Portugal enttäuscht gegen Angola
Die ehemalige Kolonie bereitet Probleme

Mit einem Pflichtsieg über WM-Neuling Angola, ist die Nationalmannschaft von Portugal in das WM-Turnier gestartet. Dabei überzeugte die Elf von Trainer Scolari nur über wenige Phasen, was das Publikum mit vereinzelten Pfiffen quittierte.

KÖLN.Eine ganz besondere, historische Spannung lag in der Luft, als Schiedsrichter Jorge Larrionda gestern Abend um 21 Uhr in Köln das Weltmeisterschaftsspiel Portugal gegen Angola anpfiff. Die frühere Kolonialmacht spielte gegen ihre ehemalige Kolonie, die sie erst 1975 in die Freiheit entlassen hatte. Eine brisante Begegnung, bei der die Vorzeichen eindeutig auf Sieg für Portugal standen: Hier der Fußball-Zwerg Angola, WM-Neuling mit wenig bekannten Namen in seinen Reihen. Dort eine erfahrene Elf, gespickt mit international hoch angesehenen Spielern, trainiert vom brasilianischen Weltmeistercoach Luiz Felipe Scolari.

Doch anders als die Papierform verhieß, kamen die Portugiesen nicht über ein ungefährdetes, müdes 1:0 (1:0) hinaus. Bester Spieler der Südeuropäer war Luis Figo, der das frühe Tor durch Pauleta herrlich vorbereitete (4.). Das war nicht einmal die erste große Chance der Portugiesen, die mit enormen Tordrang in die Partie starten. Keine 20 Sekunden sind gespielt, da passt Christiano Ronaldo wunderbar in den Lauf von Stürmer Pauleta, der jedoch knapp am rechten Pfosten vorbeizielt. Doch gleich der nächste Angriff sitzt: Ein Kopfball aus der eigenen Abwehr landet genau bei Figo, der sofort auf Angriff umschaltet, Jamba überläuft und im Strafraum quer auf Pauleta passt. Der braucht nur noch einzuschieben. Es steht 1:0 für Portugal!

Nur: Die Portugiesen legen nicht nach. Immer wieder blitzt während der gesamten Partie zwar ihre technische Klasse auf, kombinieren sie ausgezeichnet und es wird gefährlich. Doch gleichzeitig ergötzen sie sich selbst zu sehr an ihren eigenen Kabinettstückchen, die nicht viel einbringen, und vergessen, in Bewegung zu bleiben. Dadurch öffnen sich große Räume für Angolas Angreifer, die plötzlich gute Möglichkeiten haben: Mateus schießt aus 20 Metern knapp über das Tor von Ricardo (23.); nach einer Flanke von Loco setzt Akwa einen Fallrückzieher einen Meter über das Tor (23.);ein Schuss von Figueiredo geht knapp am Tor vorbei (24.).

Für Angola wird es dagegen meist dann gefährlich, wenn Figo an den Ball kommt und das Spieltempo blitzschnell erhöht. Oder bei Standardsituationen, die der Star von Inter Mailand ausführt. So wie in der 32. Minute, als Ronaldo eine Ecke von Figo an die Latte köpft. Kurz vor der Pause haben beide Teams dann ihre größten Chancen: Einen Distanzschuss von Angolas Andre lenkt Ricardo mit den Fingerspitzen um den Pfosten (42.); Figo setzt sich durch, passt auf Miguel, der auf Ronaldo quer legt - Glanzparade von Joao Ricardo. Nach der Pause ändert sich nicht viel. Angola bemüht sich zwar sehr, hat aber nicht die Klasse, die Portugiesen in echte Bedrängnis zu bringen. Die überlegenen Südeuropäer vergessen das Tore schießen und erzürnen das Publikum mit vielen Querpässen. Die größte Chance hat noch Simao, der einen Freistoß von Figo in der 84. Minute über die Latte köpft. Am Ende bleibt es beim verdienten aber hart erkämpften 1:0 für Portugal.

Grischa Brower-Rabinowitsch
Grischa Brower-Rabinowitsch
Handelsblatt / Ressortleiter Unternehmen & Märkte
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%