Pyrrhus-Sieg für Portugal
Referee nach Kartenfestival am Pranger

Ein frühes Tor von Maniche nach 23 Minuten, acht gelbe Karten, vier Mal Gelb-Rot, eine nicht geahndete Tätlichkeit von Luis Figo und viel Dramatik - das WM-Achtelfinale zwischen Portugal und den Niederlanden wurde zu einem denkwürdigen Spiel.

NÜRNBERG. Ein frühes Tor von Maniche nach 23 Minuten, acht gelbe Karten, vier Mal Gelb-Rot, eine nicht geahndete Tätlichkeit von Luis Figo und viel Dramatik - das WM-Achtelfinale zwischen Portugal und den Niederlanden wurde zu einem denkwürdigen Spiel.

Die Hauptrolle in diesem Krimi gehörte allerdings einem, für den normalerweise das größte Lob ist, wenn anschließend niemand über ihn spricht: Schiedsrichter Valentin Ivanov. Durch die vier Platzverweise stellte der Russe, der zeitweise mit seinem Gespann die Übersicht verlor, einen Rekord in der 76-jährigen Geschichte der WM auf. Bislang stand die traurige "Bestmarke" bei drei Feldverweisen, die zuletzt beim laufenden WM-Turnier im Vorrunden-Spiel zwischen Italien und den USA erreicht worden war.

Von allen Seiten prasselte nach dem insbesondere ab der 60. Minute von Hektik und Dramatik geprägten Spiel Kritik auf den Unparteiischen herab. "So hart war die Partie doch gar nicht. Der Schiedsrichter hat sehr kleinlich gepfiffen und das Spiel damit kaputt gemacht", schimpfte Torschütze Maniche.

Dabei waren die Strafen gegen Costinha, van Bronckhorst und Boulahrouz sogar vollauf berechtigt. Der Hamburger Verteidiger hätte sogar schon nach sieben Minuten ohne Vorwarnung vom Platz fliegen können, denn sein böser Tritt in den Oberschenkel von Cristiano Ronaldo, der deswegen später ausgewechselt werden musste, glich schon dem Versuch mutwilliger Körperverletzung. Umstritten war hingegen vor allem die gelb-rote Karte gegen Deco. Für lediglich ein paar Sekunden hatte er Cocu nach einem Freistoßpfiff die Herausgabe des Balls verweigert. Ivanov interpretierte das als Zeitspiel und zückte die zweite gelbe Karte gegen den Spielmacher. Für Aufregung sorgte zudem eine klare Tätlichkeit von Luis Figo gegen Mark van Bommel: Portugals Kapitän verpasste dem Mittelfeldspieler der "Elftal" eine Kopfnuss, die nur die Fernsehkameras einfingen.

Auch deshalb echauffierte sich Bondscoach Marco van Basten über den Referee: "Es ist sehr schade für alle Beteiligte, aber auch für den Fußball insgesamt, dass so ein Schiedsrichter so ein wichtiges Spiel pfeifen darf und deshalb vor allem in der zweiten Halbzeit sehr wenig Fußball gespielt wurde. Auch Portugal ist trotz des Sieges Leidtragender, weil sie nun mit so vielen gesperrten und vorbelasteten Spielern in die nächste Runde gehen müssen."

Tatsächlich könnte sich der hart erkämpfe Erfolg der Portugiesen als Pyrrhus-Sieg erweisen. Denn mit Spielmacher Deco und Abräumer Costinha sind zwei Schlüsselspieler gesperrt, wenn am Samstag die Wiederauflage des berühmten Halbfinalduells von Wembley 1966 steigt. Ein Ärgernis für Portugals Trainer Luiz Flipe Scolari, der sich aber trotzig gab: "Costinha und Deco sind sehr wichtig für mich. Sie werden mir fehlen. Aber das gehört zu meinem Job. Ich habe 21 andere Spieler, die stark genug sind, um nun in die Bresche zu springen.", sagte der Coach, der hofft, dass zumindest Cristiano Ronaldo bis dahin wieder fit ist. Denn Scolari weiß: "England ist ein starker Gegner."

Marc Renner  Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
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