Oliver Bierhoffs Rolle im Sponsorstreit des DFB
Böser Bube oder Goldesel?

Als Torjäger stand Oliver Bierhoff im richtigen Moment oft am rechten Ort, im Streit um den künftigen Ausrüster der Fußball-Nationalmannschaft ist seine Position aber umstritten.

DÜSSELDORF. Im peinliche Züge annehmenden Poker um die Trikotwahl der DFB-Auswahl zwischen Adidas und Nike fokussiert sich die Kritik zunehmend auf den Teammanager des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und hinterlässt erste Kratzer am Image des „Mr. Saubermann“. Trotz der offenkundigen Nähe zu seinem früheren persönlichen Werbepartner Nike kann Bierhoff die Angriffe gegen ihn nicht verstehen und fordert stattdessen Respekt für seine Arbeit. „Ich bin Angestellter des DFB und nicht von Adidas“, begründet er seinen Einsatz für die lukrative Nike-Offerte.

Eine Statue mit seinem Konterfei vor der DFB-Zentrale hält der Ex- Nationalspieler, wenn auch mehr als Scherz formuliert, für eine angemessene Belohnung, sollte die von ihm dem Verband überbrachte Offerte des US-Unternehmens tatsächlich ab 2011 insgesamt 600 Millionen Euro in die DFB-Kasse spülen.

„Es ist ein Kompliment für mich, wenn man mir zutraut, dass ich einem solchen Unternehmen eine halbe Milliarde Euro entlocken kann“, sagte der 38-Jährige. DFB- Präsident Theo Zwanziger hat ihn zur Vorsicht aber derzeit aus allen Verhandlungen mit Adidas ausgeschlossen und dürfte im Moment froh sein, dass Bierhoff nicht wie von diesem gefordert einen Sitz im DFB-Präsidium innehat.

Seinen Kopf im richtigen Moment einzusetzen, war Bierhoffs Stärke schon als Spieler. Früh erkannte der Angreifer seinen Marktwert. Als ihn sein „Golden Goal“ zum EM-Titel 1996 zum nationalen Star machte, waren persönliche Werbeverträge unter anderem für Haarshampoo, Investmentfonds und eben auch für Nike die Folge. Zielstrebig trieb der Italien-Legionär mit dem Studium der Betriebswirtschaftslehre auch seine Ausbildung für die Zeit nach der Profi-Karriere voran.

Das brachte ihm auch die Sympathien von Branchen-Krösus FC Bayern ein. Karl-Heinz Rummenigge empfahl ihn sogar als DFB-Teammanager. Vom Münchner Vorstandschef, der aus eigenen Interessen Adidas zugeneigt ist, kommen nun aber die schärfesten Angriffe („Ich-AG vom Starnberger See“), die den sonst diplomatisch parlierenden Bierhoff zu verbalen Kontern animieren: „Eine Frechheit.“ Die Fernuniversität Hagen verrät auf ihrer Internetseite, dass ihr Absolvent vor Aufnahme seines Studiums auch das Fachgebiet Jura in Erwägung gezogen hatte.

Mit einer bislang einmaligen Umfrage wagte sich Bierhoff gemeinsam mit dem DFB nun auch auf das Feld der Meinungsforschung. Die bei der vom Verband selbst in Auftrag gegebenen Befragung diagnostizierte Zustimmung der Deutschen für einen Wechsel zu Nike hinterließ wegen einseitiger Fragestellung allerdings einen faden Beigeschmack.

Seit seiner Berufung zum Teammanager im Juli 2004 engagiert sich Bierhoff für eine neue Philosophie in der DFB-Auswahl. Sein Vokabular verrät dabei die Zielsetzung.

„Marktgerecht“ soll das Nationalteam platziert werden und „maximale Gewinne“ einbringen. Bei Nostalgikern, für die der dreimalige Welt- und Europameister immer noch mehr Kulturgut als Wirtschaftsfaktor ist, hat Bierhoff damit keinen leichten Stand. Dass er ausgerechnet mit DFB-Sponsoren wie Mercedes- Benz und Coca-Cola eigene lukrative Verträge abschließen konnte, untermauert die Kritik.

DFB-Präsident Theo Zwanziger und Bundestrainer Joachim Löw lassen an den Verdiensten Bierhoffs keinen Zweifel aufkommen. Schnell war Zwanziger mit Treueschwüren zur Stelle, als der bis 2010 unter Vertrag stehende Bierhoff das Wort Rücktritt in den Mund nahm. Löw ist dankbar, dass ihm der Teammanager viel Öffentlichkeitsarbeit abnimmt. Und bei den Nationalspielern hat er ohnehin einen Stein im Brett. „Ich glaube, dass Oliver Bierhoff fantastische Arbeit leistet. Bei der WM war alles perfekt organisiert“, sagte Verteidiger und Nike-Repräsentant Christoph Metzelder.

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