„Paradoxes Ergebnis“

Chancenwucher beschert dem BVB Niederlage

1:3 in Hamburg, 0:1 in Krasnodar – für den BVB gab es binnen einer Woche zwei Niederlagen. Mit der Schlappe in Russland wurde der Höhenflug in Europa gebremst. Trainer Tuchel sprach von einem paradoxen Ergebnis.
Erst Hamburg, jetzt Krasnodar: Die Woche verlief für den BVB wenig erfolgreich. Quelle: dpa
Schlechte Woche

Erst Hamburg, jetzt Krasnodar: Die Woche verlief für den BVB wenig erfolgreich.

(Foto: dpa)

KrasnodarViele Chancen, null Ertrag – der Siegeszug von Borussia Dortmund in der Europa League ist vorerst zu Ende. Beim 0:1 (0:1) in Krasnodar kassierte der bereits für die K.o.-Runde qualifizierte Fußball-Bundesligist im neunten Spiel auf internationaler Ebene seine erste Niederlage. Ohne das daheim gebliebene Offensivtrio Aubameyang, Reus und Kagawa mangelte es dem Team von Trainer Thomas Tuchel bei aller Überlegenheit an Durchschlagskraft.

Damit muss die Borussia um den schon sicher geglaubten Gruppensieg bangen. Denn der direkte Vergleich mit den jetzt punktgleichen Russen ging nach dem 2:1 im Hinspiel verloren. Vor rund 30 150 Zuschauern im Kuban-Stadion von Krasnodar erzielte Pawel Mamajew (2./Foulelfmeter) schon früh das Tor des Tages. Dagegen traf der BVB gleich dreimal nur das Aluminium.

Die zweite Schlappe binnen einer Woche nach dem 1:3 in Hamburg sorgte bei allen Beteiligten für Ernüchterung. „Das Ergebnis ist paradox“, klagte Tuchel, „wir haben von der zweiten bis zur 94. Minute ein sehr gutes Spiel gemacht.“ Nur ein Punktverlust von Krasnodar im letzten Gruppenspiel am 10. Dezember beim Außenseiter FK Qäbälä könnte seinem Team bei einem gleichzeitigen Sieg in Dortmund über PAOK Saloniki doch noch zum Gruppensieg verhelfen.

Die vom Coach im Vergleich zum HSV-Spiel auf insgesamt sechs Positionen veränderte Anfangs-Elf erwischte einen klassischen Fehlstart. Schon nach zwei Minuten lag sie 0:1 zurück. Einen Zupfer von Mats Hummels am Trikot des abseitsverdächtigen Mauricio Pereyra ahndete der Referee mit einem Strafstoß, den Mamajew sicher verwandelte. Dennoch nahm Tuchel des zuletzt kritisierten Hummels in Schutz: „Falls es ein Leistungsloch gibt, war das heute 35 Sekunden lang. Ich habe ihn heute sehr stark gesehen.“

Die Reaktion der Borussia ließ nach dem frühen Gegentreffer nicht lange auf sich warten. So traf Adrian Ramos nur sechs Minuten später mit einem Heber die Latte. Doch die Führung spielte dem für seine Konterstärke bekannten Team aus Krasnodar in die Karten. Die Russen zogen sich zurück und überließen dem BVB die Regie. Das Plus beim Ballbesitz brachte die Dortmunder jedoch nicht wirklich weiter, weil das Offensivspiel bei allen positiven Ansätzen gegen die dicht gestaffelte Abwehr des Gegners zunächst ideenlos blieb.

Der Retter von Borussia Dortmund
Hans-Joachim Watzke
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Am 11. Februar 2005 nahm Hans-Joachim Watzke als Manager bei Borussia Dortmund die Arbeit auf. Vier Tage später ernannte die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA Watzke zum neuen Geschäftsführer. Zuvor war Watzke bereits seit 2001 Schatzmeister des Vereins gewesen. Schulden in Höhe von 98 Millionen Euro hatten den Verein an den Rand der Insolvenz gebracht. Nun galt es, den Verein zu retten. Damit es so weit kommen konnte, musste in den Jahren zuvor einiges schief gelaufen sein bei Borussia Dortmund...

