Nürnberg
Stadion bekommt gute Noten für Öko-System

Es gäbe keine WM in Nürnberg ohne ein WM-taugliches Stadion. Die Verantwortlichen haben auch aus den Erfahrungen von 1974 gelernt. Damals fand die letzte Fußball-WM in Deutschland statt, allerdings ohne den Spielort Nürnberg.

NÜRNBERG. Mit den strengen Marketingregeln des Fußball-Weltverbandes Fifa kämpfen derzeit alle zwölf deutschen WM-Standorte. Diese einzuhalten und trotzdem lokale und regionale Unternehmen in einem entsprechend prominenten Rahmen zu präsentieren hat die Stadt Nürnberg mit der Aktion "Nürnberg kickt" erreicht (www.nuernberg-kickt.de). Nach anderthalb Jahren Überzeugungsarbeit und letztlich auch Verhandlungsgeschick war es geschafft: Die Fifa gab ihr Placet, das Logo ist mittlerweile in der gesamten Region omnipräsent, rund 60 Unternehmen haben sich der Aktion inzwischen angeschlossen.

Dabei stand die Stadt vor der gleichen Herausforderung, der derzeit auch der kleine Bäcker an der Ecke gegenübersteht: Wie lässt sich die Fußball-WM werbetechnisch vermarkten, ohne dabei die Unmenge an geschützten Begriffen verwenden zu müssen. Die Lösung bestand im Zusammenführen des Stadtnamens mit der fränkischen Bezeichnung für Fußball spielen, nämlich "kicken". Willkommener Nebeneffekt: Die Bezeichnung verstehen auch alle englischsprachigen Gäste. Schließlich tragen sowohl England - gegen Trinidad Tobago - und die USA - gegen Ghana - eines ihrer Vorrundenspiele in der Stadt aus.

Doch gäbe es keine WM in Nürnberg ohne ein WM-taugliches Stadion. Die Verantwortlichen haben auch aus den Erfahrungen von 1974 gelernt. Damals fand die letzte Fußball-WM in Deutschland statt, allerdings ohne den Spielort Nürnberg. Zu hoch erschien den Vätern der Stadt damals das finanzielle Risiko, das der Umbau des "Städtischen Stadions" mit sich bringen konnte. Erst 1991 kam es zur längst fälligen Modernisierung der zwischen 1926 und 1928 errichteten Spielstätte. Aus dem Städtischen Stadion wurde das Schmuckkästchen "Frankenstadion".

Zwischen 2002 und 2005 wurde die Sportstädte, die inzwischen zu gut drei Vierteln dem Baukonzern Hochtief gehört, für 56 Mill. Euro für die WM ein weiteres Mal modernisiert. Internationale Standards wie VIP-Logen und Business-Seats gehören inzwischen ebenso zur Einrichtung wie drei Fernsehstudios.

Beinahe genauso viel Lob bringt den Franken das ausgeklügelte Ökosystem des Stadions ein. Dabei wird Regenwasser in ein Speichersystem geleitet, das die Bewässerungsanlagen der Haupt- und Nebenplätze speist. Was übrig bleibt, fließt in den angrenzenden Dutzendteich. Innerhalb Deutschlands gilt das Stadion damit als Vorzeigeobjekt.

Dass die regionalen und die überregionalen Unternehmen aus Bayerns Wirtschaftszone Nummer zwei hinter München die Aktion "Nürnberg kickt" und ihre zahlreichen Veranstaltungen inzwischen so kräftig unterstützen, geschieht allerdings nicht ganz uneigennützig. So soll das zusätzliche Umsatzpotenzial, das für die Region Nürnberg in der Fußball-WM steckt, bei 220 Mill. Euro liegen, wenn denn die entsprechenden Vermarktungsmaßnahmen getroffen werden. Das haben Professoren und Studenten an der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg errechnet. Und das sei noch konservativ prognostiziert, schallt es von dort.scc

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