Offenes Match
Frankreich und Portugal träumen vom Finale

Der große Traum vom WM-Finale wird heute Abend für Frankreich oder Portugal Realität. Die Franzosen setzen auf ihre wiedergewonnene Stärke, Portugal auf Rückkehrer Deco. Das WM-Halbfinale gilt als völlig offen.

Sie haben viel erreicht, aber noch nichts gewonnen, deshalb verspüren Portugal und Frankreich großen Appetit auf mehr. "Jetzt haben wir die Möglichkeit, portugiesische Fußball-Geschichte zu schreiben", sagt Trainer Luiz Felipe Scolari vor dem WM-Halbfinale am Mittwoch (21.00 Uhr/live in der ARD und bei Premiere). Für Kollege Raymond Domenech soll der Weg ebenfalls über München ins Endspiel am Sonntag in Berlin führen: "Noch können wir die WM nicht als gelungen bezeichnen, wir haben unser Ziel noch nicht erreicht."

Insbesondere dem Weltmeister von 1998 hatten viele Experten nach einer mäßigen Qualifikation, einer problematischen Vorbereitung und einer schwachen Vorrunde, in der sogar das Ausscheiden drohte, ein solches Zwischenergebnis nicht zugetraut. Mit dem Formanstieg des scheidenden Kapitäns Zinedine Zidane steigerte sich allerdings auch das gesamte Team.

"Alle haben mehr gearbeitet als vom Trainer verlangt wurde"

"Gut, es gab Probleme, aber das Team hat sich damit auseinandergesetzt und sie gemeinschaftlich überwunden. Alle haben mehr gearbeitet als vom Trainer verlangt wurde, und das zahlt sich nun aus", glaubt Lilian Thuram. Der Rekordnationalspieler fühlt sich nicht nur aus sportlichen Gründen bei dieser WM wohler als vor vier Jahren in Südkorea oder bei der EM 2004 in Portugal: "Weil die Mannschaft einen guten Charakter hat."

Der allein dürfte aber nicht reichen, um Vize-Europameister Portugal am Finaleinzug zu hindern. Abwehrspieler Fernando Meira vom VfB Stuttgart sieht seine Landsleute sogar in der Favoritenrolle: "Vor der WM hat niemand geglaubt, dass wir so weit kommen können. Aber wir sind stark genug dafür, auch im Halbfinale zu gewinnen."

Deco als Schlüsselspieler

Kräftig mithelfen beim ersten portugiesischen Sieg gegen Frankreich seit 31 Jahren soll Mittelfeldspieler Deco, der nach einer Gelb-Rot-Sperre ins Team zurückkehrt. Die erste und bislang einzige WM-Halbfinalteilnahme der Iberer liegt 40 Jahre zurück, für Scolari aber kein Grund, nicht an einen Erfolg zu glauben: "Es wird schwierig, aber Portugal kann Weltmeister werden."

Damit würde die Mannschaft endgültig den legendären Eusebio übertreffen. Der 64-Jährige war Torschützenkönig bei der WM 1966 in England und führte den damaligen Neuling bis auf den dritten Platz. "Die Leistungen der Spieler haben mir bislang viel Freude bereitet, und sie können sogar noch mehr", bekräftigt der einstige Star, der fest zur portugiesischen WM-Delegation gehört.

Scolaris Truppe wurde am Dienstagmittag mit einem Hufeisen als Glücksbringer aus dem ostwestfälischen Marienfelde verabschiedet, je nach dem Spielausgang gegen Frankreich wird sie nach Stuttgart oder Berlin weiterreisen. Die Franzosen hingegen kehren definitiv noch einmal ins niedersächsische Aerzen vor den Toren Hamelns zurück.

Viele Spieler mit mit Gelb vorbelastet

Wer zur siegreichen Mannschaft gehört, ist allerdings nicht zwingend auch ein Endspielteilnehmer, denn fünf Portugiesen und sechs Franzosen, darunter die Superstars Zidane und Figo sowie Portugals Torhüter Ricardo, sind mit einer Gelben Karte vorbelastet. Bei einer weiteren Verwarnung wäre für sie das Turnier vorzeitig beendet.

Frankreichs Routinier Thuram, ebenfalls mit Gelb vorbelastet, will trotz seines Handicaps ohne besondere Rücksichten in das Match gehen: "Mit angezogener Handbremse gewinnt man kein Spiel. Ich denke bei jeder meiner Aktionen an die Mannschaft und nicht an mich."

Einsatz von Figo und Ronaldo fraglich

Ob Figo und auch Cristiano Ronaldo überhaupt für Portugal auflaufen können, entscheidet sich erst am Spieltag. "Die Entscheidung, ob er spielen wird, oder ob ich ihn draußen lasse, werde ich erst am Mittwoch treffen", sagte Trainer Scolari am Dienstagabend zu Figo, der an einer Verletzung im Oberschenkel laboriert und ebensowenig trainieren konnte wie Cristiano Ronaldo, den Nachwirkungen einer Oberschenkelprellung plagen.

© SID

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