Portrait
In der Welt zu Hause

Fußball-Globetrotter Otto Pfister ist mit Togo in Wangen gelandet. Seit 1972 hat der gebürtige Kölner insgesamt 14 afrikanischen Mannschaften trainiert. Nun träumt er als 68-Jähriger bei seiner ersten WM-Teilnahme vom Achtelfinale.

WANGEN. Mitten in der Nacht klingelt das Telefon. Der Präsident des togoischen Fußballverbandes ist am Apparat und fragt: "Otto, bist du frei?". Der sagt ja, fliegt mit der nächsten Maschine nach Lomé und präsentiert im besten Hotel am Platz sein Konzept. Dann geht der Trainer in sein Zimmer und wartet auf die Entscheidung der Funktionäre. Sie rufen ihn wenig später zu sich und regeln die Formalitäten. Zeitgleich verhandeln togoische Emissäre in mehreren europäischen Ländern noch mit anderen Kandidaten.

"So einfach und schnell geht das", sagt Otto Pfister, seit jener Blitzaktion im Februar Trainer des WM-Teilnehmers Togo, seit die Verbandsoberen des westafrikanischen Landes Stephen Keshi nach einer desaströsen Vorstellung beim Afrika-Cup entlassen hatten. "In dem Job, so wie ich ihn mache", sagt Pfister im WM-Trainingslager in Wangen, "gibt es keine Bewerbungen, Lebensläufe oder solches Trallala."

Pfister, der mit einer Schweizerin verheiratet ist und im Sarganserland sein Basislager hat, ist Fußball-Weltenbummler. In Deutschland war er nie Trainer. "Wenn ich die Wahl hätte zwischen Nepal und dem VfL Wolfsburg, würde ich mich auf jeden Fall für die Nationalelf von Nepal entscheiden", sagt der Mann mit dem schlohweißen Haar und der hohen Stirn, dessen Wanderschaft vor 34 Jahren in Ruanda begonnen und ihn in 14 Länder gebracht hat. "Ich bin ein Abenteurer und muss immer wieder etwas Neues sehen."

Gestern Ruanda, heute Togo. Das Herz des leidenschaftlichen Schachspielers und Liebhabers klassischer Musik hängt vor allem am Schwarzen Kontinent. Dort verbrachte Afrikas "Trainer des Jahres 1992" die meiste Zeit seines Lebens. Dort feierte er mit Ghanas U17-Nationalmannschaft seinen größten Erfolg, als er die Mannschaft mit dem späteren Bayern-Abwehrspieler Sammy Kuffour zum Weltmeistertitel führte.

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