Noch 17 Wochen bis zur WM
Rote Karte für Pommes mit Mayo

Für rund 4 500 Hummer, die sich derzeit vor den Küsten Kanadas tummeln, ist der 9. Juli 2006 ein schwarzer Tag. Denn während sämtliche Fußballfans weltweit beim Endspiel der Weltmeisterschaft mitfiebern, wird den possierlichen Tierchen aus einem ganz anderen Grund eingeheizt. Schon Stunden vor dem Anpfiff werden die Meeresbewohner in zahlreichen Pfannen Berlins schmoren. In einer 550 Quadratmeter ausladenden Großraumküche nahe der Messe, um genau zu sein.

Denn dort kocht Kofler & Company, einer der fünf WM-Versorger, den Großteil des Essens für die rund 9 000 VIP-Gäste des WM-Endspiels. Das Gastronomie-Unternehmen bewirtet sie im Berliner Fußball-Zeltdorf, das eigens für die Weltmeisterschaft vor dem Stadion errichtet wird. Schließlich soll den Gästen, die für viel Geld ein WM-Arrangement erworben haben, nicht nur in sportlicher Hinsicht etwas geboten werden.

Den 25 000 Zuschauern, die Kofler bei den restlichen fünf Spielen im Berliner Zeltdorf verköstigt, wird kein Hummer serviert. Sie können ihre Mägen aber an allerlei anderen deutschen und mediterranen Köstlichkeiten laben. Angefangen von weißen nierenförmigen Borlotti-Bohnen mit Tomaten und Salbei über altdeutschen Kartoffelsalat mit Gurken bis zu Rinder- und Zanderfilet.

"Fußball ist bodenständig und braucht keine übertriebene Exklusivität", sagt Kofler-Küchenchef Heiko Antoniewicz. Nur allzu schwer im Magen sollte das Essen nicht liegen. Schließlich muss noch so manche Niederlage verdaut werden.

Trotzdem sind vor allem die Antipasti großzügig portioniert. "Dadurch, dass die Zutaten so großteilig geschnitten sind, verlieren sie wenig Aroma", so Antoniewicz - und grinst ein wenig verschmitzt. "Außerdem sind Fußballfans oft mit einem gesunden Appetit gesegnet." Deshalb hat Geschäftsführer Klaus-Peter Kofler zu den 20 fest angestellten 280 weitere Köche für die WM engagiert: "Viele Restaurants werden zu kämpfen haben. Schließlich werden drei Millionen Gäste erwartet."

Ein schlechtes Gewissen, dass er der deutschen Gastronomie so viele Köche abzieht, hat er nicht. Schließlich spielt auch die Konkurrenz ganz oben in der kulinarischen Bundesliga mit. Der Gastronom Käfer ist mit der Gästebetreuung der Programme "Skybox" und "Elite" in allen Stadien sowie "Prestige" und "Premier" in München beauftragt worden. 700 Köche verarbeiten für ihn annähernd zehn Tonnen Fleisch, zwei Tonnen Garnelen und 13 Tonnen Gemüse.

Aus den Zutaten werden so exotische Gerichte wie lackierte Teriyaki-Garnele am Spieß oder ein Champagner-Süppchen mit Holunderblüten-Eis kreiert. Das Dessert: geeiste Quarkknödel mit Erdbeer-Rhabarberragout oder gebrannte Rosmarincrème mit Ingwer-Äpfeln.

Wer 300 000 Euro für eine Loge zahlt, gönnt seinem Gaumen eben nur das Beste. Deshalb haben Hummer auch bei den Münchener Köchen gar nichts zu lachen.

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