Podolskis Flirt mit Japan
Mannschaftsdiener mit Pferdelunge

Es kommt nicht oft vor, dass Fußballer dem Rat des Handelsblatts folgen. Lukas Podolski entschloss sich nach Appell unseres Japan-Korrespondenten offenbar zum Wechsel. Ihn erwarten ein Traumgehalt und hohe Erwartungen.
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TokioWenn Lukas Podolski im Sommer von Galatasaray Istanbul zum japanischen Verein Vissel Kobe wechselt, wird er auf hohe Erwartungen treffen. Mit Pierre Littbarski und Guido Buchwald haben schon zwei deutsche Altstars in Japan ihren zweiten Frühling gefeiert. Und von Podolski dürften sich seine neuen Fans und sein neuer Arbeitgeber, der Internetmilliardär Hiroshi Mikitani, geradezu Wunder erhoffen. Der 31-jährige soll den bisher mittelmäßigen Klub endlich an die Ligaspitze schießen. 

Dafür greift Mikitani, der Gründer der globalen Online-Shoppingmall Rakuten, voraussichtlich tief in die Tasche. Pro Jahr wird er laut Medienberichten acht Millionen Euro an Podolski überweisen. Für Japans egalitäre Fußballwelt ist das ein Traumgehalt, das sich in Asien bisher nur die neureichen chinesischen Clubs leisten konnten.

Und Podolski ist vielleicht nur der erste in einer neuen Welle gut dotierter Wirtschaftsimmigranten in Japan. Denn nicht nur Mikitani will zu den Chinesen aufschließen, Japans gesamte J-League befindet sich nach Jahren bitterer Pleiten in Aufbruchstimmung. 

Die Kashima Antlers schafften es im Dezember 2016 mit einem Sieg über Atletico Madrid erstmals ins Finale des Mannschafts-World-Cups, wo sie Real Madrid nach viel Gegenwehr mit 4:2 unterlagen- Den Elan will der Verband in die neue Spielzeit retten. Die J-League wolle es dieses Jahr den Vereinen ermöglichen, „in der globalen Fußballszene mithalten zu können“, versprach Liga-Präsident Mitsuru Murai im Januar in seiner Neujahrsbotschaft.  

Die Wiedereroberung der asiatischen Champions League gab er dabei als erstes Etappenziel aus. Der letzte japanische Sieg liegt schon fast neun Jahre zurück. Seither spielen koreanische, chinesische und arabische Clubs den Asienmeister fast ausschließlich unter sich aus. 

Um diese Schmach zu tilgen, hat die Liga große Reformen begonnen. In einem ersten Schritt hat der Verband voriges Jahr erstmals langfristig die Übertragungsrechte von Japans drei Profi-Ligen für fast zwei Milliarden Euro verkauft. Unter anderem soll das Geld den Vereinen dabei helfen, wettbewerbsfähige Gehälter für ausländische Spieler zu bieten. 

Darüber hinaus wurde der Spielmodus für die Saison 2017, die Ende Februar beginnt, wieder an europäische Normen angepasst. Wie in der Bundesliga spielen künftig 18 Vereine an 34 Spieltagen den Meister aus. In den vergangenen Jahren wurde der Sieger in einem komplizierten dreistufigen Modus ermittelt, der mehr Spannung schaffen sollte, aber nicht mehr Fans in die Stadien holte. 

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