Primera División
Bundesliga liegt wirtschaftlich vor Spanien

Sportlich liegt die Primera División - wirtschaftlich sieht es schon anders aus. Diesen wirtschaftlichen Vorteil wollen die deutsche Vereine demnächst auch im sportlichen Bereich ablesbar machen.

KölnDer FC Barcelona beließ es nicht bei warmen Worten: Der spanische Ausnahmeverein war wohl weltweit der einzige Klub, der für Trikotwerbung auch noch Geld zahlte. 1,5 Millionen Euro jährlich überwies der FC Barcelona ab dem Jahr 2006 an Unicef, während die Profis stolz mit dem Logo des Kinderhilfswerks auf der Brust internationale Titel sammelten. Wegen seiner hohen Schulden jedoch brach der Verein im vergangenen Dezember mit der Tradition: Der FC Barcelona unterschrieb einen Fünf-Jahres-Vertrag mit der Qatar Foundation - für die Rekordsumme von 170 Millionen Euro.

Die Fans jedoch sind erzürnt - immerhin hat ihr Klub traditionell auf kommerzielle Trikotwerbung verzichtet. Angesichts der massiven Proteste der Anhängerschaft steht der Vertrag nun wieder auf der Kippe. Am 24. September soll eine Mitgliederversammlung darüber entscheiden, ob der Verein an seiner Trikotwerbung festhalten darf oder nicht.

Präsident Sandro Rosell bangt nun wieder um die Konsolidierung der Finanzen. In der Zeitung "La Vanguardia" warnte er: Wenn die Fans sich gegen das Sponsoring aussprächen, müsse der Verein schrumpfen. "Wir könnten uns dann nicht mehr das beste Team der Welt oder den besten Trainer leisten."

Probleme wie der FC Barcelona hätten andere spanische Fußballklubs gerne. Eine ganze Reihe von Erstligisten spielt derzeit ohne Trikotsponsor. Allerdings nicht, um Traditionen zu wahren - sondern weil sich in Spanien derzeit nicht mehr genug Werbepartner finden. Die Unternehmen haben seit Beginn der Wirtschaftskrise ihre Werbe-Etats radikal zusammengestrichen, Fußballsponsoring steht bei vielen nicht mehr auf der Agenda. Auch das ist ein Grund, warum die Profiklubs auf der iberischen Halbinsel derzeit massenweise Insolvenz anmelden müssen und die Spieler zu Saisonbeginn wegen ausstehender Gehälter eine Woche streikten.

In der Uefa-Fünf-Jahres-Wertung, die über die Anzahl der Startplätze in den europäischen Wettbewerben entscheidet, liegt die Primera División an zweiter Stelle - hinter der englischen Premier League und knapp vor der deutschen Bundesliga. Löst der spanische Fußball seine Probleme nicht zeitig, scheint die Wachablösung nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Die Klubs verlieren bereits jetzt an Wettbewerbsfähigkeit. So warf bei der Qualifikation zur Europa-League-Gruppenphase der international unerfahrene Klub Hannover 96 vor kurzem den favorisierten FC Sevilla raus - einen Verein, der immerhin in den Jahren 2006 und 2007 den Vorgängerwettbewerb Uefa-Cup gewinnen konnte.

Gute Perspektiven in Deutschland

Die Bundesliga legt nicht nur sportlich zu. Die wirtschaftlichen Aussichten des deutschen Profifußballs haben sich 2011 im Vergleich zum Vorjahr weiter verbessert. Einer aktuellen Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young zufolge macht nur noch jeder fünfte Verein Verlust - im Vorjahr waren es noch 44 Prozent der Bundesligisten. 91 Prozent der Klubmanager schätzen die Lage der Branche positiv ein, so ein wesentliches Ergebnis der Umfrage unter 34 Erst- und Zweitligisten.

Dass Teams über einen längeren Zeitraum ohne Trikotsponsor auflaufen werden, ist in Deutschlands Eliteliga kaum zu befürchten. 68 Prozent der Befragten rechnen sogar mit Mehreinnahmen aus dem Sponsoring, nur zwölf Prozent befürchten einen Rückgang. In Spanien ist das Verhältnis vermutlich eher umgekehrt.

Ingmar Höhmann
Ingmar Höhmann
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter
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