Ohne Zidane gegen Togo
Franzosen haben Angst vor erneutem Vorrunden-Aus

"Angst" ist die Vokabel, die derzeit am besten die Gefühlslage des französischen Nationalteams samt Trainer Raymond Domenech beschreibt. Vor der Partie gegen Togo sitzt die Sorge über ein erneutes Vorrunden-Aus tief.

Vor dem letzten und alles entscheidenden Vorrundenspiel Frankreichs machen sich die Spieler der "Grande Nation" ernsthafte Sorgen über das drohende frühe WM-Aus. Dies wäre für den Weltmeister von 1998 eine Katastrophe, wie Frankreichs Mittelfeldroutinier Patrick Vieira weiß: "Gegen Togo auszuscheiden, das wäre noch schlimmer als unser Scheitern 2002", vergleicht der Franzose, der heute seinen 30. Geburtstag begeht, die Situation vor der Partie in Köln (21.00 Uhr/live bei Premiere und in der ARD) gegen den WM-Neuling.

Seit der Ankunft in Deutschland vor zwei Wochen herrscht schlechte Stimmung im traumhaften Märchenschloss Münchhausen vor den Toren Hamelns. Die Routiniers um Lilian Thuram, der gegen die Afrikaner zum 117. Länderspiel-Einsatz kommt und damit Frankreichs neuer Rekord-Internationaler wird, bilden das eine Grüppchen, die wenigen jüngeren Spieler wie Franck Ribery das andere. Hilflos dazwischen steht Trainer Raymond Domenech, der zu beiden Fraktionen keinen Draht mehr findet und auch bei den Medien jeglichen Kredit verspielt hat.

Verschiedene Ansichten über die Gruppengemeinschaft

"Die Gruppengemeinschaft ist gut", behauptet der 54-Jährige so trotzig wie wenig überzeugend. Da ist sein Ersatzkapitän Vieira, der die Binde vom gelb-gesperrten einstigen Superstar Zinedine Zidane übernimmt, schon direkter: "Ehrlich gesagt, läuft es so ab: Wir diskutieren, aber er entscheidet. Vielleicht wäre ein Weiterkommen eine Initialzündung für die gesamte Mannschaft."

Ob das Fehlen Zidanes, der am Freitag 34 Jahre alt wird, überhaupt eine Schwächung darstellt oder vielleicht sogar die Chancen der Equipe Tricolore auf das Erreichen des Achtelfinales erhöht, darüber gehen die Meinungen bei den "Blauen" erheblich auseinander. "Er steht immer noch für großen Fußball", glaubt Torjäger Thierry Henry, Domenech klammert sich an noch recht frische Reminiszenzen: "Bei unseren WM-Qualifikationsspielen war "Zizou" ja auch nicht immer dabei."

Ein Sieg mit zwei Toren Unterschied gegen den punktlosen und deshalb auch bereits ausgeschiedenen WM-Debütanten Togo sollte für den ehemaligen Welt- und Europameister eigentlich kein ernsthaftes sportliches Problem darstellen. Doch die sensationelle 0:1-Auftaktpleite vor vier Jahren in Seoul gegen den Senegal - wie Togo seinerzeit erstmals bei einer WM-Endrunde dabei - hat bei den Franzosen traumatische Spuren hinterlassen. Henry beschwörend: "Wir müssen einfach an uns glauben."

Deutschland und Italien als Vorbild

In den Tagen dieser sportlichen Nöte müssen sogar alte Erzrivalen wie Italien und Deutschland als leuchtende Vorbilder herhalten. "Auch diese großen Mannschaften sind schon sehr schwer in Weltmeisterschaften gestartet", erinnert sich Henry, ein weiterer "Oldie", Torhüter Fabien Barthez verbreitet derweil bedeutungsschwere Durchhalteparolen: "Noch haben wir unser Schicksal in den eigenen Händen."

Die eigene berufliche Zukunft nimmt Togos Trainer Otto Pfister nach seinem Abschiedsspiel in seiner Geburtsstadt Köln wieder in die eigene Hand. "Ich habe noch keine konkreten Pläne, werde aber alle seriösen Angebote prüfen", erklärte der 68-Jährige, dessen Zeit in Togo abgelaufen ist. Die nicht enden wollenden Querelen um die Prämien für seine Spieler sieht der deutsche Coach als einen Hauptgrund für das unbefriedigende Abschneiden: "Es wäre mehr drin gewesen, wenn wir uns auf das Sportliche hätten konzentrieren können."

Versöhnlicher Abschied ist das Ziel

Gegen den scheinbar übermächtigen Gegner geht es für die Afrikaner um einen versöhnlichen Abschied von der WM. "Das Wort Angst kenne ich nicht. Ich weiß, dass uns die Franzosen von Beginn an und überall auf dem Platz attackieren werden, aber wir haben die Qualitäten, dagegen zu halten und ein gutes Resultat zu erzielen", erklärte Pfister.

Vor und nach dem Abschlusstraining in der Domstadt nutzten die afrikanischen Kicker ihre Freizeit zum ausgiebigen Einkaufen. Dabei wurden die vom Fußball-Weltverband Fifa in bar ausgezahlten Antrittsprämien in erster Linie für Digitalkameras und Andenken ausgegeben.

© SID

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