Pro Wiederholung Ein fatales Signal für den Fußball

Das Relegationsspiel zwischen Hertha BSC Berlin und Fortuna Düsseldorf muss wiederholt werden. Dabei geht es um mehr als sportliche Fairness, es geht um die Glaubwürdigkeit des DFB.
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Lukas Bay ist bei Handelsblatt Online Redakteur im Ressort Unternehmen.

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DüsseldorfWahrscheinlich wäre Fortuna Düsseldorf der Aufstieg auch ohne den peinlichen Platzsturm vor dem Abpfiff geglückt. Das Problem ist: Niemand weiß, wie das Spiel in den letzten zwei verbliebenen Minuten verlaufen wäre. Darum gibt es nur eine richtige Entscheidung: Das Spiel muss auf neutralem Platz und unter Ausschluss der Fans wiederholt werden.

Es geht nicht nur um die sportliche Fairness, es geht um die Glaubwürdigkeit des DFB. Die Regeln sind klar festgelegt in den Durchführungsbestimmungen des Verbandes. Beispielsweise in § 20: „Alle Vereine sind verpflichtet, für ein sportliches Verhalten ihrer Mitglieder und Anhänger vor, während und nach den Spielen Sorge zu tragen.“ Stattdessen verharmlosen die Verantwortlichen bei Fortuna das Verhalten ihrer Fans. „Nach dem Abpfiff war es ein bitterer Moment. Aber so ist es, die Fans sind einfach nicht zu bändigen", sagte Düsseldorfs Sportvorstand Thomas Allofs. Dabei wäre genau das seine Aufgabe gewesen.

Es ist nicht normal, dass selbst Zuschauer von der Haupttribüne Pyrotechnik abbrennen und den Platz vor Abpfiff stürmen. Chaoten lassen sich zwar nicht am Stadiontor stoppen. Doch umsichtige Fanarbeit beginnt vor dem Stadion: Im Dialog zwischen Fans und Verein. In der präventiven Deeskalation haben die Verantwortlichen von Fortuna Düsseldorf eklatant versagt und wollen sich ihr Versagen nicht eingestehen. Das ist die wahre Schande von Düsseldorf.

Da hilft es auch nicht, wie Fortuna-Manager Wolf Werner zum Gegenangriff überzugehen: „Unschön war, dass Hertha-Spieler versucht haben, einen Spielabbruch zu provozieren“, sagte er nach dem Abpfiff. Nein, nicht die Hertha-Spieler haben einen Abbruch provoziert, es waren die Fortuna-Fans. Niemand weiß, was passiert wäre, wenn Hertha tatsächlich ein Tor geschossen hätte? Wer um seine Gesundheit fürchten muss, der muss auch keinen Fußballplatz betreten.

Ohnehin wäre es die einzig reguläre Entscheidung gewesen, das Spiel nicht mehr anzupfeifen. §4 sagt eindeutig: „Die Sportplatzanlage muss so beschaffen sein, dass die ordnungsgemäße Durchführung der Spiele gewährleistet ist.“ Das war spätestens nach dem Platzsturm nicht mehr der Fall. Fans hatten bereits Rasenstücke entfernt, selbst den Elfmeterpunkt. 

Dass es den Fans überhaupt möglich war, den Platz zu stürmen, ist ebenfalls ein klarer Verstoß gegen Paragraf §21 Absatz 1 und 2 der Durchführungsbestimmungen. „Der Platzverein […] hat für einen ausreichenden Ordnungsdienst zu sorgen.“ Der Ordnungsdienst war offensichtlich überfordert. Es ist auch kein Argument, dass der Pfiff von Schiedsrichter Stark missverstanden wurde. „Während des Spiels darf sich niemand am Spielfeldrand aufhalten. Auch der Aufenthalt hinter den Toren ist verboten.“ Spätestens hier hätte Schiedsrichter Wolfgang Stark die Partie also abbrechen müssen, wenn es nach den Regularien gegangen wäre. Es ist trotzdem sehr verantwortlich, dass er dies nicht getan hat. Wer weiß, wie die Fans beider Seiten auf einen Spielabbruch reagiert hätten. Darum war es auch richtig, das Spiel nach den Bengalo-Angriffen der Hertha-Fans, die dem Platzsturm vorangegangen waren, fortzusetzen und die verlorene Zeit nachzuspielen. Die Sicherheit von Menschenleben ist wichtiger als Regularien. Ein Fußballstadion ist kein Gerichtssaal.

Umso bitterer für den deutschen Fußball, dass eine sportliche, faire Lösung muss nun nur am Verhandlungstisch gefunden werden kann. Wenn der DFB dieses Spiel nicht wiederholt, wäre das ein fatales Signal an alle Fußball-Fans im Land: Wird es in den letzten Minuten knapp, stürmt den Platz.

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  • Уже в тот момент, когда во время матча фанаты "Фортуны" выбежали на поле, я сказал, что матч должен быть ПЕРЕИГРАН !

