Philipp Lahm im Interview
„Ich habe die Aufmerksamkeit und die Plattform“

Philipp Lahm ist nicht nur auf dem Platz engagiert, sondern auch abseits davon: mit einer Stiftung. Im Interview erklärt der Fußballer, warum Sport nicht nur Freizeitspaß ist und wie die Stiftung von Erfolgen profitiert.
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Handelsblatt Online: Sie haben schon in sehr jungen Jahren am Anfang Ihrer Karriere eine Stiftung gegründet. Auf Ihrer Internetseite sagen Sie, eine Reise nach Afrika war der Auslöser. Können Sie ein konkretes Beispiel nennen, das Sie während dieser Reise bewegt hat?

Philipp Lahm: Mich hat vor allem der extreme Gegensatz von Reichtum und Armut bewegt. Wir sind an wahren Luxusvillen vorbeigefahren und haben nur wenige Kilometer davon entfernt die Townships besucht. Dort leben tausende von Menschen auf engstem Raum, Aids ist ein großes Thema. Viele Kinder müssen sich um ihre jüngeren Geschwister kümmern, weil die Eltern krank oder tot sind. Sie haben keine faire Chance, ihr Leben zu gestalten, meist keine Perspektive. Das waren sehr intensive Eindrücke, die in mir das Bedürfnis geweckt haben, etwas zu unternehmen.

Ihre Stiftung ist breit aufgestellt, unterstützt sowohl Sport- als auch Bildungsprojekte. Inwiefern – glauben Sie – kann der Sport bei der Entwicklung von Kindern helfen? Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Ich halte Sport für ein sehr wirkungsvolles Instrument in der Vermittlung von Bildung, das immer noch unterschätzt wird. Sport ist nicht einfach nur Freizeitspaß. Sport ist wie eine Sprache, die auf der ganzen Welt verstanden wird. Über den Sport werden zentrale Werte wie Teamgeist, Toleranz, Fairplay oder der Respekt vor Regeln fast beiläufig vermittelt. Kinder und Jugendliche gewinnen Selbstbewusstsein, im Sport erleben sie Gemeinschaft, Anerkennung und Erfolg. Sie lernen Disziplin und in einer Gruppe gemeinsame Ziele zu erreichen. Ich selber habe diese positiven Wirkungen auf körperlicher, mentaler und sozialer Ebene erfahren. Es braucht Identifikationsfiguren und Vorbilder, welche diese Idee transportieren, damit das Potential des Sports in dieser Weise genutzt werden kann.

Dank Ihrer fußballerischen Erfolge ist Ihr Name nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit bekannt. Inwiefern profitiert auch Ihre Stiftung von Ihren Erfolgen, wie zum Beispiel dem Triple-Sieg in der vergangenen Spielzeit?

Die Stiftung profitiert natürlich von meiner Bekanntheit und meinem Namen. Genau das war ja auch der Gedanke bei der Gründung. Ich selber hatte eine behütete Kindheit und das Glück immer die Unterstützung zu erfahren, um ein erfolgreicher Fußballer zu werden. Mir ist bewusst, dass das keine Selbstverständlichkeit ist. Daher habe ich eine Stiftung gegründet – um selber aktiv zu helfen, aber auch um andere zur Mithilfe zu animieren. Ich habe die Aufmerksamkeit und die Plattform. Daraus leitet sich in meinen Augen automatisch eine soziale Verantwortung ab. Sportlicher Erfolg begeistert Fans. Vor allem während der letzten WM hat sich das auch auf dem Stiftungskonto bemerkbar gemacht. Im Zusammenhang mit Südafrika wurde oft auch über meine Stiftung berichtet. Viele Fans sind zu Spendern geworden.

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