Fußball
Niersbach: "Es war eine gute Generalprobe"

Nach dem Confederations Cup 2005 hat Wolfgang Niersbach, Vizepräsident des Organisationskomitees für die Weltmeisterschaft 2006, ein Fazit auch im Hinblick auf das Großevent im kommenden Jahr gezogen.

Wolfgang Niersbach, Vizepräsident des Organisationskomitees für die Weltmeisterschaft 2006, hat nach dem Confederations Cup ein erstes Fazit gezogen. "Es war eine gute Generalprobe", so Niersbach im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid).

sid: "Herr Niersbach, wie lautet aus dem Blickwinkel der Organisatoren das Fazit nach dem Confederations Cup?"

Niersbach: "Es war eine gute Generalprobe, eine wunderbare Erfahrung. Es war ideal, diesen Test durchziehen zu können. Der Fußball war leidenschaftlich und spannend - besser geht es nicht. Und die Stimmung in den Stadien war toll. Das war übrigens auch eine wichtige Erfahrung: Entgegen anders lautender Behauptungen kann auch in einem reinen Sitzplatzstadion eine tolle Stimmug aufkommen."

sid: "Der Teufel steckt im Detail. Wo hakt es noch?

Niersbach: "Zu 90, 95 Prozent war alles okay. Aber wir müssen die Ausschilderung zu Parkplätzen, Haltestellen, zu den Stadien noch deutlich verbessern. Das sind wir unseren ausländischen Gästen schuldig. Und dann müssen wir noch die Verkehrsführung überdenken. Wenn Staatsgäste, die wir erwarten, sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln vermengen, ist das nicht nur aus Sicherheitsgründen bedenklich."

sid: "Apropos Sicherheit: Wie lautet da ihr Fazit?"

Niersbach: "Wir sind froh, dass keine Feuerwerkskörper oder bengalische Feuer abgebrannt wurden. Und dann erwischt es Dich da, wo du es nie erwartet hattest und vier Störenfriede laufen auf das Feld... Einer ist sogar zu einem weiteren Spiel zurückgekehrt, wurde aber von unserer Videoüberwachung erkannt und kann jetzt, da er Stadionverbot hatte und somit Hausfriedensbruch beging, strafrechtlich verfolgt werden. Wir werden bei der WM in allen Stadien, wie jetzt nur in Frankfurt, einen ersten Sicherheitsring bereits einige hundert Meter vom Stadion entfernt bilden."

sid: "Es hat Probleme mit der Chip-Kontrolle gegeben."

Niersbach: "Es hat bei den vier Spielen in Frankfurt mit weit über 100 000 Zuschauern insgesamt etwa 50 Fälle gegeben, wo sich das Drehkreuz trotz gültiger Eintrittskarte nicht geöffnet hat. Die Überprüfung der Gültigkeit der Eintrittskarte hat zu lange gedauert; da müssen wir schneller werden. Andererseits werden wir an das Publikum appellieren, nicht so spät wie beim Confederations Cup zum Stadion zu kommen. Die Tatsache, dass man einen nummerierten und reservierten Sitzplatz hat, verleitet natürlich zum späten Aufbruch, aber die Sicherheitskontrollen beanspruchen eben doch ihre Zeit."

sid: "Was wollen Sie noch verbessern?"

Niersbach: "Ich halte das Rahmenprogramm für verbesserungswürdig. Da ist mir viel zu viel Werbung. Wir werden mit der Fifa und den Sponsoren reden, ob diese geballte Werbung am Ende nicht den Fan anödet und deshalb kontraproduktiv ist. Das Mitlaufen der Spiele auf den Videowürfeln oder Leinwänden hingegen hat sich bewährt."

sid: "Hat Sie etwas richtig geärgert?"

Niersbach: "Ja, die Pfiffe gegen Sepp Blatter, wofür wir uns noch einmal entschuldigt haben. Und auch, dass eine Nationalhymne ausgepfiffen wurde, hat uns nicht gefallen. Das entspricht ganz und gar nicht unserem Slogan "Die Welt zu Gast bei Freunden". Da müssen wir noch eine Charme-Offensive starten."

sid: "Weitere Dinge?"

Niersbach: "Ach, es gibt einen ganzen Strauß von Kleinigkeiten, ohne dass ich von einer Mängelliste reden will. Technische Pannen wie Stromausfälle sollten uns nicht passieren. Über unsere Personal-Einsatzplanung müssen wir noch einmal nachdenken. Manchmal hatten wir zu viele Helfer an einem Platz, manchmal zu wenige."

sid: "Gibt es noch bauliche Veränderungen bis zur WM?"

Niersbach: "Frankfurt und Köln bauen noch Bahnhöfe in Stadionnähe. In Köln wird das Pressezentrum in den Soccer Dome verlegt, der dort bis zur WM entsteht. Und in Leipzig suchen wir nach einem näher gelegenen Ort für die Pressekonferenzen, die sich nach meiner Einschätzung übrigens bewährt haben, und nach repräsentativen Räumen im Stadion-Innern."

© SID

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