Pläne des neuen DFB-Sportdirektors
Sammer beschwört die deutschen Tugenden

Matthias Sammer will das Ende der Nachwuchsmisere in der Nationalmannschaft konservativ lösen. Der neue Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes will wieder die so genannten "deutschen Tugenden" fördern. Momentan fehle dem Nachwuchs auch die "Vorbildfunktion von oben".

HB ST. LEON-ROT. "Leidenschaft, Herzblut zeigen - wer lehrt denn das eigentlich noch? Wir müssen diese Instinkte und Tugenden wieder wecken", sagte der 38- Jährige beim Jugendfußball-Forum "Faszination Fußball" am Donnerstag in St. Leon-Rot. Theo Zwanziger, der Geschäftsführende Präsident des DFB, ist davon überzeugt, "dass wir in einigen Jahren das Nachwuchsproblem nicht mehr haben werden".

Nach Angaben von Sammer, dessen Fünf-Jahres-Vertrag beim DFB am 1. April anläuft, fehlt dem Nachwuchs derzeit auch die "Vorbildfunktion von oben: Der deutsche Fußball hat insgesamt doch ein Identitätsproblem". Der frühere Bundesliga-Coach von Borussia Dortmund und des VfB Stuttgart ist künftig für alle Junioren- Auswahlmannschaften bis zur U 20 sowie den Nachwuchstrainerstab verantwortlich.

Dieter Hoeneß, der Manager von Hertha BSC Berlin, stieß ins gleiche Horn wie Sammer. "Wir werden keine Ronaldinhos produzieren. Wir brauchen wieder welche die Kirsten, Förster oder Kohler. Deshalb muss man moderne Konzepte entwickeln", meinte er bei der von der Stiftung Jugendfußball sowie vom SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp veranstalteten Forum.

Jürgen Klinsmann erhofft sich von neuen Konzepten und Maßnahmen, "dass viele Probleme, die wir im Profibereich haben, von der Basis aus angegangen werden". Der Bundestrainer ist als Vizepräsident eine der treibenden Kräfte der seit sechs Jahren bestehenden Stiftung Jugendfußball. "Das ist von enormer Wichtigkeit. Wir brauchen den DFB, die Bundesliga und die Landesverbände alle in einem Boot. Man muss sich mit den Problemen auseinander setzen - und dann geht es auch um die Umsetzung."

Die Talentsichtung und-förderung sei, so Zwanziger, zwar nach dem WM-Gewinn 1990 vernachlässigt worden, doch inzwischen zeigten die von seinem Amtskollegen Gerhard Mayer-Vorfelder angestoßenen Konzepte Wirkung. "Wenn ich in die Junioren-Nationalmannschaft reinschaue, dann sieht das doch schon wieder besser aus", sagte er und fügte mit einem Lächeln hinzu: "Wenn Jürgen Klinsmann in vier Jahren die nächste WM anstrebt, dann wird er noch viel mehr und bessere Spieler haben." Der DFB-Chef will in nächster Zeit ganz massiv Lobbyarbeit in der Politik und in gesellschaftlichen Organisationen betreiben, damit in den Schulen mehr Fußball gespielt wird: "Das ist doch die beste Integrationsarbeit."

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