Pep Guardiola

„Die Leute, die gesprochen haben, wollen mich treffen“

Die Bayern kämpfen mit den Nachwirkungen ihres Ausscheidens aus der Champions League. Trainer Pep Guardiola beklagt den Verrat von Vorgängen in der Kabine. Torjäger Robert Lewandowski formuliert zwei neue Ziele.
In der Amtszeit des Katalanen gab es immer wieder Dissonanzen um verletzte Spieler und deren rasche Rückkehr in den Spielbetrieb. Quelle: AP
Pep Guardiola

In der Amtszeit des Katalanen gab es immer wieder Dissonanzen um verletzte Spieler und deren rasche Rückkehr in den Spielbetrieb.

(Foto: AP)

MünchenDer FC Bayern bereitet sich auf einen historischen Tag in seiner ruhmreichen Historie vor, aber die Nachwirkungen des verpassten Champions-League-Endspiels drücken auf die Stimmung. Die Münchner Fußballstars müssen sich nach dem geplatzten Titeltraum mit der Aussicht auf zwei nationale Trophäen trösten. Und Trainer Pep Guardiola ärgert sich wieder einmal über ein Leck in der Kabine.

Einen am Freitag von der „Bild“-Zeitung öffentlich gemachten Krach zwischen Guardiola und der medizinischen Abteilung nach dem Halbfinal-Rückspiel gegen Atlético Madrid bezeichnete der Katalane als gezielten Angriff gegen seine Person. „Die Leute, die gesprochen haben, wollen mich treffen. Das ist viele Male passiert in den drei Jahren“, sagte der am Saisonende scheidende Trainer bei seiner Pressekonferenz vor dem Bundesligaspiel am Samstag in Ingolstadt.

Er habe in München feststellen müssen, dass Informationen immer wieder die Umkleidekabine verließen. „Was diese Leute noch nicht gemerkt haben, damit treffen sie die Mannschaft und den Verein, nicht mich“, sagte Guardiola: „Ich bin nächste Saison nicht mehr der Chef.“

„Es war Mord“
11Freunde.de
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„Es war Mord“ – zu diesem drastischen Urteil kommt das Fußballmagazin 11Freunde auf seiner Webpräsenz. „Noch ist die Oduktion nicht abgeschlossen, doch die Anzeichen verdichten sich: Der FC Bayern wurde umgebracht. Mordmotiv: Finale.“

Bild.de
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Atlético reichte dank der Auswärtstorregel nach dem 1:0-Sieg im Hinspiel ein eigener Treffer in München. Zwei eigene Treffer waren zu wenig für die Bayern. Für Bild.de ist der 2:1 Erfolg der Guardiola-Elf daher ganz klar „Peps bitterster Sieg“. Und seufzt: „Das ist sooo bitter, Bayern!“

Sportbild.de
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Doch die Bayern wären nicht die Bayern, könnten sie für den eigenen Misserfolg nicht jemand anderen verantwortlich machen. Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge griff auf einen üblichen Verdächtigen zurück und beschwerte sich über den Schiedsrichter, der einen strittigen Elfmeter für Atlético gepfiffen hatte (Neuer hielt). Rummenigges Gefühl „betrogen“ worden zu sein, schafft es denn auch zur Headline auf Sportbild.de. Für die „Sueddeutsche Zeitung „wirkt es wie das Hadern eines schlechten Verlierers“.

Sueddeutsche.de
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Bei der „Sueddeutschen“ selbst steht Thomas Müller im Mittelpunkt. Unter der Überschrift „Thomas Müller, der Partycrasher“ heißt es: „Der verschossene Strafstoß von Thomas Müller bringt die Bayern gegen Atlético vom Weg ab. Der bayerischste aller Bayern wirkt danach empört über sich selbst.“ das dritte Halbfinal-As in Folge wird kommentiert mit „Triple? nix für die Bayern!“

Spiegel.de
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Beim „Spiegel“ widmet man sich Trainer Josep „Pep“ Guardiola: „Sepp Herberger ist der Vater aller Traineridole in Deutschland. Josep Guardiola scheint den FC Bayern dagegen als einer unter vielen zu verlassen“, heißt es unter der Überschrift: „Bayerns Aus in der Champions League: Aus Pep wird kein Sepp“. „Und kein Jupp!“, ergänzt User „behemoth“ in Anspielung an Triple-Gewinner Jupp Heynckes im Forum.

Radio Marca (Spanien)
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„Atlético hat sich endlich bei den Bayern für die Tragödie von 1974 revanchiert“. Der Sender verweist damit auf die 42 Jahre zurückliegende Partie im Endspiel des Pokals der Landesmeister, dem Vorgängerwettbewerb der Champions League. Damals setzten sich die Bayern nach einem 1:1 im Hinspiel mit 4:0 im Wiederholungsspiel durch.

