Öffentliche Plätze mit hohen Besucherzahlen
Kollektiver Public-Viewing-Rausch in der Republik

Den Auftakt der WM haben Mill. ausgelassen und friedlich auf öffentlichen Plätzen vor Großbildleinwänden gefeiert. Bei der größten Public-Viewing-Party in Berlin kamen rund 300 000 Fans zusammen.

Im ganzen Land feierten am vergangenen Freitag Mill. den lang ersehnten Auftakt der Weltmeisterschaft. Public Viewing ist dabei das Zauberwort. Vor allem das Wetter lud die Anhäger des DFB-Teams dazu ein in Scharen auf die öffentlichen Plätze vor Großbildleinwänden zu pilgern. Aber auch in Kneipen und bei privaten Grillpartys wurde ausgelassen zelebriert.

Vor allem in den Großstädten Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt/Main herrschte vielerorts eine unglaublich ausgelassene Stimmung. Sogar von einem "olympischen Geist" und einer Atmosphäre wie bei den Sommerspielen 1972 in München war die Rede.

Euphorisierte Massen verwandelten die WM-Schauplätze abseits der Stadien in Hochburgen des scheinbar ganz normalen WM-Wahnsinns, der durch das Land schwappt. Durchschnittlich 20 Millionen Menschen schauten beim Deutschland-Spiel im ZDF zu, viele weitere verfolgten die Partie auf Großbildleinwänden landesweit von Flensburg bis Garmisch-Partenkirchen.

"Sehr erfreulicher WM-Auftakt"

Trotz der Massenhysterie beim Weltereignis vor der Haustür blieb es weitgehend friedlich. Die Polizei-Dienststellen sprachen angesichts der Größenordnung der Veranstaltungen von einem "sehr erfreulichen WM-Auftakt". "Besser hätte der Beginn der Fußball-WM nicht verlaufen können. Es war ein rundum gelungener Tag", freute sich OK-Chef Franz Beckenbauer am Tag nach dem kollektiven Rausch in der Republik.

Dass die Fans und all jene, die nun dem Fieber verfallen sind, auch die umfangreichen Sicherheitskontrollen geduldig über sich ergehen ließen, wertete der "Kaiser" als Zeichen der Vernunft der Menschen. "Jeder legt Wert auf Sicherheit, das kostet halt Geduld und Zeit, aber auch das ist reibungslos über die Bühne gegangen", sagte er. Viele Fans sahen es ähnlich. "Man hat durch die Kontrollen das Gefühl, dass man sicher ist. Aber man fühlt sich nicht drangsaliert", sagte etwa ein Anhänger in Hamburg.

Arbeitsreiche Nacht

Wie bei Großveranstaltungen üblich gab es hier und da jedoch Ausnahmen. Die Münchner Polizei verzeichnete bis zum Samstagmorgen 103 vorläufige Festnahmen und sprach von einer "arbeitsreichen Nacht", in der vor allem durch Alkohol bedingte Zwischenfälle für den ein oder anderen Einsatz gesorgt hatten. Bei einigen Schlägereien musste die Polizei einschreiten, zudem gab es vereinzeilt Taschendiebstähle, Ticket-Schwarzmarkthandel und Sachbeschädigungen. Sieben Personen zogen sich beim Übersteigen eines Zauns am Münchner Olympiapark leichte Blessuren zu.

Das dortige Fan-Fest war wie viele andere Veranstaltungen bereits am Nachmittag und lange vor dem Anpfiff zum Eröffnungsspiel zwischen Deutschland und Costa Rica in der Münchner WM-Arena hoffnungslos überfüllt. Um doch noch auf das Gelände zu gelangen, drückten einige Fans einen Zaun ein. Mehrere hundert Menschen strömten danach unkontrolliert auf das Areal, das nur für 35 000 Zuschauer ausgelegt ist, bis zum Abend jedoch nach inoffiziellen Angaben mit deutlich mehr Fans gefüllt war.

Public Viewing zieht 300 000 in Berlin an

Die größte Public-Viewing-Veranstaltung mit 100 000 Menschen fand derweil in Berlin auf der Straße des 17. Juni statt. Insgesamt rund 300 000 Fans bevölkerten den Boulevard zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor, das Sony-Center am Potsdamer Platz, die Waldbühne und andere Großveranstaltungen in der Hauptstadt. "Es war ein ruhiger Abend ohne größere Zwischenfälle", sagte ein Polizeisprecher. Lediglich 19 vorübergehende Festnahmen nahmen die Einsatzkräfte vor. 20 waren es in Frankfurt am Main.

In Hamburg versammelten sich mehr als 100 000 Menschen vor den Großbildleinwänden, mehr als die Hälfte davon beim Fan-Fest auf dem Heiligengeistfeld am Millerntor im Stadtteil St. Pauli. Auch beim zweiten Spiel der Gruppe A zwischen Polen und Ecuador waren dort noch 20 000 Zuschauer, die friedlich miteinander feierten.

Nach dem 4:2-Sieg der deutschen Elf kam es vielerorts zu Autokorsos, wie auf der Reeperbahn in Hamburg oder der Leopoldstraße in München. Zehntausende fuhren hupend und Fahnen schwenkend durch die Straßen.

Die Stimmung im Land ist bereits weltmeisterlich.

© SID

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