halbfinale gegen die USA sensationell aus – und holten ein Jahr später den WM-Pokal. Doch die Demütigung durch Brasilien saß tiefer.

„Uns ist nichts gelungen. Alles ist nach hinten losgegangen. Mehr Intensität, mehr Rhythmus, mehr Druck, sie waren einfach besser“, sagte Xavi. Trainer Vicente del Bosque beschrieb die Lage ruhig und souverän, doch als er auf den vermeintlich überholten Stil der nach 29 Pflichtspielen erstmals wieder bezwungenen Spanier angesprochen wurde, reagierte der 62-Jährige für seine Verhältnisse fast schon ungehalten. „Wir haben eine klar definierte Spielweise. Es gibt keinen Grund, diese zu ändern, auch nicht nach einer verdienten Niederlage.“

Die Chance, als erstes Team seit Frankreich 2001 WM-, EM- und Confed-Cup-Titel innezuhaben, wurde vertan. Und die Titeljäger wissen, dass die Zeit nicht still steht. „Im Fußball lebst du nicht in der Vergangenheit. Du musst dich Tag für Tag neu beweisen“, sagte Sergio Ramos. Die Ernüchterung über die erstarkte Konkurrenz war spürbar. „Brasilien und Italien haben uns in Gefahr gebracht und viel Druck gemacht. Daraus müssen wir lernen, um die Ergebnisse wieder zu drehen“, forderte der Verteidiger von Real Madrid.

Alle Spanier hatten die Größe, die Anstrengungen des Halbfinales gegen Italien nicht als Ausrede zu missbrauchen. „Wir akzeptieren diese Niederlage. Alles andere spielt keine Rolle“, sagte del Bosque.

Es sind die Statistiken, die die Bedeutung der spanischen Schmach verdeutlichen. 52 Prozent Ballbesitz lassen ein Übergewicht vermuten, doch normalerweise verursacht das Tiki Taka Werte mit einer satten Zwei-Drittel-Mehrheit. Zweimal in Serie ohne Tor wie nun gegen Italien und Brasilien blieb Spanien zuletzt in der EM-Qualifikation im Juni 2003 gegen Griechenland (0:1) und Nordirland (0:0).

Erstmals seit dem WM-Aus 2006 beim 1:3 gegen Frankreich in Hannover kassierte Spanien drei Tore in einem Turnierspiel. Ein 0:3 in einem Pflichtspiel gab es letztmals in der WM-Qualifikation 1985 gegen Wales. Die letzte höhere Niederlage in einem Pflichtspiel – ein 1:6 – datiert gar aus dem Jahr 1950: Der Gegner hieß Brasilien. Der Spielort war das Maracanã.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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