Podolskis Flirt mit Japan: Ein paar Tore bis zum Fußball-Olymp

Podolskis Flirt mit Japan
Mannschaftsdiener mit Pferdelunge

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Ein paar Tore bis zum Fußball-Olymp

Nicht einmal der Import ausländischer Fachkräfte konnte dieses körperliche Manko beheben. Dabei versuchten die Japaner nach der Gründung der J-League im Jahr 1992 alles. Zuerst warben sie vorrangig brasilianische Spieler an. Zico, der „weiße Pélé“, stieg vom Spielerstar sogar zu Japans Nationaltrainer auf, bevor er nach einer Niederlagenserie in der Weltmeisterschaft 2006 durch Osim ersetzt wurde. Dann kamen auch europäische Spieler dazu, um das Niveau der Liga zu heben. 

Zeitweise wirkte diese Altzellenkur sowie der Spielerexport belebend auf das Spiel des Nationalteams aus, das in Anlehnung an seine blauen Trikots die „Samurai Blue“ genannt wird. In den 1990er Jahre stieg Japan auf Platz 14 der Fifa-Weltrangliste auf. In den Weltmeisterschaften 2002 und 2010 schaffte Japan es jeweils ins Achtelfinale. Aber zwischendurch verhagelten Pleiten die Laune. 

Seit 2011 ging es sogar in der Fifa-Rangliste steil vom 19. auf den 54. Platz bergab. 2014 verabschiedete sich die Mannschaft wie schon 2006 ohne Sieg bereits in der Vorrunde aus dem WM-Turnier. Danach kürten die Japaner wieder einen Bosnier mit Spielerfahrung in Frankreich zum Chefcoach, um die gedemütigten Samurai aufzurichten: Vahid Halilhodžić, für Deutsche ein alter Bekannter. Der 64-jährige hatte 2014 Algerien ins WM-Achtelfinale geführt. Dort scheiterte das Team an Deutschland - allerdings erst nach Verlängerung mit 2:1.  

Die gute Botschaft für Poldi: Er muss nun nur noch einigermaßen geschickt die Füße und das Köpfchen hinhalten. Mit ein paar Toren wäre ihm ein Aufstieg in den japanischen Fußballerhimmel sicher, Maskottchen und Komikfiguren mit seinem Konterfei inklusive. Denn Japans Liga mag vielleicht nicht Weltspitze sein, die oft weiblichen Fans sind es. 

Sie prügeln sich nicht auf den Rängen, sondern feiern in der Regel sich und die Mannschaft bis zum Abpfiff. Und ihre Idole feiern sie mit besonderer Liebe. Podolskis deutschen Spitznamen dürften sie noch weiter zu Poldi-kun verniedlichen. Diese Endung wird gerne an die Namen von Jungen angehängt. Dem Deutschen dürften die Herzen vieler Japanerinnen zufliegen.

Martin Kölling, Handelsblatt-Redakteur und Korrespondent in Tokio. Quelle: privat
Martin Kölling
Handelsblatt / Asien-Korrespondent

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