Pokal-K.o. in Neapel
Juve im freien Fall

dpa NEAPEL. Jetzt kommt es für Juventus Turin knüppeldick: Nach Manipulations-Skandal, Star-Ausverkauf und Zwangsabstieg in die 2. Liga muss Italiens Fußball-Rekordmeister auch noch eine bittere Pokalpleite verkraften.

Mit 7:8 unterlag Juventus nach einem Elfmeterkrimi dem Zweitligaaufsteiger SSC Neapel und vergab damit schon in der dritten Cup-Runde die letzte Chance zur Rückkehr auf die nationale Fußball-Bühne. Sportlich kommt Juve für mindestens ein Jahr nicht mehr aus den Niederrungen der Serie B heraus. Jetzt sind die Gerichte Juves letzte Hoffnung. Im eskalierten Rechtsstreit mit dem Fußballverband (Figc) zeichnet sich erstmals Kompromissbereitschaft ab.

„Wenn vom Figc ein positives Signal kommt, können wir sofort reagieren“, stellte Juve-Präsident Giovanni Cobolli Gigli in Aussicht, die Klage vor dem Verwaltungsgericht (TAR) in Rom zurückzuziehen. „Wir sind im Gespräch“, sagte Cobolli Gigli. Damit würde der Club vor der für den 1. September angesetzten Verhandlung vor dem TAR doch noch auf den vom Weltfußballverband (Fifa) vorgeschriebenen Instanzenweg der Sportgerichtsbarkeit zurückkehren.

Juve fordert eine deutliche Reduzierung der Strafe und strebt die Wiedereingliederung in die Serie A an. Den Zwangsabstieg in die Serie B mit 17 Strafpunkten und Aberkennung der letzten beiden Meistertitel empfindet man in Turin als zu hart. Sollte der Verband nicht nachgeben, will Juve bis vor den Europäischen Gerichtshof ziehen und möglicherweise vom Verband 130 Mill. Euro Schadenersatz fordern. Auch eine Schadenersatzforderung gegen sein ehemaliges Führungsduo Luciano Moggi und Antonio Giraudo, das als Drahtzieher der Liga-Manipulationen verurteilt wurde, ist angedacht. „Ich schließe dies nicht aus“, sagte Cobolli Gigli.

Über den K.o. von Neapel war der Präsident sehr enttäuscht: „So früh hatte ich unser Ausscheiden im Pokal nicht erwartet“, sagte Cobolli Gigli. Auch Trainer Didier Deschamps war konsterniert: „Das tut weh“, sagte der Franzose. Der überragende Alessandro Del Piero hatte Juve zunächst mit dem Ausgleichstor zum 2:2 in die Verlängerung gerettet und die Gäste dann kurz vor Abpfiff (120.) mit 3:2 in Führung gebracht. „Da hätte ich nie gedacht, dass Neapel nochmal zurückkommt“, gab Deschamps zu.

Aber ausgerechnet Paolo Cannavaro, der jüngere Bruder des von Juve zu Real Madrid abgewanderten Fabio Cannavaro, glich in der Schlusssekunde zum 3:3 aus. Im Elfmeterschießen vergab dann zunächst Juve-Torwart Gianluigi Buffon und am Ende Federico Balzaretti den entscheidenden letzten Strafstoß, womit der Turiner ungewollt den Startschuss für eine rauschende Fußballfest in Neapel gab: „Das war ein unglaublicher Abend“, jubelte Neapels Präsident Aurelio De Laurentiis. 60 000 feierten im Stadio San Paolo und weit über 100 000 Fans in der ganzen Stadt.

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