Polizei zu Amerell
Keine Hinweise auf Fremdverschulden oder Suizid

Im Todesfall Manfred Amerell rechnet die Münchner Polizei nicht vor Donnerstag mit Ergebnissen der Obduktion. Nach ersten Erkenntnissen gab es zunächst keine Hinweise auf Fremdverschulden oder einen Suizid.
  • 1

MünchenDer frühere Bundesliga-Schiedsrichter Manfred Amerell ist nach ersten Erkenntnissen nicht durch Fremdverschulden oder Suizid gestorben. Wie die Münchner Polizei am Mittwoch bekanntgab, sollte eine Obduktion am Nachmittag die Todesursache klären. Mit den Ergebnissen dieser Untersuchung sei nicht vor Donnerstag zu rechnen, möglicherweise könne es aber auch noch länger dauern. Der „fortgeschrittene Verwesungszustand“ des gefundenen Leichnams würde die Obduktion erschweren, sagte der Münchner Kriminaldirektor Frank Hellwig.

Zudem wurde von der Polizei ein toxikologisches Gutachten in Auftrag gegeben. „In der Wohnung wurde nichts gefunden, was auf Suizid hindeutet“, erklärte Hellwig bei einer Pressekonferenz. Ein Abschiedsbrief wurde nicht entdeckt.

Amerell war am Dienstagnachmittag in einer Wohnung im Münchner Stadtteil Neuhausen im Alter von 65 Jahren tot aufgefunden worden. Die Feuerwehr hatte sich nach Hinweisen eines Bekannten Amerells über eine Drehleiter Zugang zur Wohnung des ehemaligen Schiedsrichter- Sprechers im vierten Stock verschafft. Amerell, der im Schiedsrichterskandal mit dem früheren FIFA-Referee Michael Kempter für Schlagzeilen gesorgt hatte, hinterlässt eine Frau und zwei erwachsene Töchter.

Der Referee stand zuletzt wegen einer langwierigen rechtlichen Auseinandersetzung mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) im Fokus der Öffentlichkeit. Amerell hatte im April angekündigt, den Verband wegen Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte auf Schadenersatz verklagen zu wollen. Der ehemalige Unparteiische fühle sich vom DFB seit Beginn des Falls Amerell/Kempter diffamiert, hatte sein Anwalt Jürgen Langer im Frühjahr erklärt.

Der ehemalige FIFA-Referee Michael Kempter hatte Amerell sexuelle Übergriffe vorgeworfen. In einem gerichtlichen Vergleich zog er später jedoch seine in mehreren Interviews getätigte Aussage zurück, Amerell klar signalisiert zu haben, keine sexuellen Kontakte zu wollen. Er habe seine Ablehnung möglicherweise nicht ausreichend wahrnehmbar ausgedrückt, so Kempter. Amerell hatte sexuelle Übergriffe stets bestritten.

Amerell war Geschäftsführer bei den Clubs TSV 1860 München, FC Augsburg und Karlsruher SC. Danach pfiff er während seiner aktiven Zeit als Schiedsrichter insgesamt 66 Bundesliga-Partien. Amerell beendete die Karriere nach der Leitung des Pokalfinals 1994 zwischen Werder Bremen und Rot-Weiß Essen. Im Anschluss wechselte er als Funktionär zum DFB. Im Februar 2010 trat er im Zuge des Falls Amerell/Kempter von seinem Ämtern im DFB und im Süddeutschen Fußball-Verband zurück.

 
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Polizei zu Amerell: Keine Hinweise auf Fremdverschulden oder Suizid"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Man darf gespannt sein, welche Zeitungen sich nun ohne Rücksicht auf die ohnehin leidgeprüfte hinterbliebene Familie an den unvermeidlichen Spekulationen beteiligen werden. Hoffe, dass das Handelsblatt nicht dazugehört.


Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%