Phänomene des Fankults
Die Gewalt ist zurück in den Stadien

Brennende Blöcke, gewaltbereite Fußballfans: Wenn nächste Woche die Fußballsaison endet, werden Polizei und Sicherheitskräfte aufatmen. Denn die Gewalt in Stadien ist wieder aufgeflammt und hat für erschreckende Bilder gesorgt. Ein Jahr nach dem WM-Sommermärchen entschlüsseln Forscher neue Phänomene des Fankults.

HEIDELBERG. Noch drei Tage, dann steht der deutsche Meister fest. Am Samstag um 17 Uhr wird es aller Voraussicht nach im Stuttgarter Gottlieb-Daimler-Stadion hoch hergehen. Am Tag darauf hat auch die Zweite Liga ihren letzten Spieltag, dann weiß man, ob Hansa Rostock doch noch den Aufstieg schafft. Polizei und Sicherheitskräfte werden aufatmen, wenn die Hooligan-Bereitschaft für die Zeit der Sommerpause endet.

Schlagzeilen aus den Fußballstadien in Essen und Leipzig haben in den vergangenen Wochen die Illusion zerstört, Deutschland sei nach der Weltmeisterschaft 2006 ein friedliebendes Fußball-Land geworden. Die Gewalt ist in den Stadien wieder aufgeflammt. Beim Zweitliga-Spiel Rot-Weiß Essen gegen Hansa Rostock zündeten Rostock-Fans Anfang Mai im Essener Stadion Rauchbomben, eine Stichflamme löste Panik aus. Die Bilanz: 14 Verletzte und 75 Festnahmen. Es waren die schwersten Ausschreitungen im deutschen Profifußball seit langem.

Auch in der Bezirksliga kam es zu Gewalt. Am 13. Juni beginnt in Leipzig ein Prozess gegen mutmaßliche Täter, die das Spiel 1. FC Lok Leipzig gegen Erzgebirge Aue II in eine Schlacht verwandelten. 39 Polizisten wurden verletzt, die Partie wurde abgebrochen. Den Hooligans wird schwerer Landfriedensbruch und in einigen Fällen auch noch gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

Sind die Hooligans wieder da? Unverändert kommt es in den Fußballstadien zu Gewaltexzessen. „Spätestens wenn ein fußballbegeisterter Vater mit seinem kleinen Sohn völlig ungewollt in die Nähe eines bengalischen Feuers gerät, das bis zu 500 Grad heiß wird, wird es gefährlich“, warnt der Psychologe Thomas Bliesener von der Universität Kiel.

Einen positiven Weltmeisterschaftseffekt können Sozialwissenschaftler und Polizeiexperten von der polizeilichen Zentralen Informationsstelle für Sporteinsätze in Düsseldorf (ZIS) nicht erkennen. Sie haben herausgefunden, dass sich die Gewalt auf einem bestimmten Niveau eingependelt hat und dass dieses Niveau nicht niedrig ist. Pro Saison kommt es in der Ersten und Zweiten Bundesliga zu circa drei- bis viertausend Strafverfahren. Noch ist rein zahlenmäßig „ein Wiederanstieg fußballbezogener Straftaten nicht zu verzeichnen“, sagt ZIS-Leiter Michael Endler. Was der Kieler Wissenschaftler Bliesener, Autor der Studie „Hooliganismus in Deutschland, Verbreitung, Ursachen und Prävention“, bestätigt: „Quantitativ hat sich das Hooliganproblem im vergangenen Jahrzehnt nicht wesentlich verändert.“

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