Cadena Cope (Spanien)
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Für den Radiosender ist Trainer Diego Simeone der „wahre Held, der in nur vier überraschend erfolgreichen Jahren ein Team von unbezwingbaren Kämpfern geformt hat“. Simeone selbst erklärte: „Ich habe in der ersten Halbzeit gegen die beste Mannschaft in meiner Karriere gespielt. Es ist unfassbar, wie Bayern aufgetreten ist. Wir haben gekämpft, wir mussten leiden. Wir haben es ins Finale geschafft und dabei zwei der drei besten Mannschaften in Europa ausgeschaltet. Ich bin sehr stolz.“

Die schnelle Genesung von Atléticos Abwehrchef Diego Godin nach einer Muskelverletzung soll diesmal Anlass für Guardiolas Unmut gewesen sein. „Warum dauert das bei unseren Verletzten immer so lange?“, soll Guardiola laut „Bild“ geklagt haben. Ein Physiotherapeut soll sich gegen die Vorwürfe gewehrt haben, weil bis auf die verletzten Arjen Robben und Holger Badstuber alle übrigen Bayern-Profis für die Partie verfügbar gewesen seien.

In der Amtszeit des Katalanen gab es immer wieder Dissonanzen um verletzte Spieler und deren rasche Rückkehr in den Spielbetrieb. Der langjährige Vereinsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt trat in der vergangenen Saison sogar mit seinem kompletten Stab zurück.

„Ich habe gekämpft mit den Ärzten, den Physiotherapeuten, der Scouting-Abteilung, weil ich das Beste für den Verein wollte. Was ich will, ist, dass die Spieler so bald wie möglich zurückkommen“, sagte Guardiola über seine Erwartungshaltung. Der 45 Jahre alte Perfektionist fordert von allen Mitarbeitern wie von sich selbst das Maximale. „Ich habe immer viele Stunden gearbeitet“, bemerkte er.

Noch zwei Arbeitswochen und drei Spiele mit zwei Titelchancen bleiben ihm in München. Am Samstag können die Bayern beim heimstarken und schon geretteten Aufsteiger FC Ingolstadt zum vierten Mal in Serie Meister werden. Das gab es noch nie. Es werde aber „nicht einfach“, sich kurz nach dem Atlético-Spiel gleich wieder aufzuraffen, meinte Guardiola: „Wir hatten viel Enthusiasmus, das Champions-League-Finale zu erreichen.“

Trotzdem: Das Double reizt. „Wir haben noch zwei Ziele in dieser Saison zu schaffen. Ich hoffe, dass wir die letzten drei Spiele alle gewinnen und die Meisterschaft und den Pokalsieg feiern“, sagte Robert Lewandowski, der auch noch Torschützenkönig werden will.

Die Ingolstädter Profis wiederum wollen im Heim-Abschiedsspiel ihres Trainers Ralph Hasenhüttl, der zu RB Leipzig wechselt, nicht brav Spalier stehen. „Wir wollen nicht, dass eine fremde Mannschaft bei uns die Meisterfeier hat“, sagte FCI-Stürmer Stefan Lex.

Warum die Bayern jetzt noch gefährlicher werden
Satz mit X, wieder nix
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Desaster gegen Real Madrid, schmerzhafter K.o. gegen den FC Barcelona - doch das dritte Halbfinal-Aus gegen Atlético Madrid war für den FC Bayern besonders bitter. Anders als beim chancenlosen Ausscheiden gegen die „Königlichen“ im Jahr 2014 und dem auch durch viele Verletzte begünstigten K.o. gegen Barça 2015 konnte sich diesmal kein Münchner Star so richtig erklären, warum es auch in diesem Jahr wieder nicht fürs Finale gereicht hat. Pep Guardiolas Champions-League-Mission in München bleibt unvollendet. Der nach dem Saisonende zu Manchester City wechselnde Katalane prophezeit dem deutschen Fußball-Rekordmeister allerdings eine große Zukunft.

Real, Barcelona, Atlético: Warum hat es auch in diesem Jahr für den FC Bayern nicht gereicht?
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Wie in den Vorjahren mussten die Münchner wieder ohne ein im Europapokal so wichtiges Auswärtstor aus dem Hinspiel in das Rückspiel gehen. Diesmal rächte es sich besonders. „Wir können uns nicht viel vorwerfen, außer dass wir zwei Fehler gemacht haben. Wir haben sehr viel richtig gemacht“, erklärte Thomas Müller, der seinen Strafstoß-Fehlschuss und die Defensivleistung beim Tor zum 1:1 von Atlético als Mankos anführte. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge haderte in der Enttäuschung mit dem Schiedsrichter, aber das wollte Philipp Lahm nicht gelten lassen. „Man muss immer vor seiner eigenen Haustüre kehren“, sagte der stark spielende Kapitän.

