Provokation
ARD wirbt in Dortmund mit einem Schalke-Fan

Die ARD wirbt für ihre Themenwoche „Zum Glück“ mit einem Schalker Fan. Doch das Plakat ist ausgerechnet in der Stadt des Erzrivalen aufgestellt. Während Schalker frohlocken, müssen BVB-Fans einmal mehr Häme einstecken.
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Düsseldorf„Was ist Glück für Sie? – Als mein Kind zum ersten Mal Schaaalke sagte.“ steht auf einem der vier Plakate geschrieben, mit denen die ARD bundesweit ihre Themenwoche „Zum Glück“ bewirbt, die am Samstag startet. Dumm nur, dass ein solches Plakat auch in Dortmund aufgestellt wurde, nur wenige hundert Meter Luftlinie vom Signal-Iduna-Park entfernt.

Es dauerte nicht lange, bis sich Fans von Borussia Dortmund in Facebook-Beiträgen samt Handyfoto-Beleg über das Motiv aufregten. Schon mutig von der ARD, mit einem Schalker Fan in der Stadt des Erzrivalen für das eigene Programm zu werben – so auch die Einschätzung des Kult-Moderators Arnd Zeigler, der auf der Facebook-Seite seiner Sendung „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ schrieb: Unsere mutigsten Kollegen arbeiten ja bei der ARD-Themenwoche 'Glück'.“

Die ARD-Pressestelle twitterte prompt: „Da behaupte noch jemand, die ARD sei mutlos“ und rühmte sich indirekt ein bisschen mit dem Plakat. Wie ist das Ganze zu verstehen? Als bewusste Provokation und kalkulierter PR-Coup der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt? Oder doch nur eine Panne?

„Dieses Plakat hängt nicht nur in Dortmund, sondern ist Teil einer bundesweiten Kampagne, zu der insgesamt vier Motive gehören. Sie hängen unter anderem auch in München, wo Bayern-Fans vielleicht auch Anstoß nehmen könnten. Jedenfalls sollen damit nicht bewusst die Dortmunder provoziert werden“, stellt Stefanie Schneck von der WDR-Pressestelle klar. Der Westdeutsche Rundfunk ist dieses Jahr federführend bei der ARD-Themenwoche und somit auch für die Auswahl der Werbemotive verantwortlich.

„Die Plakate sind bewusst so gewählt, dass sie auffallen und für Diskussionsstoff sorgen. Wir wollen die Menschen bundesweit dazu anregen, sich mit der Frage zu beschäftigen, was ein glückliches Leben ausmacht. Über verschiedene Kanäle wie z.B. Twitter können sie mit uns über ihre persönlichen Vorstellungen von Glück diskutieren. Da ist ein Thema wie Fußball gut geeignet“, so Schneck vom WDR.

Eins hat der WDR damit jedenfalls erreicht: Zumindest in Dortmund und Gelsenkirchen wird die ARD-Themenwoche lebhaft diskutiert – natürlich mit völlig gegensätzlichen Standpunkten. Während die ARD mit ihrer Plakataktion bei den Schalker Anhängern tiefe Sympathiegefühle auf Facebook geweckt hat („Kult ist eben nur ein Verein im Pott und das ist Schalke“), wird die Geduld der BVB-Fans innerhalb von zwei Tagen bereits zum zweiten Mal auf die Probe gestellt.

Erst am Mittwoch sorgte eine PR-Panne für Zerknirschung bei den Borussen: Im neuen Fanartikel-Katalog wurde die Südtribüne in Dortmund mit der Südkurve in der Münchener Allianz-Arena verwechselt. „Wir danken Borussia Dortmund für die Würdigung unserer Choreografie im Februar. Sie hat den Verantwortlichen so gefallen, dass man sie als eigene Choreo ausgibt und im aktuellen Katalog abdruckt“, bemerkte die Münchner Fanvereinigung „Club Nr. 12“ auf ihrer Facebook-Seite süffisant.

Und vor kurzem hatte der WDR schon einmal für Verärgerung der BVB-Fans gesorgt, als er nach den Pyro-Vorkommnissen beim Revierderby auf Schalke die Dortmunder Südtribüne aus dem Vorspann der Sendung „Lokalzeit“ entfernt hatte. Dieser Schritt wurde zwar wieder rückgängig gemacht, allmählich bewegt sich der WDR in Dortmund aber auf dünnem Eis.

Anis Micijevic ist freier Journalist und schreibt für Handelsblatt Online. Quelle: Armin Dahl / Handelsblatt Online
Anis Micijevic
Handelsblatt / Spätdienst Online + Mobile

Kommentare zu " Provokation: ARD wirbt in Dortmund mit einem Schalke-Fan"

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  • Ist doch klar, wie das Plakat nach Dortmund kam: da haben einige "Kreative" ihr Gehirn nicht eingeschaltet gehabt. Ist halt so - öffentlich rechtlich, tranich
    Pennt schön weiter !

  • Erst provozieren und hinterher sich wundern warum es in einer Eskalation ausgeartet ist..... Super ARD, voll für den A....

  • Die Themenwochen an sich sind schone eine Provokation. Sie sind eine freiwillige Gleichschaltung. Und geht es nicht einmal um ein wichtiges, interessantes Thema, welches die Gesellschaft voranbringen könnte. Und selbst wenn es das wäre, dann würden die Leute in den Talkshows nur an der Oberfläche kratzen. Ernsthafte Beschäftigung: Fehlanzeige.

    Was ich mir wünschen würde: Themenabende über Volkswirtschaft, wo dann Begriffe wie Keynesianismus, Neoliberalismus und Monetarismus durchgenommen werden, sodass die Leute die Politik besser verstehen und einordnen können. Oder mal das Thema Bildung, ohne eine Diskussion über die Schulen vom Zaune zu brechen. Ich habe den Eindruck, dass viele Deutschen nicht sich selbst als allererstes für die eigenen Bildung in Verantwortung sehen, sondern den Staat. Oder einen Themenabend zur finanziellen Bildung, aber richtig.

    Die bisherigen Themenwochen habe ich nie verstanden. Man hatte schon vorher jahrelang über diese Themen gequatscht. Und wo ist die relevante Information für den Zuschauer? Kann man da was lernen? Was bildenden oder lebenspraktischen Wert hat man davon, fünf Leuten über Krebs reden zu hören? Oder über den Tod?

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