Porträt
Tausend Tore

Ohne Spezialisten wie den Unternehmer Winfried Baaser läuft bei dem Turnier gar nichts: Er liefert den Schiedsrichtern die roten Karten.
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DÜSSELDORF. Millionen Fußballfans macht er damit neidisch: Winfried Baaser kann sich alle Spiele der Fußballweltmeisterschaft in den Stadien anschauen. Denn der 63-Jährige erhält vom Weltfußballverband Fifa eine Generalkarte und Zugang zu allen Partien. Der Mann muss wichtig sein.

Ist er auch, denn ohne Baaser läuft bei diesem Turnier kein Spiel: Der rheinland-pfälzische Unternehmer, Fan des 1. FC Kaiserslautern, stattet alle zwölf WM-Stadien mit Toren, Eckfahnen und Ersatzbänken aus. Sein Unternehmen "Allzweck Sportartikel" ist der weltgrößte Spezialist für Schiedsrichter- und Regelzubehör. Baaser, der bis 1980 selbst als Schiedsrichterassistent in der Bundesliga tätig war, liefert Schiedsrichterpfeifen, so genannte Disziplinarkarten in Gelb und Rot, Getränkebehälter oder Auswechseltafeln. Insgesamt etwa 1000 verschiedene Artikel. Zusammen mit seinen 34 Mitarbeitern hat er damit im vergangenen Jahr elf Millionen Euro Umsatz gemacht.

Die WM soll in Deutschland für einen Konjunkturschub sorgen, profitieren werden vor allem große Sponsoren und Ausrüster - aber eben auch kleine Spezialisten wie Baaser. Allein der Auftrag, die zwölf Spielfelder der WM auszustatten, bringt ihm 500 000 Euro von der Fifa. Vier Stunden vor einem Spiel muss er oder einer seiner Mitarbeiter im Stadion sein, um Tore und Eckstangen nochmal zu überprüfen.

1978 lieferte der Unternehmer aus Trechtingshausen bei Bingen am Rhein erstmals Schiedsrichterassistenten-Fahnen für die WM in Argentinien; 1982, zum Turnier in Spanien, brachte er fluoreszierende Eckfahnen mit. 1986 in Mexiko, im Viertelfinale Argentinien gegen England, fummelte der große Diego Armando Maradona fast eine Minute lang an einer Eckfahne herum; das Firmenlogo war weltweit zu sehen. Baaser saß zu Hause vor dem Fernseher - seine Wohnung liegt gleich über dem Büro - und wäre fast ausgeflippt vor Freude.

Die entsprechenden Stangen und Wimpel hat er zu hunderten auf Lager. Sein Mitarbeiter Martin Gewehr verpackt gerade Eckfahnen für die Ukraine und Weißrussland. Der Chef führt durch das Lager. Es geht vorbei an dutzenden von Beuteln mit Schiedsrichterpfeifen: "Alles Fox-40-Pfeifen. Die besten, die es gibt. Die werden in Kanada produziert, machen einen Lärm von mehr als 100 Dezibel. So übertönen Sie jeden Geräuschpegel im Stadion." Nebenan im Regal lagern rote und gelbe Karten. Im nächsten Gang findet sich farbige Schiedsrichterkleidung: "Damit habe ich angefangen." Inzwischen verschickt Baaser jährlich 50 000 Pakete, beliefert 5000 Sportfachhändler in Deutschland und Sportgeschäfte in 35 Ländern.

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