Profifußball
„Marke und Tradition der Vereine bleiben erhalten“

Martin Kind möchte die 50+1-Regel abschaffen, mindestens aber modifizieren. Am Dienstag unternimmt der Präsident von Hannover 96 bei der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) einen weiteren Anlauf, das Statut, das die Mehrheitsübernahme durch einen Investor verhindert, zu kippen. Im Interview spricht er über seine konkreten Vorschläge, seine Gründe und über den Vorstoß für eine Gehaltsdeckelung im Fußballgeschäft.

Herr Kind, am Dienstag steht die Mitgliederversammlung der DFL auf dem Programm, bei der auch die Zukunft der 50+1-Regel diskutiert werden soll. Sie gelten als erster Verfechter, für die Abschaffung dieses Statuts. Wie soll gemäß Ihren Plänen künftig mit potenziellen Investoren verfahren werden?

Unser Ziel ist es, die 50+1-Regel zu modifizieren. Ein wichtiger Punkt ist dabei, dass Marke und Tradition der Vereine erhalten bleiben. Zudem soll es für mögliche Investoren Haltefristen geben, um Spekulationen auszuschließen. Im Falle einer Insolvenz des Geldgebers sollen die erworbenen Anteile kostenlos an den Verein zurückfallen. Das alles ist exemplarisch zu nennen. Es gibt zahlreiche weitere Punkte.

Was erhoffen Sie sich von der Änderung der Statuten?

Wenn die 50+1-Regel fällt oder modifiziert wird, haben die Vereine zunächst einmal nur die Möglichkeit, von den neuen Gegebenheiten Gebrauch zu machen. Niemand ist dazu gezwungen, Investoren ins Boot zu holen. Wir als Hannover 96 wollen uns weiterentwickeln, in die Infrastruktur investieren und unser Produkt, die erste Mannschaft, weiter verbessern. Das ist unter den momentanen Gegebenheiten so nicht möglich.

In der Liga sind Sie mit ihren Plänen nicht nur auf Gegenliebe gestoßen. Wie gehen Sie damit um?

Der Ligavorstand hat unser Konsensmodell in einer Stellungnahme ja bereits abgelehnt. Das kam für mich überraschend. Nun wird es einen Antrag des FSV Frankfurt geben, ein neues Modell zu erarbeiten. Dafür müsste die Mitgliederversammlung den Auftrag erteilen. Von unserer Seite steht auf der Tagesordnung, die 50+1-Regel abzuschaffen.

Glauben Sie an einen Erfolg dieses Vorhabens und die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit aus den Reihen der Klubs?

Ich denke nicht, dass wir Erfolg haben. In jedem Fall wird aber wohl die dann unterlegene Seite Revision einlegen. Es müsste beim DFB ein Schiedsgerichtsverfahren eingeleitet werden. Momentan bin ich optimistisch, dass man in diesen Gremien zu einer vertretbaren Lösung kommen wird.

Sollte das nicht der Fall sein, haben Sie bereits angekündigt, bis vor den Europäischen Gerichtshof ziehen zu wollen. Dann könnten auch die von Ihnen bereits erwähnten Punkte wie Haltefristen oder Markenerhalt ins Wanken geraten. Sehen Sie darin keine Gefahr?

Die Entscheidung liegt dann nicht mehr in meiner Verantwortung. Mein Ziel ist es, eine Rechtsklärung zu vermeiden.

Im Zuge der möglichen Finanz-Neustrukturierung in der DFL gibt es auch einen Vorschlag von Schalke 04, der beinhaltet, dass die Klubs nur noch 70 Prozent ihrer Einnahmen in das Profiteam investieren dürften. Wie stehen Sie diesem Ansinnen gegenüber?

Das ist losgelöst von der 50+1-Regel zu betrachten und beruht auf Gewinn- und Verlustrechnungen. Der Vorschlag kann im Grundsatz diskutiert werden. In seiner momentanen Form würde er aber die Ungleichgewichte eher manifestieren.

© SID

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