Fußball
Premiere auch an Bundesliga-Rechten interessiert

Da Premiere die Rechte für die Champions League ab 2006/07 für drei Jahre gekauft hat, schrillen vor allem bei der ARD und Bayern München die Alarmglocken. Dadurch ist das Interesse an den Bundesliga-Rechten gestiegen.

Nach dem Kauf der Rechte im frei empfangbaren Fernsehen und im Pay-TV für die Champions League durch den Bezahlsender Premiere geht offenbar die Angst um. "Wir werden sehr dafür kämpfen, dass unsere Spiele auch im Free-TV gesendet werden", sagte Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß zu der Tatsache, dass Premiere ab der Saison 2006/07 drei Jahre die "Königsklasse"überträgt.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hält sich zwar noch bedeckt, aber auch die Bosse der Liga wissen, wer als nächstes dran ist: Die Free- und Pay-TV-Rechte an der Bundesliga sollen im Herbst für ebenfalls drei Jahre vergeben werden - und nach dem Deal mit der "Königsklasse" ist das Interesse von Premiere am "Lieblingskind der Deutschen" sogar noch gestiegen.

Im Vertrag mit der Europäischen Fußball-Union (Uefa) hat sich Premiere verpflichtet, 13 Spiele im Free-TV zu zeigen. Dafür benötigt der Bezahlsender aber einen Free-TV-Ableger. Der könnte dauerhaft nur dann als Erfolgsmodell etabliert werden, wenn dort auch die Bundesliga stattfinden würde. Das gibt Premiere-Chef Georg Kofler auch zu.

DSF als Wunschpartner

Der Aufbau eines hauseigenen Free-TV-Kanals ist in der Kürze der Zeit kaum möglich, der Kauf eines etablierten, reichweitenstarken Senders deshalb wahrscheinlich. Erster Kandidat für eine Übernahme ist das DSF, obwohl der aktuelle Eigentümer EM.TV mit dem Sender Gewinne erwirtschaftet und nicht verkaufen müsste. Aber eine Ehe Premiere-DSF gilt bei den Pay-TV-Machern als "Wunschkonstellation", obwohl auch über den Kauf von Tele fünf spekuliert wird.

"Wir prüfen derzeit eine Handvoll Alternativen", sagt Kofler im Gespräch mit dem sid: "Auch eine Zwischenlösung ist denkbar, also einen schon bestehenden Sender zu einem Sportsender umzubauen. Dabei wird aber kein so genannter "Dödelsender" herauskommen." Das Produkt aller Überlegungen kann letztlich aber nur "ein reiner Sportsender sein", meint Kofler.

Alarmglocken schrillen bei der ARD

Demnach wäre das DSF der einzige Sender, dessen Kauf wirklich sinnvoll wäre. Der Münchner Spartensender war am Mittwoch gleichwohl zu keiner Stellungnahme bereit.

Auch für die deutsche Eliteklasse sei ein gemischtes Modell mit Pay- und Free-TV, vergleichbar mit dem der Champions League denkbar, sagt Kofler. Und bei der ARD, aktueller Bundesliga-Rechteinhaber für das Free-TV, schrillen bereits die Alarmglocken. "Den Verlust der Sportschau am Samstag will ich mir nicht vorstellen", sagt Programmchef Günter Struve der Sport Bild: "Die Bundesliga-Rechte sind eine gute Ware, die wir behalten wollen." Die ARD sei deshalb sogar bereit, für die Rechte mehr als die bisher 60 Mill. Euro pro Saison zu bezahlen.

Kabel Deutschland als dritter Bieter?

Die von Liga-Präsident Werner Hackmann für eine Spielzeit geforderten 180 Mill. Euro hält Struve aber für "unrealistisch. Den Preis zu verdreifachen ist völlig ausgeschlossen. Entscheidend wird aber sein, was das Pay-TV bietet". Premiere ist also am Zug - wenn mit Kabel Deutschland nicht noch ein Dritter ein Wettbieten eröffnet.

Sollte die ARD bei der DFL abblitzen und Premiere die Rechte an der Bundesliga im Herbst im Paket für Pay- und Free-TV erwerben, hält Struve eine "30- bis 35-prozentige Erhöhung der Einnahmen" für die Liga für möglich. Die Fans würden dann aber buchstäblich in die Röhre schauen: Bundesliga im Free-TV gäbe es nämlich erst am späten Samstagabend.

Struve hofft jedoch, dieses Szenario noch verhindern zu können und denkt an eine "Nachfragegemeinschaft" als Lösung. "Premiere und ARD könnten zusammen auftreten", sagt er. Die Sportschau wäre dann weiter um 18.10 Uhr zu sehen, Premiere dürfte als einziger Sender live übertragen. Kosten: Rund 1,2 Mrd. Euro für drei Jahre. Kofler hingegen hält dieses Modell für "völlig ausgeschlossen, kartellrechtlich völlig unzulässig, und hygienisch nicht machbar. Schon gar nicht mit den Öffentlich-Rechtlichen".

© SID

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