Pokal-Halbfinale gegen Bielefeld
Zwischen Europapokal-Träumen und Abstiegsangst

Vor dem heutigen Halbfinale im DFB-Pokal träumt Eintracht Frankfurt von der Qualifikation zum Europacup. Mit einem Sieg über Arminia Bielefeld könnte man, vorausgesetzt Bayern setzt sich am Mittwoch gegen St.Pauli durch, für den internationalen Wettbewerb planen. Doch eigentlich hat man in Frankfurt zurzeit ganz andere Sorgen.

FRANKFURT. Das Grün sieht nicht gut aus. Furchen, Löcher, Unebenheiten: Der Rasen der Commerzbank-Arena, auf dem heute Abend Eintracht Frankfurt und Arminia Bielefeld um den Einzug in das DFB-Pokalfinale spielen, ist in einem bedauernswerten Zustand. Das gilt auch für die Mannschaft des Gastgebers.

„Mir blutet beim Anblick des Rasens das Herz“, sagt Trainer Friedhelm Funkel – beim Blick auf sein Teams wird es ihm kaum besser gehen. Der noch vor Monaten gefeierte, weil von deutschen Kräften geprägte Frankfurter Kader, ist in einem Besorgnis erregenden Zustand. Bei der Bundesliga-Partie am vergangenen Samstag in Bielefeld fehlten sieben Stammkräfte, darunter Stützen wie Jermaine Jones, Christoph Preuß, Marko Rehmer und der Brasilianer Chris.Folgerichtig verlor die Eintracht die Generalprobe für das Pokalspiel heute Abend mit 0:1.

„Vielleicht sollten wir im Training nur noch schwimmen“, scherzte Funkel ob der Misere: Er muss Nobodys wie Daniyel Cimen oder Marco Russ vertrauen, die kürzlich noch zu schlecht fürs Oberliga-Team schienen. Dass es aus den vergangenen neun Spielen nur zu einem Sieg langte, die Eintracht die schlechteste Rückrundenmannschaft ist, hat aber noch andere Ursachen: Die Hysterie um das Pokal-Halbfinale.

So ist der Pokal eine historische Chance – aber birgt gleichzeitig eine große Gefahr. In vier Tagen steigt das Derby gegen Mainz, nach dem Pokal-Endspiel am 29. April könnte es am Mittwoch darauf zum Abstiegs-Endspiel gegen Kaiserslautern kommen. Funkel ist derlei Betrachtung zuwider: „Der Pokal ist für uns die reine Freude und hier wird kein Spieler geschont. Andere warten Jahrzehnte darauf, mal nach Berlin zu kommen.“

Heribert Bruchhagen, der einst in Bielefeld tätige Eintracht-Macher, teilt tief im Inneren die wachsende Besorgnis, doch plädiert der Vorstandschef für eine realistische Betrachtung der vertrackten Gemengelage. „Es war von Anfang an klar, dass wir einer der Abstiegskandidaten sind. Dafür haben wir eine hervorragende Ausgangsposition, die ich vor der Saison zu diesem Zeitpunkt sofort unterschrieben hätte.“

Nun sagt er aber auch: „Der Klassenerhalt ist wichtiger als der Pokal.“ Denn der vom ihm vorangetriebene Versuch, mit möglichst vielen deutschen Spielern (aus der Region) einen hohen Grad an Glaubwürdigkeit zu vermitteln, funktioniert am Standort Frankfurt nur in der ersten Liga. Die multikulturell geprägte Main-Metropole, deren Business- und Bankenwelt, deren Szenelokale und -clubs gerne einen weltmännischen Status vorgeben, verträgt keine Zweitklassigkeit – die mit Titeln dekorierte Historie des hessischen Traditionsvereins auch nicht. Überdies betrachtet sich Frankfurt als heimliche WM- und Fußball-Hauptstadt: Hier sitzen der Deutsche Fußball-Bund (DFB), die Deutsche Fußball-Liga (DFL) und das WM-Organisationskomitee (OK), hier werden über Pfingsten quasi als WM-Ouvertüre an drei Abenden die Bankentürme von riesigen Projektoren in einem gigantischen Musik- und Licht-Spektakel mit Fußball-Motiven illuminiert.

Würde die Eintracht absteigen, wären auch die Planspiele mit dem teuren und beinahe allein vom Steuerzahler finanzierten WM-Stadion konterkariert – dauerhaft benötigt Vermarkter Sportfive zur Refinanzierung die erste Liga. All das hat auch Bruchhagen im Blick, als er gestern am Rande der Pressekonferenz gestand: „Die Lage ist prekär.“ Gelingt dagegen der Spagat (und der Einzug ins Pokalfinale), wäre die Eintracht erstklassig aufgestellt. Der Etatentwurf liegt bei fast 45 Millionen Euro, der Zuschauerschnitt bei mehr als 40 000. Mindestens eine Million Euro bleiben heute in der Kasse hängen, weitere zwei Millionen und möglicherweise eine Uefa-Cup-Teilnahme würde das Finale bringen.

Doch Bruchhagen mag keine Fantastereien: Europapokalträume sind ihm ebenso zuwider wie im Vorfeld die Verkaufsbedingungen für die Finalkarten bekannt zu geben. „Aber wer daraus eine Überheblichkeit ableitet“, geifert er, „der hat sie nicht alle.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%