Polens Nationalcoach
Janas hat größten Sieg bereits hinter sich

Polens Nationalcoach Pawel Janas steht mit seinem Team vor dem WM-Auftakt in Gelsenkirchen gegen Ecuador. Seinen größten Sieg hat er allerdings schon errungen, als er vor fünf Jahren seinen Kehlkopfkrebs besiegte.

Mit seiner Mannschaft will Pawel Janas natürlich zum Auftakt der WM-Endrunde in Gelsenkirchen gegen Ecuador den sportlichen Erfolg, doch seinen schwersten Kampf hat der Nationaltrainer Polens schon vor fünf Jahren gewonnen. Durch Disziplin und Unerbittlichkeit gegen sich selbst besiegte der 53-Jährige seinen Kehlkopfkrebs und konnte von seinen Ärzten als geheilt erklärt werden.

Das zähe und langwierige Ringen um die eigene Lebensperspektive hat den ohnehin sperrigen Coach noch schroffer und unnahbarer werden lassen. Selbst die souveräne WM-Qualifikation seines Teams mit sechs Siegen aus acht Spielen hat aus ihm keinen Publikumsliebling oder begehrten Interviewpartner gemacht. Durch seine knurrige und distanzierte Art hat es jemand wie Janas nicht leicht in der heutigen Medienwelt.

In genau diesem Verhaltensmuster präsentierte er sich auch bei der Pressekonferenz vor der Partie gegen die Südamerikaner. Kurze Sätze, Halbsätze, manchmal nur ein Wort - auch die bohrendsten Nachfragen ließ er an sich abprallen. Wie das Gelächter der polnischen Reporter verriet, nicht ohne Ironie.

Einsame Beschlüsse, wie die Ausbootung des populären Torhüters Jerzy Dudek oder die Nicht-Berücksichtigung des beliebten Torjägers Tomasz Frankowski zu rechtfertigen, hält er nicht für nötig: "Ich trage die volle Verantwortung dafür, es ist einzig und allein meine Entscheidung." Bei personellen Maßnahmen zeigt sich Janas ebenso kompromisslos wie einst als polnischer Nationalverteidiger.

Janas bringt Medien gegen sich auf

Sieht er dafür eine Notwendigkeit, bringt der frühere Frankreich-Legionär sogar den eigenen Arbeitgeber und die öffentliche Meinung gegen sich auf, ohne mit der Wimper zu zucken. Die spektakuläre Maßnahme, bei einem Testspiel gegen eine Amateur-Auswahl die Kameras des polnischen Fernsehens ohne Vorankündigung aus dem Stadion zu verbannen, kostete den nationalen Verband knapp eine Million Euro. Die seit Wochen terminierte Liveübertragung fiel aus, Werbekunden wurden verprellt.

Wenn man ihm Glauben schenken darf, erfährt Janas von solchen Turbulenzen so gut wie nichts, denn es ist für ihn fast schon ein guter Brauch, Medienveröffentlichungen nicht zu beachten: "Ich sehe nicht fern und lese keine Zeitungen. So bin ich frei in meinen Entscheidungen und muss mir von niemandem reinreden lassen."

Kritiker warten nur auf Scheitern bei der WM

Seine zahlreichen Kritiker warten nur auf ein frühes Scheitern bei der WM, der Druck auf Janas würde dann fast ins Unermessliche wachsen. Besonders misstrauisch wird der Fußball-Lehrer von seinem in der polnischen Heimat geradezu vergötterten Ex-Star Zbigniew Boniek beäugt, der als direkter Vorgänger von Janas sportlich allerdings weit weniger erfolgreich war.

Obwohl mit Leib und Seele im Fußball-Geschäft tätig, sucht der Erfolgscoach in seiner Freizeit gern die Einsamkeit. In den Wäldern rund um seinen Wohnort Wronki ist Janas häufig auf dem Hochsitz zu finden. Am Freitag hat bis auf weiteres seine Jagd auf die begehrte WM-Trophäe begonnen.

© SID

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