  • ??? Die Hertha hätte aber in jeder Sekunde ein Tor schießen können??? Das ist Schwachsinn was Sie schreiben. Die Fans standen schon in der 92. Minute im Innenraum!!! Wie ist sowas zu rechtfertigen??? Wie können sich Spieler frei ohne Angst und ohne angepöbelt zu werden da auf das Spiel konzentrieren??? Mir ist es egal wer aufsteigt, aber wenn wir davon ausgehen, dass in Düsseldorf Fans in den Innenraum gelangen, dann freue ich mich schon auf die nächste Saison. Sowas können die in der Kreisklasse machen. Denen sollte man nochmal die Regeln eines Fußballspieles erklären. Nach dem Apfiff können sie den Platz stürmen, aber nicht weil sie Angst haben, doch noch zu verlieren. Ein Witz ist das!!!

  • Alles Über-Dramatisiert. Viele wollen einfach nicht wahrhaben, dass Hertha in die 2. Liga gehört. Dass Fans schon vor Abpfiff auf das Feld gestürmt sind (vor Freude!) kam schon öfters vor, doch nie wurde so ein Wirbel drum gemacht und nie wurde das Spiel deswegen wiederholt. Das Argument: "Wer weiss, was in dieser Zeit noch hätte passieren können" ist gerechtfertigt, doch dann sollte man sich auch die Frage stellen, was in der Zeit hätte passieren können, in der die Hertha-Fans mit der Unruhe anfingen und die Raketen auf das Spielfeld warfen. Es ist einfach nur traurig zu sehen, wie solch ein durch Emotionen und Freude entstandenes Geschehen durch die Medien geradezu vergewaltigt wird. Dann schafft doch einfach die Relegationsspiele ab, wenn man mit den Konsequenzen nicht leben kann.

  • Ob dd Fans in friedlicher Absicht ein Feld stürmen dann doch normalerweise erst wenn die eigene Mannschaft nach einem pfifffff die Hände hebt und jubelt ,also Schwachsinn.und 2 Minuten in einer angriffstsituation sind anders als 20 Minuten später 1minute. Was 2 Minuten bringen können haben wir am letzten wie gesehen und in den ersten 30 sec. Des besagtem Spieles.also bitte DFB ein geisterspielam besten mit golden Goal damit keiner mehr am Ende meckern kann.

  • Liebe Leser, ich freue mich über Ihr Feedback zu meinem Kommentar. Ich sehe, dass dieses Thema offensichtlich polarisiert - allerdings auch deshalb, weil viele Vereinsbrille nicht ablegen wollen. Darum möchte ich nicht auf jedes vermeintliche Argument antworten. Sowohl von Berliner als auch von Düsseldorfer Seite werden nach diesem Spiel verbale Nebelkerzen geworfen.
    Ich erkläre aber gerne, warum ich der Meinung bin, worin meiner Meinung nach der wesentliche Unterscheid zwischen der Bengalo-Attacke und dem Platzsturm besteht. Ja, die Bengalos waren eine Gefährdung für das Spiel und für die anderen Zuschauer. Allerdings war diese Störung temporär. Der Platz war nach einer Wartezeit von sieben Minuten wieder bespielbar, die Sicherheit war durch eine Hundertschaft der Polizei vor dem Berliner Block wieder hergestellt. Es war also die reguläre und richtige Entscheidung, die Zeit nachspielen zu lassen. Die Störungen nach dem Platzsturm waren dagegen kurzfristig irreparabel. Zum einen hatten Fans schon Stücke des Rasens entfernt, zweitens das Tornetz beschädigt. Kurz: Der Platz war nicht mehr in einem regulären Zustand. Zum zweiten ist durch den Platzsturm offensichtlich geworden, dass die Sicherheit der Hertha-Spieler bei einem möglichen Ausgleich nicht gewährleistet gewesen wäre. Nach meiner Bewertung der Regularien hätte es darum einen Abbruch geben müssen. Dass dies nicht passierte diente offensichtlich der Deeskalation. Ein "Blutbad" stand aber tatsächlich nicht zu befürchten.
    Der letzte Absatz bezieht sich auf eine Situation, die jeder Fußballfan kennt. Es laufen die letzten Minuten. Die eigene Mannschaft liegt vorne. Und die gegnerische Mannschaft spielt auf das entscheidende Tor. In dieser Situation haben Fans das laufende Spiel unterbrochen. Duldet der DFB dieses Verhalten, liefert er einen Präzedenzfall. Darum folgt auch der letzte Absatz durchaus der Logik der vorangegangenen Absätze. Schönen Feiertag zusammen (egal ob Berliner oder Düsseldorfer)

  • Jetzt aber mal halblang hier!
    Wie oft ist es denn schon vorgekommen, dass 2 Minuten vor dem Aufstieg einer Mannschaft, die Fans im Innenraum standen und darauf gewartet haben, auf das Spielfeld zu rennen? Das war sicher nicht das erste Mal!! Hier einen Abbruch zu fordern oder eine Unterbrechung des Schiris ist doch der letzte Schwachsinn! Der Schiedsrichter wusste natürlich um die Emotionen der Fans und ihm war klar, dass am Ende alle auf's Feld laufen!
    Dass das leider 2 Minuten zu früh geschah, das konnte doch keiner ahnen.
    Hier Absicht zu unterstellen, nur weil einige Fortunen in voller Euphorie einen Schlußpfiff falsch interpretiert haben, ist meiner Meinung nach weit übertrieben und grenzt an Unverschämtheit. Wart Ihr schon mal in so einer Situation, voller Emotionen und Anspannung, dass die scheiss-Zeit endlich vorbei ist?
    Und dann pfeifft der Schiri und einer rennt los? Was würdet ihr machen, wenn aufeinmal alle um euch rum jubeln und mitlaufen? Erst den Schiri befragen? Geht's noch?

