Noch nie dagewesene Begeisterung
Grenzenlose Euphorie in der Schweiz

Fans in der Schweiz verfolgten den Sieg ihrer Mannschaft zu tausenden vor den Großleinwänden. "Wir Schweizer haben eine derartige Begeisterung noch nie erlebt.", so Raphael Wicky

Für die 25.00 Schweizer Fans gab es nach dem Schlusspfiff kein Halten mehr. Mit Jubelschreien und Freudentränen feierten sie ihre Nationalkicker. Nach zwölf Jahren qualifizierten sich die Eidgenossen erstmals wieder für das Achtelfinale einer Fußball-WM.

"Es ist verrückt, was sich hier für ein Team gefunden hat. Das gibt es vielleicht in 100 Jahren nicht mehr", jubelte der Schweizer Trainer Jakob Kuhn. Durch das 2:0 (1:0) gegen Südkorea schloss die "Nati" die Vorrunde als Erster der Gruppe G ab, und als einzige aller 32 Mannschaften kassierte sie kein Gegentor. "Besser geht es nicht. Ich bin stolz auf die Leistung der Mannschaft. Wenn man im Achtelfinale steht, ist alles möglich. Wir haben das erste Teilziel erreicht, sind jetzt aber hungrig auf mehr", erklärte Torhüter Pascal Zuberbühler und blickte bereits auf die Runde der letzten 16. Dort trifft die Schweiz am Montag in Köln auf die Ukraine (21.00 Uhr) mit Superstar Andrej Schewtschenko. "Sie haben sicherlich gute Einzelspieler, aber es wird auf die Tagesform ankommen", lautet die Prophezeihung vom ehemaligen Leverkusener.

Auch Kuhn, der gegen Südkorea, den schon in der Vorrunde gescheiterten WM-Vierten von 2002, zum 50. Mal auf der Trainerbank der Schweizer saß, sieht gute Chancen, sogar das Viertelfinale zu erreichen: "Wir sind selbstbewusst genug, um zu wissen, dass wir noch eine Runde überstehen können." Um die Vorbereitung auf das Spiel am Montag nicht zu stören, wurde auch der spontane Gedanke, den Sieg gegen Südkorea in einem Hannoveraner Beach Club zu feiern, schnell wieder verworfen. "Wir haben nach dem Abpfiff genug gesungen, jetzt gilt es, sich wieder zu konzentrieren", sagte Mittelfeldspieler Ricardo Cabanas vom 1. FC Köln.

Zwei Jahre vor der EM-Endrunde in eigenen Land (und Österreich) wurden die Spieler der "Nati" von Genf bis St. Gallen bejubelt. Zehntausende Anhänger feierten vor Großbildleinwänden. "In der Schweiz herrscht eine riesengroße Euphorie, die sich unsere junge Mannschaft verdient hat", sagte Kuhn, und Mittelfeldspieler Raphael Wicky vom Hamburger SV fügte hinzu: "Wir Schweizer haben eine derartige Begeisterung noch nie erlebt. Wir haben uns wohl von den Deutschen anstecken lassen."

Die eidgenössische Presse wollte da keinesfalls zurückstehen: "Jawooohl! Gruppensieg nach dem 2:0 über Südkorea, am Montag nun gegen die Ukraine - und wir träumen schon vom Viertelfinale", schrieb der Blick und die Neue Zürcher Zeitung analysierte: "Das Achtelfinale haben die Schweizer Fußballer mit der Präzision eines Uhrwerks erreicht. Jetzt geht der Traum also weiter. Was in den nächsten Tagen auch passiert - die WM 2006 wird der Schweiz in guter Erinnerung bleiben."

Zum tragischen Helden der Partie gegen Südkorea und somit nur eingeschrenkt nach Jubeln zu Mute, wurde Philipp Senderos. Noch Torschütze zum 1:0 (23.), kugelte sich der Abwehrspieler in der zweiten Halbzeit die Schulter aus und fehlt damit im Achtelfinalspiel gegen die Ukraine. Kurz darauf traf Alexander Frei zum 2:0. "Es ist sicherlich auch eine Bänderverletzung dabei. Es sieht für das nächste Spiel nicht gut aus", meinte Kuhn.

© SID

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