Rätselraten um Trainer Rutten
Nächster Akt im Schalker Trauerspiel

Die Zukunft des Managers ist längst besiegelt, die des Trainers trotz aller Treueschwüre nach wie vor offen. Der FC Schalke kommt auch nach der Beurlaubung von Andreas Müller nicht zur Ruhe.

dpa GELSENKIRCHEN. Vor der entscheidenden Sitzung des zehnköpfigen Aufsichtsrates am Samstag, bei der das bereits zu Wochenbeginn verkündete Ende der Zusammenarbeit mit Müller auch offiziell vollzogen werden soll, herrscht Rätselraten über die Pläne von Fred Rutten. Meldungen über eine angebliche Wutrede des Fußball- Lehrers in der Mannschaftskabine schüren Spekulationen über dessen vorzeitigen Ausstieg beim kriselnden Revierclub.

Ein Bericht der "Westfälische Rundschau", wonach der Niederländer am Donnerstag im Beisein seiner Profis aus Verärgerung über die Beurlaubung Müllers seinen Verbleib infrage gestellt haben soll, wurde von der Vereinsführung bisher nicht dementiert. Aus Sorge um neue Unruhe reagierte Clemens Tönnies demonstrativ gelassen auf die jüngsten Gerüchte. "Andreas Müller und Fred Rutten waren ja wie siamesische Zwillinge. Aber der Trainer sagt auch, dass er sich zutraut, die Manager-Aufgaben mit zu übernehmen", sagte der Aufsichtsrats-Chef der "Bild".

Ruttens Freude über diese Beförderung hält sich allerdings in Grenzen. Schließlich hat die Vereinsführung längst mit der Suche nach einem neuen Manager begonnen. Übellaunig kommentierte der Coach, dem Kontakte zum niederländischen Erstligisten PSV Eindhoven nachgesagt werden, das Geschehen der vergangenen Tage: "Andy war nicht nur mein Chef. Er war mehr als mein Chef." Zu Vergleichen mit Felix Magath, der in Wolfsburg die Doppelfunktion als Trainer und Manager meistert, nahm der Coach mehr pflichtbewusst als euphorisch Stellung: "Natürlich ist das eine Belastung. Aber Felix zeigt in Wolfsburg, dass es möglich ist."

Der nächste Akt im Schalker Trauerspiel steigt am Samstag auf dem Vereinsgelände des Fußball-Bundesligisten. Der beurlaubte Müller folgt der formellen Einladung des Aufsichtsrats und macht von seinem Recht auf Anhörung Gebrauch. Laut Satzung ist bei der Abstimmung eine Zweidrittel-Mehrheit nötig, um ein Vorstandsmitglied vorzeitig abzuberufen. Sollten alle zehn Aufsichtsräte des Fußball- Bundesligisten anwesend sein, würden Müller vier Nein-Stimmen bzw. Enthaltungen genügen, um seine Abberufung zu verhindern.

So viele Fürsprecher sind nicht in Sicht. Auch auf die Gunst von Rolf Rojek, der als Fanbeauftragter dem Kontrollgremium angehört, kann Müller nicht zählen. In einem Gespräch mit "RevierSport" brachte Rojek seine Sehnsucht nach einer neuen Führungsfigur zum Ausdruck: "Die Fans wollen, dass es bei Schalke 04 wieder eine Leitfigur und auch eine klar definierte Vereins-Philosophie gibt, der alle folgen können. Wenn alle etwas zu sagen haben, dann hast du zu einem Thema fünf unterschiedliche Aussagen - und in der Außendarstellung ist das Chaos programmiert."

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