„Pro Line Extra“
Der Mercedes unter den Kreidekarren

Seit Mittwoch liegt in allen zwölf WM-Stadien der neue WM-Rasen. Er besteht aus 25 Prozent Weidegras und 75 Prozent Wiesenrispe. Insgesamt wurden 96 000 Quadratmeter - knapp zehn Hektar - verlegt.

HAMBURG. Für Unkundige sieht das Gerät aus als würde es in Heimarbeit in einer Garage montiert: Vier Gummiräder an einer verzinkten Platte, darauf eine 30-Liter-Plastiktonne und ein Kasten, verbunden mit einem Stück Gartenschlauch. Design?

Nein, null Schnickschnack. Hinter den zwei Schiebegriffen steht der Profi und klärt auf: "Das hier", sagt Reiner Reißner, "ist der Mercedes unter den Markierungsgeräten".

Dann drückt der Stadionmeister des Hamburger SV den Knopf unter dem rechten Griff und schiebt den "Pro Line Extra" über den Rasen der AOL-Arena - von der Ecke vor der HSV-Kurve in Richtung Tor. Mit 3,8 bar Druck sprühen die Düsen des Maschinchens Flüssigfarbe in einem zwölf Zentimeter breiten Streifen auf den Rasen. Die Halme werden von beiden Seiten besprüht, damit sie aus jedem Blickwinkel weiß leuchten. So muss Platzwart Reißner jede Linie nur einmal ziehen. 30 Liter Farbe reichen für den 105 mal 68 Meter großen Platz. "Macht 20 bis 30 Euro pro Markierung", sagt Uwe Nordhoff.

Er läuft hinter Platzwart Reißner her und lobt die "Doppelmembranpumpe" und die "wartungsfreie Gelbatterie" seines Produkts. Nordhoff hat den Markierungs-Mercedes entwickelt. In sechs von zwölf Stadien werden die Linien bei der Weltmeisterschaft mit seinen Geräten gezogen: in Hamburg, Hannover, Leipzig, Kaiserslautern, Frankfurt und München. Die Fifa liefert sogar eine eigene Schablone für die Elfmeterpunkte - für HSV-Stadionmeister Reißner kein Problem, hat doch sein "Mercedes" für solche Fälle eine Sprühlanze mit Teleskopschlauch.

"Unsere Technik soll erst mal jemand schlagen", sagt Nordhoff. Beim Markieren von Sportplätzen ist Deutschland seiner Firma Arcus Sport Weltspitze. Nicht nur vertrauen die meisten Platzwarte der ersten und zweiten Bundesliga auf sein Know-how. Auch von den etwa 25 000 Amateurvereinen im Land ist jeder dritte Nordhoffs Kunde. "Es gibt wohl kaum einen Fußballplatz in Deutschland, den ich nicht kenne", so der 53-Jährige.

Auch in Belgien, den Niederlanden und in Skandinavien sind Tor- und Strafraumlinien häufig Marke Arcus. Und für die NFL Europe ist die Firma, mit Sitz nahe Elmshorn sogar exklusiver Markierungs-Macher. 1984 kam Baustoff-Kaufmann Nordhoff aus dem niedersächsischen Glückstadt die Idee, die besonders feine Kreide aus einer Grube bei Itzehoe für die Markierung von Sportplätzen einzusetzen.

Die ist im Gegensatz zum lange gebräuchlichen Weißkalk nicht ätzend und umweltfreundlich - sie schont also sowohl den Rasen als auch die Kicker. Die sind Begeisterungstäter, und so sieht sich auch der ehemalige Landesliga-Stürmer Uwe Nordhoff. Zunächst machte der Unternehmer nur in Kreide, die er über rund 1 500 Baumärkte wie Hagebau, Mobau oder Raab Karcher vertreibt. Vor acht Jahren dann, die Ansprüche der Proficlubs stiegen und stiegen, erweiterte er sein Sortiment um Flüssigfarbe. Die hält besser, auch bei Regen, und sie leuchtet dank spezieller Farbpigmente - für Chemiker: Titandioxid - besonders gut. "Vor allem dieses Geschäft wächst und wächst", sagt der Arcus Sport-Chef.

Seite 1:

Der Mercedes unter den Kreidekarren

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%