Fußball
Parreira zufrieden mit "Minimalziel" Halbfinale

Vor dem Spiel zwischen Deutschland und Brasilien beim "Confed-Cup" zeigt sich "Selecao"-Coach Parreira zufrieden, merkt jedoch an: "Die Stunde der Entscheidung ist gekommen. Jetzt wollen wir auch den Titel holen."

Am Samstag kommt es im ersten Halbfinale beim Konföderationen-Pokal zum Aufeinandertreffen zwischen dem amtierenden Weltmeister aus Brasilien und dem Vizeweltmeister aus Deutschland. Die brasilianischen Ballzauberer taten sich bisher schwerer als erwartet, musste man sich doch Mexiko geschlagen geben und auch gegen Japan blieben Ronaldinho und Co. ein Stück weit hinter den Erwartungen zurück. Im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) äußert sich "Selecao"-Coach Carlos Alberto Parreira zum bisherigen Turnierverlauf, dem Stand der deutschen Nationalmannschaft und zu möglichen Konsequenzen bei einer Niederlage seiner Schützlinge gegen die Auswahl von Bundestrainer Jürgen Klinsmann.

sid: "Herr Parreira, Sie haben den Konföderationen-Pokal als großen Testlauf für die WM im nächsten Jahr an gleicher Stätte bezeichnet. Wie sieht ihr Zwischenfazit aus?"

Carlos Alberto Parreira: "In drei Spielen haben wir 20 Spieler eingesetzt. Es ist aber schwierig, die Spieler im neuen Spielsystem zu beobachten und gleichzeitig ans Siegen zu denken. Dennoch bin ich bislang ganz zufrieden, zumal wir unser Minimalziel Halbfinale erreicht haben. Probleme hatten wir vor allem bei der Chancenauswertung und dem Umschalten von Angriff auf Abwehr."

sid: "Werden Sie gegen Deutschland die Testphase fortführen?"

Parreira: "Nein. Die erste Phase habe ich genutzt, um noch einiges auszuprobieren. Diese Spielchen sind jetzt aber vorbei. Für uns beginnt der Konföderationen-Pokal von neuem. Die Stunde der Entscheidung ist gekommen. Jetzt wollen wir auch den Titel holen. Ich werde mein bestes Team auf den Platz schicken. Aber nur, wer 100-prozentig fit ist, denn die Spieler müssen alles bis zum letzten Tropfen geben."

sid: "Mit Ausnahmekönnern wie Ronaldinho, Robinho und Kaka gehen Sie natürlich als Favorit aufs Feld."

Parreira: "Na ja, Deutschland hatte einen Tag mehr zum Ausruhen und spielt vor heimischem Publikum. Außerdem brauchen sie den Sieg mehr als wir, um mit Selbstvertrauen die Zeit bis zur WM anzugehen. Aber eine Revanche für das Finale von 2002 gibt es erst bei der WM. Die Deutschen müssen also bis zum Endspiel im nächsten Jahr warten."

sid: "Wie schätzen Sie den derzeitigen Stand der deutschen Auswahl ein Jahr vor der WM im eigenen Land ein?"

Parreira: "Jürgen Klinsmann hat seit seinem Amtsantritt viel experimentiert und seinen Job dabei gut gemacht. Im Vergleich zur WM 2002 ist das Team jünger geworden und spielt schnelleren Fußball. Michael Ballack und Oliver Kahn sind aber immer noch die tragenden Säulen. Ich habe viel Respekt vor dem jungen Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger."

sid: "Mit welcher Taktik hoffen Sie, die Deutschen zu schlagen?"

Parreira: "Das ist auch ein Vergleich der europäischen gegen die südamerikanische Fußballschule. Wir müssen den Ball auf dem Boden halten und mit unserem schnellen Passspiel immer wieder für Überraschungsmomente sorgen. Es wird ein Duell deutscher Kampfkraft gegen brasilianische Technik. Am Ende wird sicherlich auch der mentale Aspekt eine Rolle spielen."

sid: "Fürchten Sie bei einer Niederlage negative Auswirkungen?"

Parreira: "Nein, ich freue mich auf dieses Spiel. Das ist eine gute Gelegenheit zu sehen, wo man ein Jahr vor der WM steht. Im Gegensatz zu 2002 reisen wir dann wieder als großer Favorit an und müssen vorher lernen, mit dieser Rolle umzugehen. Ein Weltmeister im Boxen verteidigt einmal pro Jahr seinen Gürtel, Brasilien seinen WM-Titel einmal pro Woche. Für unsere Gegner ist es immer das Spiel des Jahres."

© Sport-Informations-Dienst, Neuss

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