Poker um Fernsehrechte
EM 2008 wohl teilweise nur im Pay-TV

Erstmals seit ihrer Existenz seit 1960 könnte die TV-Übertragung der Europameisterschaft zersplittert und teilweise im Bezahlfernsehen ausgestrahlt werden. Offenbar sind die öffentlich-rechtlichen Anstalten ARD und ZDF, die bislang das Monopol hatten, nicht bereit, die geforderten rund 150 Mill. Euro für die 31 Spiele zu bezahlen.

Kosten sind erheblich gestiegen

Zum Vergleich: Für 48 WM-Spiele überwiesen die durch Gebühren finanzierten Sender rund 180 Mill. Euro. Demnach würde theoretisch ein EM-Spiel 4,8 Mill. Euro kosten, während ein WM-Spiel rechnerisch für 3,75 Mill. Euro zu haben war.

Der Hintergrund: Bislang hat die Europäische Fußball-Union (Uefa) die TV-Rechte seit der Erfindung der EM 1960 immer pauschal an die European Broadcasting Union (EBU) vergeben. Für die EM 2008 in der Schweiz und Österreich aber soll die deutsche Agentur Sportfive die Rechte in allen 52 Märkten einzeln verkaufen.

In zehn Ländern - darunter Italien (RAI), den Niederlanden (NOS) und Portugal (TVI) - ist das schon gelungen. In Deutschland noch nicht. Hier läuft noch ein gewaltiger Poker, zu dem sich weder Sportfive noch die TV-Sender öffentlich äußern wollen.

Erwartungsgemäß bilanziert Philippe Le Floch, Uefa-Direktor für Marketing und Medienrechte: "Wir sind bis jetzt mit den Resultaten zufrieden, sehr zufrieden. Es war ein grundlegender Entscheid, mit einer so langen Tradition zu brechen."

EM-Rechte wahrscheinlich gesplittet

Konkret heißt das, dass die EM-Rechte 2008 in Deutschland, einem überaus lukrativen TV-Markt, wahrscheinlich gesplittet werden. Die Uefa hat Sportfive vorgeschrieben, dass Eröffnungsspiel, die Gruppenspiele einer betroffenen Nationalmannschaft, die vier Viertelfinal-Spiele, die beiden Halbfinale und das Endspiel in einem Free-TV-Sender zu übertragen.

Gut möglich, dass ARD/ZDF sich nur auf diese elf Spiele stürzen werden - es wäre immerhin die Sahne bei der Euro.

Premiere zeigt bereits Interesse

Der Rest könnte ins Pay-TV abwandern, was bedeuten würde, dass erstmals eine Europameisterschaft komplett nur noch gegen zusätzliche Abo-Gebühren zu sehen wäre. Der Pay-TV-Sender arena, der sich gerade als Bundesliga-Kanal etabliert, geht das Thema nur mit spitzen Fingern an - beim arena-Konkurrenten Premiere, der sich nach der Bundesliga-Niederlage via Champions League international positioniert, gibt man sich da schon interessierter.

Natürlich werden die Rest-Spiele, unter denen schließlich auch ein WM-Finale Frankreich - Italien oder ein Klassiker Niederländer - England sein könnte, auch Sendern wie SAT.1 oder RTL angeboten. Aber auch dort will niemand so recht aus der Deckung heraus. Zu großes Interesse könnte den Preis treiben.

Bei der Uefa jedenfalls zeigt man sich optimistisch, bis zum nächsten Frühjahr auch in Deutschland einen Abschluss erreicht zu haben. Ein Jahr vor der EM wird es ja auch Zeit.

© SID

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