Oktober 2000 - Der BVB geht an die Börse
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Im Jahr 2000 geht Borussia Dortmund als erster deutscher Bundesligaverein an die Börse. Insgesamt platziert der Verein 13,5 Millionen Borussia-Aktien. Fans und Banker greifen zu und verschaffen dem Verein Emissionserlöse in Höhe von 143 Millionen Euro.

Basis für die Texte: Das große Geschichtsbuch von Dietrich Schulze-Marmeling zu Borussia Dortmund

Oktober 2000
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Der damalige Präsident Gerd Niebaum sieht im Börsengang eine Stärkung der Unabhängigkeit des BVB. Durch den Börsengang habe man sein „Tafelsilber nicht verkauft, sondern erheblich erweitert.“ Durch die Stärkung des eigenen Kapitals könne der Verein nicht nur seine eigenen Abwehrkräfte gegenüber Übernahmebestrebungen, sondern auch aufgegebene Felder zurückerobern. Beispielsweise das eigene Stadion.

Mai 2002: Dortmund wird Meister
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Die Borussen-Fans haben gute Laune. Am letzten Spieltag der Saison 2001/2002 können noch drei Bundesliga-Teams Deutscher Meister werden, doch der BVB entscheidet den Titelkampf für sich, indem der Verein am 4. Mai das Heimspiel gegen Werder Bremen für sich entscheidet.

September 2003: Lohnkürzung für Star-Kicker
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Nachdem schon die Champions-League-Quali am letzten Spieltag der Saison 2002/2003 verpatzt ist, scheitert der BVB auch in der Nach-Qualifikation gegen Brüssel im September 2003. Präsident Niebaum ist erzürnt. Niemand hat die Nichtteilnahme an der Champions League wirklich in Erwägung erzogen. Dies wirkt sich fatal auf die Vereinsfinanzen aus. Ein Alptraum nimmt Konturen an.

Schon kurz nach dem Aus in der Königsklasse konfrontiert die BVB-Führung ihre kickenden Angestellten mit einem spektakulären Notplan: 20 Prozent des vertraglich vereinbarten Festgehalts sollen in eine leistungsabhängige Zahlung umgewandelt werden. Bei den Spielern stößt diese Ankündigung nicht auf Gegenliebe. Einige Spieler sträuben sich.

November 2003
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Die größte Krise in der Vereinsgeschichte nimmt ihren Lauf: Um den Ausfall der ersten Gruppenphase der Champions League finanziell zu kompensieren, hätte der BVB ins UEFA-Cup-Finale einziehen müssen. Doch auch im UEFA-Cup sollte sich der BVB nicht lange aufhalten, denn der französische Provinzclub FC Sochaux sorgte für das frühe Ausscheiden der Borussia. Auf einmal sieht es um die Zukunft des BVB ganz düster aus. Die Winterpause wird von Enthüllungen über eine dramatische schwarz-gelbe Finanzkrise dominiert. Von Horrorschulden, Bilanztricks und Finanzchaos ist die Rede.

Dezember 2003
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Im Dezember scheint die Entmachtung von Präsident Gerd Niebaum beschlossene Sache, doch Niebaum will nach 18-jähriger Regentschaft das Zepter beim BVB nicht aus der Hand geben. Energisch tritt der 55 Jahre alte Chef des finanziell schwer angeschlagenen Fußball-Bundesligisten Berichten entgegen, wonach er auf Druck von Großaktionär Florian Homm bereits schriftlich zugesichert habe, mit dem Auslaufen der Amtsperiode im Jahr 2006 den Dienst als Geschäftsführer der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA zu quittieren. Einen früheren Abschied schließt Niebaum kategorisch aus.

Doch kurz vor der Pause boten sich zwei große Chancen zum Ausgleich durch Ramos und Sven Bender. Der Torjäger scheiterte aus kurzer Distanz an Krasnodars Torhüter Andrij Dykan, der für Sokratis ins Team gerückte Innenverteidiger köpfte freistehend über das Tor.

Nach dem Wiederanpfiff mühte sich der BVB mit großen Engagement um den Ausgleich. Nur knapp schoss Marcel Schmelzer in der 47. Minute aus 18 Metern am Tor vorbei. Und auch bei Kopfbällen von Lukasz Piszczek (54.) und Julian Weigl (63.) fehlten nur wenige Zentimeter. Der Pfostenschuss von Henrich Mchitarjan (74.) passte für den BVB ins Bild von einem verwunschenen Abend.

  • dpa
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