Oliver Bierhoff
„Jeder Profiklub braucht einen Sportpsychologen“

Wie kann der Profisport besser mit seelischen Krankheiten umgehen? Eine Woche nach dem Freitod des Nationaltorhüters Robert Enke hat sich Oliver Bierhoff, Teammanager der Fußball-Nationalmannschaft, im Gespräch mit Handelsblatt Online dazu geäußert. Bierhoff sieht vor allem Vereine in der Pflicht - auch schon in der Jugendarbeit.
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DÜSSELDORF. Oliver Bierhoff glaubt, dass Robert Enkes Freitod zu einem Umdenken und einem besseren Umgang mit depressiven Sportlern beitragen wird. "Es ist ganz wichtig, dass wir - obwohl wir Leistung fordern - auch die Menschen mitnehmen, die Probleme haben", sagte der Manager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in einem Interview mit Handelsblatt Online. Das Leistungsprinzip bleibe bestehen, sei aber mit der Rücksicht auf erkrankte Spieler vereinbar. "Ein Verein muss dafür sorgen, diesen Menschen zu helfen", sagte Bierhoff. "Und wenn man dies gemeinsam lösen kann, bin ich fest davon überzeugt, bei den Leistungen, die Robert gezeigt, dass er weiter hätte spielen können."

Eine zentrale Anlaufstelle, für die sich die Gewerkschaft der Profifußballer VdV anbietet, hält Bierhoff hingegen für übertrieben. Auch Rufe nach einem Frühwarnsystem, wie von DFB-Präsident Theo Zwanziger ins Gespräch gebracht, seien zu pauschal. Vielmehr müsse jeder Verantwortungsträger in einem Verein oder einem Verband darauf achten, wie sich die Spieler verhalten und die notwendige Offenheit gegenüber Problemen zeigen. Das gelte nicht nur für die Profis, sondern bereits im Jugendbereich, wo ebenfalls schon starker Leistungsdruck vorherrsche. "In jedem Profiklub sollte ein Sportpsychologe vorhanden sein", forderte Bierhoff. Als Oliver Bierhoff gemeinsam mit Jürgen Klinsmann und Joachim Löw 2004 die Verantwortung für die Fußball-Nationalmannschaft übernahm, hatte der DFB erstmals einen Psychologen angestellt und damit gute Erfahrungen gemacht.

Im Hinblick auf die große Zeremonie am Sonntag vor knapp 40 000 Trauernden im Stadion von Hannover 96 und rund sieben Millionen TV-Zuschauern sagte Bierhoff: "Es ist alles sehr würdig verlaufen. Wenn man sieht, welche Trauer in Hannover bei den Fans da war, dass sich Robert in seinem Abschiedsbrief bei den Fans entschuldigt hat und man weiß, welche Bedeutung der Fußball für ihn hatte, glaube ich: Es war gut, in einer solchen Zeremonie und Trauerfeier Robert zu gedenken."

Bierhoff äußerte seinen Respekt für den Schritt der Ehefrau des Verstorbenen, die Hintergründe des Freitods schnell öffentlich zu machen. "Es war richtig, dass Frau Enke an die Öffentlichkeit gegangen ist, auch wenn sich manch einer vielleicht gewundert hat. Ich glaube, damit ist sie vielen Spekulationen schon früh entschieden entgegen getreten. Sie hat viel über Roberts Situation aufgeklärt."

Thorsten Giersch
Thorsten Giersch
Chefredakteur Business bei der Verlagsgruppe Handelsblatt / Geschäftsführer digital bei planet c

Kommentare zu " Oliver Bierhoff: „Jeder Profiklub braucht einen Sportpsychologen“"

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  • offensichtlich hat bierhoff nicht nur Maltafüsse sonder auch ein Maltahirn ...
    wirklich unglaublich

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