Premier League
Angst vor Pleitewelle in Englands Fußball

Englische Vereine dominieren Europas Fussball, doch der Erfolg ist teuer erkauft. Die meisten britischen Starteams sind hoch verschuldet. Manchester, Liverpool und Chelsea schreiben trotz hoher Umsätze rote Zahlen. Britische Parlamentarier fürchten bereits eine Pleitewelle.

LONDON. Der Triumphzug der englischen Spitzenklubs im europäischen Fußball setzt sich fort. Wie vor einem Jahr dominieren die mit Weltstars gespickten Vereine von der Insel die Champions League fast nach Belieben. Heute stehen sich im Halbfinale Titelverteidiger Manchester United und der Londoner Klub Arsenal FC gegenüber. Wie 2008 ist ein englisches Finale möglich, wenn sich zugleich der Chelsea FC gegen den FC Barcelona durchsetzen sollte. Doch die Erfolge der Premier League überdecken eine düstere Realität: Die Top-Vereine haben sich so überschuldet, dass sie trotz steigender Einnahmen Verluste schreiben. Darum fordert die Politik jetzt eine grundlegende Reform mit einem Lizenzierungssystem nach Vorbild der Bundesliga - damit nach der Finanzblase nicht auch noch die Fußball-Blase platzt.

"Die Finanzwelt hat im vergangenen Jahr ihre Lektion gelernt: Das alte Motto, dass man nicht reparieren soll, was nicht kaputt ist, hat hier zu katastrophalen Ergebnissen geführt", zieht Alan Keen, der Vorsitzende des Parlamentsausschusses für Fußball, eine Parallele zum Desaster der Londoner City. Darum forderte er die Premier League und den englischen Fußballverband FA auf, die Empfehlungen des Ausschusses dieses Mal ernst zu nehmen. 2004 hatten die Parlamentarier schon einmal nach einer einjährigen Serie von Anhörungen eine Reform verlangt, waren aber auf taube Ohren gestoßen. Nun könnte es anders laufen: Schließlich üben auch die internationalen Verbände Uefa und Fifa massive Kritik an der Wettbewerbsverzerrung durch die Premier League.

Unter den 27 Empfehlungen des Ausschusses bergen jene zur finanziellen Stabilität die meiste Sprengkraft. Nur Klubs, deren Ausgaben nicht dauerhaft die Einnahmen übersteigen, sollen in der Premier League mitspielen dürfen. Man müsse das deutsche System analysieren und daraus lernen, heißt es in dem Bericht. Schließlich hätten die Vereine der ersten Bundesliga in der Saison 2006/07 doppelt so viel Gewinn gemacht wie die der Premier League.

Die Finanzdaten der führenden englischen Vereine sehen bei weitem nicht so gut aus - trotz der sportlichen Erfolge und der mit Abstand höchsten Fernseheinnahmen aller Ligen in Europa. Manchester United etwa hat im vergangenen Jahr, als der Klub sowohl den englischen Titel als auch die Champions League gewann und zudem Klubweltmeister wurde, den Umsatz um 22 Prozent auf 256 Mio. Pfund gesteigert. Dennoch schrieb der Verein rote Zahlen. Grund dafür sind Zinszahlungen von 45 Mio. Pfund, die aus einem operativen Gewinn von 24 Mio. Pfund einen Vorsteuerverlust von 21 Mio. Pfund machten. Die Schuldenlast von 750 Mio. Pfund hatten die neuen Eigner, die Glazer-Familie aus den USA, dem zuvor praktisch schuldenfreien Klub bei der Übernahme 2005 aufgedrückt. Das ist ein guter Teil der rund 2,5 Mrd. Pfund Schulden, die die Premier-League-Vereine nach Angaben der Wirtschaftsprüfungsfirma Deloitte insgesamt aufgehäuft haben.

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