Pro Wiederholung
Ein fatales Signal für den Fußball

Das Relegationsspiel zwischen Hertha BSC Berlin und Fortuna Düsseldorf muss wiederholt werden. Dabei geht es um mehr als sportliche Fairness, es geht um die Glaubwürdigkeit des DFB.
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DüsseldorfWahrscheinlich wäre Fortuna Düsseldorf der Aufstieg auch ohne den peinlichen Platzsturm vor dem Abpfiff geglückt. Das Problem ist: Niemand weiß, wie das Spiel in den letzten zwei verbliebenen Minuten verlaufen wäre. Darum gibt es nur eine richtige Entscheidung: Das Spiel muss auf neutralem Platz und unter Ausschluss der Fans wiederholt werden.

Es geht nicht nur um die sportliche Fairness, es geht um die Glaubwürdigkeit des DFB. Die Regeln sind klar festgelegt in den Durchführungsbestimmungen des Verbandes. Beispielsweise in § 20: „Alle Vereine sind verpflichtet, für ein sportliches Verhalten ihrer Mitglieder und Anhänger vor, während und nach den Spielen Sorge zu tragen.“ Stattdessen verharmlosen die Verantwortlichen bei Fortuna das Verhalten ihrer Fans. „Nach dem Abpfiff war es ein bitterer Moment. Aber so ist es, die Fans sind einfach nicht zu bändigen", sagte Düsseldorfs Sportvorstand Thomas Allofs. Dabei wäre genau das seine Aufgabe gewesen.

Es ist nicht normal, dass selbst Zuschauer von der Haupttribüne Pyrotechnik abbrennen und den Platz vor Abpfiff stürmen. Chaoten lassen sich zwar nicht am Stadiontor stoppen. Doch umsichtige Fanarbeit beginnt vor dem Stadion: Im Dialog zwischen Fans und Verein. In der präventiven Deeskalation haben die Verantwortlichen von Fortuna Düsseldorf eklatant versagt und wollen sich ihr Versagen nicht eingestehen. Das ist die wahre Schande von Düsseldorf.

Da hilft es auch nicht, wie Fortuna-Manager Wolf Werner zum Gegenangriff überzugehen: „Unschön war, dass Hertha-Spieler versucht haben, einen Spielabbruch zu provozieren“, sagte er nach dem Abpfiff. Nein, nicht die Hertha-Spieler haben einen Abbruch provoziert, es waren die Fortuna-Fans. Niemand weiß, was passiert wäre, wenn Hertha tatsächlich ein Tor geschossen hätte? Wer um seine Gesundheit fürchten muss, der muss auch keinen Fußballplatz betreten.

Ohnehin wäre es die einzig reguläre Entscheidung gewesen, das Spiel nicht mehr anzupfeifen. §4 sagt eindeutig: „Die Sportplatzanlage muss so beschaffen sein, dass die ordnungsgemäße Durchführung der Spiele gewährleistet ist.“ Das war spätestens nach dem Platzsturm nicht mehr der Fall. Fans hatten bereits Rasenstücke entfernt, selbst den Elfmeterpunkt. 

Dass es den Fans überhaupt möglich war, den Platz zu stürmen, ist ebenfalls ein klarer Verstoß gegen Paragraf §21 Absatz 1 und 2 der Durchführungsbestimmungen. „Der Platzverein […] hat für einen ausreichenden Ordnungsdienst zu sorgen.“ Der Ordnungsdienst war offensichtlich überfordert. Es ist auch kein Argument, dass der Pfiff von Schiedsrichter Stark missverstanden wurde. „Während des Spiels darf sich niemand am Spielfeldrand aufhalten. Auch der Aufenthalt hinter den Toren ist verboten.“ Spätestens hier hätte Schiedsrichter Wolfgang Stark die Partie also abbrechen müssen, wenn es nach den Regularien gegangen wäre. Es ist trotzdem sehr verantwortlich, dass er dies nicht getan hat. Wer weiß, wie die Fans beider Seiten auf einen Spielabbruch reagiert hätten. Darum war es auch richtig, das Spiel nach den Bengalo-Angriffen der Hertha-Fans, die dem Platzsturm vorangegangen waren, fortzusetzen und die verlorene Zeit nachzuspielen. Die Sicherheit von Menschenleben ist wichtiger als Regularien. Ein Fußballstadion ist kein Gerichtssaal.

Umso bitterer für den deutschen Fußball, dass eine sportliche, faire Lösung muss nun nur am Verhandlungstisch gefunden werden kann. Wenn der DFB dieses Spiel nicht wiederholt, wäre das ein fatales Signal an alle Fußball-Fans im Land: Wird es in den letzten Minuten knapp, stürmt den Platz.

Kommentare zu " Pro Wiederholung: Ein fatales Signal für den Fußball"

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  • Уже в тот момент, когда во время матча фанаты "Фортуны" выбежали на поле, я сказал, что матч должен быть ПЕРЕИГРАН !

  • ??? Die Hertha hätte aber in jeder Sekunde ein Tor schießen können??? Das ist Schwachsinn was Sie schreiben. Die Fans standen schon in der 92. Minute im Innenraum!!! Wie ist sowas zu rechtfertigen??? Wie können sich Spieler frei ohne Angst und ohne angepöbelt zu werden da auf das Spiel konzentrieren??? Mir ist es egal wer aufsteigt, aber wenn wir davon ausgehen, dass in Düsseldorf Fans in den Innenraum gelangen, dann freue ich mich schon auf die nächste Saison. Sowas können die in der Kreisklasse machen. Denen sollte man nochmal die Regeln eines Fußballspieles erklären. Nach dem Apfiff können sie den Platz stürmen, aber nicht weil sie Angst haben, doch noch zu verlieren. Ein Witz ist das!!!

  • Alles Über-Dramatisiert. Viele wollen einfach nicht wahrhaben, dass Hertha in die 2. Liga gehört. Dass Fans schon vor Abpfiff auf das Feld gestürmt sind (vor Freude!) kam schon öfters vor, doch nie wurde so ein Wirbel drum gemacht und nie wurde das Spiel deswegen wiederholt. Das Argument: "Wer weiss, was in dieser Zeit noch hätte passieren können" ist gerechtfertigt, doch dann sollte man sich auch die Frage stellen, was in der Zeit hätte passieren können, in der die Hertha-Fans mit der Unruhe anfingen und die Raketen auf das Spielfeld warfen. Es ist einfach nur traurig zu sehen, wie solch ein durch Emotionen und Freude entstandenes Geschehen durch die Medien geradezu vergewaltigt wird. Dann schafft doch einfach die Relegationsspiele ab, wenn man mit den Konsequenzen nicht leben kann.

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