Premier League gegen Bundesliga
Warum Jürgen Klopp eine Gefahr ist

Augsburg gegen Liverpool: Kulttrainer Jürgen Klopp kehrte zum Europa-League-Spiel nach Deutschland zurück. Ein Investor prophezeit ihm eine glänzende Zukunft. Denn die englische Premier League schwimmt im Geld.
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Sven Schmidt, geschäftsführender Gesellschafter der Hamburger ICS Internet Consumer Services GmbH, berät und investiert in Technologieunternehmen. Er sucht hohe Renditen, ist sportbegeistert und kennt England gut.

Herr Schmidt, die Rückkehr von Jürgen Klopp in die Bundesliga ist heute der Kracher in der Europa League. Hat Augsburg überhaupt eine Chance gegen einen Klub wie Liverpool, der in Fernsehgeldern schwimmt?
Heute vielleicht, auf mittlere Sicht leider nein. Selbst für Hoffnung ist es schon zu spät. In absoluten Zahlen ist die englische Liga inzwischen so weit vorne, dass sie nicht mehr eingeholt werden kann. In der nächsten Saison werden die 20 Premier-League-Vereine alleine durch TV-Rechte mehr als vier Milliarden Euro einnehmen. Die 18 Bundesligisten bekommen im besten Fall ab 2017 rund eine Milliarde Euro. Dazu kommen fantastische Sponsorendeals, wie jener von Adidas mit Manchester United: 100 Millionen Euro zahlt der Sportartikelhersteller pro Saison. 

Warum ist dieser gewaltige Abstand so besorgniserregend? 
Es geht um 150 Millionen Euro Mehreinnahmen pro Jahr für jeden Verein der Premier League – bei 15 der 18 Bundesligisten ist der Gesamtumsatz geringer. Dazu kommen die Skaleneffekte. Die Bundesliga hat – bezogen auf den Umsatz – einen wesentlich höheren „Overhead“. Für England ist festzuhalten: Die Basis steht. Die Stadien sind ausgebaut, die Organisation in den Vereinen ist es ebenfalls. Was nun an neuen Millionen hereinkommt, kann zu einem viel größeren Teil in die Spieler investiert werden als früher – in Form von Transfers oder eben Gehältern. Ökonomisch ausgedrückt: Die sonstigen Kosten skalieren nicht mit.

Wer einmal oben ist, kann genau deshalb seinen Vorsprung ausbauen?
So ist es: Mehr Einnahmen führen zu besseren Spielern, dies führt zu mehr TV-Zuschauern und die wiederum führen zu mehr Einnahmen. Die sich selbst verstärkenden Effekte vergrößern den Vorsprung weiter. Die Premier League ist eine globale Plattform, die von Netzwerk- und Skaleneffekten profitiert.

Die Bundesliga setzt 2,6 Milliarden Euro um – ein Rekordniveau. Und der Liga-Verband DFL wünscht sich in zehn Jahren mehr als doppelt so viel – 5,5 bis sechs Milliarden Euro Umsatz. Reicht das wirklich nicht?
In der nächsten Saison werden die großen vier englischen Vereine (Manchester United, Manchester City, FC Chelsea und FC Arsenal) allein mehr als 2,6 Milliarden Euro Umsatz machen. Das sagt alles. Und die Bundesliga ist keine Insel. Was helfen 5,5 bis sechs Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2026, wenn die Premier League dann 15 bis 20 Milliarden jährlichen Umsatz macht?

Sie erwarten im Ernst, dass die Premier League in zehn Jahren vier Mal so stark ist wie die Bundesliga?
Nicht nur das! So wie heute kein Nationalspieler mehr in der 2. Liga spielt, wird dann kein Nationalspieler mehr in Deutschland spielen. Sogar der FC Bayern München dürfte 2026 Probleme haben. Wer sich das nicht vorzustellen vermag, muss nur nach Holland oder Schottland schauen. Früher waren Ajax Amsterdam und Celtic Glasgow relevant auf internationaler Ebene, heute fristen sie ein Schattendasein in irrelevanten Ligen. Und so wie die großen fünf Ligen in England, Deutschland, Spanien, Italien und Frankreich die kleineren Ligen abgehängt haben, so wird es die Premier League im nächsten Schritt mit der Bundesliga, der Primera Division, der Serie A und der Ligue 1 machen.

Kommentare zu " Premier League gegen Bundesliga: Warum Jürgen Klopp eine Gefahr ist"

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  • Nix gegen "Kloppo" - wenn der 'ne Gefahr sein soll, hätt' ich gern mehr davon -, aber beim Lesen dieses Artikels (wie lautet das Lied im Film "Cabaret" nochmal: "Money makes the ball - äh, world - go round") krieg' ich echt Sehnsucht nach den alten Zeiten: http://www.11freunde.de/artikel/garrincha-unvergessen.

    „Bisher ist Erfolg im Fußball nicht wirklich planbar, auch mit viel Geld nicht. Spiele sind extrem schlecht zu prognostizieren. Immer wieder schlagen Underdogs die Großen und Reichen.“:
    Gott sei Dank ist das so. Warum sollte man sonst noch ins Stadion gehen? Langweilen kann man sich zu Hause billiger.

    „Die These vieler Bundesliga-Experten, dass die Fans zu ihren Vereinen stehen, halte ich für blauäugig. Letztendlich geht es um die Aufmerksamkeit des Konsumenten.“: Gar nicht wahr. Es geht um die Aufmerksamkeit der Fußballfans.

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