Ist die Amtszeit von Guardiola als Bayern-Trainer gescheitert?
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Nein. Aber die Ära Guardiola bleibt unvollendet. Club-Weltmeister und UEFA-Supercup-Sieger 2013, deutscher Meister 2014 und 2015, dazu DFB-Pokalsieger 2014 - das ist die bisherige Titelsammlung in München. Und in dieser Saison winkt noch das Double. „Danach kann man ein Resümee ziehen“, sagte Rummenigge. Als stilprägend wird die Amtszeit des Katalanen allemal in die Bayern-Historie eingehen, in seiner Münchner Vita sticht dennoch das dreimalige Halbfinal-Aus gegen Mannschaften aus seiner Heimat in der Champions League hervor. „Für die Welt, für die Leute, für die Journalisten“, sagte Guardiola, gehe es am Ende allein um die Trophäen. „Aber Titel sind Nummern.“ Diese Nummern überleben im Fußball alles.

Was heißt das Aus jetzt für die Bayern-Stars?
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Sie werden unter ihrem künftigen Trainer Carlo Ancelotti vermutlich noch gieriger und noch zielstrebiger sein. Nach dem Triple 2013 wollen sie unbedingt noch einmal in Europa triumphieren. Wie aus den dramatischen Finalniederlagen 1999 und 2012, als kurz darauf jeweils Europas wichtigste Vereinstrophäe gewonnen wurde, kann auch dieses Alptraum-Triple mit drei Halbfinal-Pleiten ein besonderer Antrieb sein. „Ich hoffe, Carlo kann das Finale erreichen“, sagte Guardiola.

Müssen sich die Bayern für einen dritten Coup in der Champions League verstärken?
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Optimieren wollen die Münchner ihren Kader. Weltmeister Mats Hummels will aus Dortmund kommen, dazu werden die Bayern an der einen oder anderen Stellschraube drehen. Aber das Gerüst steht. Leistungsträger wie Manuel Neuer, Thomas Müller, Jérôme Boateng, Javi Martínez oder David Alaba stehen bis 2021 unter Vertrag. Der FC Bayern wird trotz der Finanzkraft in England in den kommenden Jahren ein Titelkandidat in der Königsklasse sein. Bayern habe „eine große Zukunft mit diesen Spielern“, prophezeite Guardiola. Wichtig wird sein, als Rechtsverteidiger einen Nachfolger für Kapitän Lahm (32) zu finden. Auch Arjen Robben (32) und Franck Ribéry (33) werden nicht jünger.

Wie sehr hat der verletzte Robben im Halbfinale gefehlt?
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Ein Weltklassemann wie Robben fehlt immer. Verletzungsbedingt konnten die Münchner in den letzten zwei Jahren weder auf den Holländer noch auf Ribéry dauerhaft zählen. Douglas Costa (25) und Kingsley Coman (19) sollen ihre Rollen künftig besetzen, aber noch haben sie nicht die Extraklasse von „Rib und Rob“.

Wie ist die Saison der Bayern nach dem geplatzten Finaltraum in der Champions League zu bewerten?
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Eine schlechte Note wäre unfair. Die Münchner werden aller Wahrscheinlichkeit nach erstmals im deutschen Fußball vier Meistertitel nacheinander feiern. Obendrein winkt das Double. Auch das fünfte Halbfinale nacheinander in der Champions League, über die sich ein Global Player wie der FC Bayern letztlich definiert, ist top. „Jetzt wollen wir am Samstag (in Ingolstadt) den Sack zumachen“, sagte Thomas Müller mit Blick auf die 26. Meisterschaft. Diese Trophäe und der Ausgang des Pokalendspiels am 21. Mai gegen Borussia Dortmund werden über die Gesamtbewertung der Saison entscheiden.

Guardiola erwartet ein „kompliziertes Spiel“ gegen den Aufsteiger, der eine „wahnsinnig gute Saison“ gespielt habe. Kapitän Philipp Lahm möchte die Meisterfeier aber nicht nochmal um eine Woche verschieben müssen: „Wir wollen uns den Druck ersparen, am letzten Spieltag gegen Hannover noch einen Punkt holen zu müssen oder zu gewinnen.“

  • dpa
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