    Natürlich, ich fand die Aktion auch nicht klasse, und ich will diese auch nicht schönreden. Ich hab mich selbst tierisch aufgeregt. Aber mal im Ernst: deswegen ein Spiel zu wiederholen?

    Und das ganze Gelaber von wegen Todesangst und Blutbad? Hallo? Leben wir hier in Afghanistan im Krieg oder was? Für was für Menschen haltet ihr uns Fortuna-Fans? Solche Leuten möchte ich am liebsten mal im Einzelgespräch haben...

    Die Fans sind aufs Feld, weil sie FRIEDLICH feiern wollten. Es war ein Missverständnis und keiner wollte, dass es so kommt.
    Die Hertha war nicht in der Lage, in beiden Spielen mehr Tore zu erzielen, als die Fortuna. Da hätten diese 2 Minuten nur mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit noch etwas dran geändert.

    Der Schiedsrichter hat so entschieden, wie er entschieden hat. Tatsachenentscheidung. Genau so argumentiert man auch immer, wenn Spieler Tätligkeiten ausüben usw.

    Übrigens, wer hat damals im Fall Hoyzer Spiele wiederholen lassen? Denkt drüber nach!

  • >> Das war spätestens nach dem Platzsturm nicht mehr der Fall. <<
    'spätestens' - das ist exakt der Punkt, Herr Bay!

    Das Spiel hätte, konsequenterweise [sic!], nach den xx Feuerwerkswürfen aus dem Hertha-Block abgebrochen werden /müssen/.
    Dass da gültige 2:1 für Fortuna wäre dann kaum zu deren Lasten verwendbar gewesen.
    Das wäre ein Exempel gewesen!

    Der Schiri hat das nun nicht gemacht, und das Spiel noch riskanterweise, aber immerhin ohne Gewalt(- !), zu Ende gebracht.
    - So what ...?

    Nun Fortuna-Hass säen, bringt die ganze Problematik nicht voran, sondern wäre eher geeignet, diese noch zu verschärfen.

    - "Groß" wäre es, die Fortuna böte Hertha eine Wiederholung der Restspielzeit ab dem 2:1 an, unter Berücksichtigung des berechtigten Platzverweises.
    Vor eigenem Publikum.
    Was sich so rehabilitieren könnte - und, freilich, sollte ...

  • Die Argumentation von Herrn Bay kann ich verstehen. Bis auf den letzten Absatz. Ist es nicht eher so, dass eine Wiederholung des Spiels ein Anreiz für die Fans der zurückliegenden Mannschaft wäre. Wenn diese eine Wiederholung wollen, um die so gut wie sichere Niederlage abzuwenden, dann stürmen sie halt den Platz. Es muss nicht wie bei Herrn Bay heißen, "wenn es in den letzten Minuten knapp wird, dann stürme ich den Platz", sondern "wenn ich in den letzten Minuten hinten liege, dann stürme ich den Platz". Fortuna Düsseldorf lag aber vorne. Sein finales Argument spricht also dafür, dass Spiel nicht zu wiederholen!

  • Natürlich muss man dieses Spiel auf neutralem Boden ohne Fans wiederholen. Wenn ein Verein es nicht schafft ein Spiel so durchzuführen, dass jegliche Sicherheit gewährleistet ist, dann ist das ein Armutszeugnis für den Verein. Wolf Werner, Thomas Allofs und der Verein Fortuna Düsseldorf sind nicht Erstligawürdig. Eine Schande - Die sollen dahin verschwinden wo sie 15 Jahre gewesen sind und sie keiner vermisst hat.

  • Beide Fanlager sind nicht erstligareif, genauso nicht wie die Mannschaften. Der Spielabbruch wäre auch schon nach den brennenden Feuerwerkskörpern auf beiden Seiten möglich gewesen. Nach dem Beginn der Stürmung des Platzes schon zum Beginn der Verlängerung wäre diese zwingend erforderlich gewesen. Ein Wiederholungsspiel ohne Zuschauer ist nur Fair. Was wäre erst gescehen wenn dort Köln gegen Fortuna gespielt hätte. Die Fortuna ist anscheinend nicht in der Lage Fußballspiele in der ersten Liga durchzuführen. Die gesamten Ordnungskräfte waren bei den Herthafans und auf die eignen Fans war der Herr Allofs auch noch stolz. Plan B: 100 T€ Strafzahlung + 3 Geisterspiele und der Nachweis dass die Ordnungskräfte ausreichen.

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