Ranking Klubwerte
Elf Fußballvereine für 20 Milliarden Euro

Das Geschäft im Fußball konzentriert sich immer stärker auf wenige Großvereine. Das zeigen die Ranglisten des Magazins Forbes und des Beratungskonzerns KPMG. Was die größten Elf wirtschaftlich auf die Waage bringen.

DüsseldorfDer Volkssport Fußball ist längst ein Milliardengeschäft, das wirtschaftlich in viele Unternehmen ausstrahlt. Das hat nun auch der Wirtschaftsberatungskonzern KPMG realisiert und erstmals eine Fußballstudie aufgelegt. Im Gegensatz zur seit Jahren üblichen 20er-Liste des US-Magazins Forbes hat KPMG die 32 wichtigsten Fußballklubs identifiziert und bewertet.

In der Spitze ähneln sich die beiden Rankings und das Niveau ihrer Bewertungen. Auffällig ist dabei eine krasse Zweiteilung im Fußball. Die ersten elf Vereine aus beiden Rankings kommen zusammen auf einen Firmenwert von 20 Milliarden Euro (Mittelwerte aus beiden Ranglisten). Für die restlichen 21 Klubs der 32 Klubs umfassenden Liste von KPMG bleiben dann nur noch rund sechs Milliarden Euro.

„Unsere Analyse beleuchtet die sich verändernde wirtschaftliche Landkarte im Fußball“, erklärt Studienautor Andrea Sartori, Global Head of Sports bei KPMG. „Während Fußballklubs zu den am meisten wahrgenommenen Marken in der Welt gehören, mit einer wahrhaft globalen Fangemeinde, ist ihr Unternehmenswert im Vergleich zu anderen Bereichen der Wirtschaft dennoch recht klein.”

Dies ändere sich jedoch gerade vor allem durch den neuen Fernsehvertrag in der englischen Premier League, stellte Sartori fest. Dadurch fließt nun deutlich mehr Geld in die Branche als noch vor einigen Jahren. Ein Teil geht an die Spieler – in Form von Gehältern. Es profitieren aber über höhere Transfersummen auch Vereine aus anderen Ligen.

Die Bundesliga hat auf die größeren finanziellen Möglichkeiten der Engländer auf zweierlei Weise reagiert. Einerseits versuchen die Vereine, wichtige Spieler langfristig zu binden. Andererseits lassen manche sich auch wichtige Spieler gern für viel Geld abkaufen, um dieses Geld dann wiederum in junge, verheißungsvolle Talente oder die eigene Infrastruktur zu investieren.

Aus der Bundesliga tauchen in der KPMG- und der Forbes-Liste nur drei Vereine auf: Bayern München, Borussia Dortmund und Schalke 04. Dass Mönchengladbach nicht einmal unter den besten 32 auftaucht, ist eine Überraschung. Hier fand KPMG zu wenig öffentlich verfügbare Daten. Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg fehlen dagegen, weil deren Bilanz weitgehend geheim ist.

 

Wie Fußballklubs wertvoller werden

Viele Fans wundern sich, wie die Schätzer für die großen Fußballklubs auf Werte von mehr als einer Milliarde Euro kommen. Schließlich setzt kein Verein bisher auch nur annähernd eine Milliarde Euro um. Die Antwort von KPMG: Den Wert eines Klubs bestimmen vor allem die Profitabilität, die Fangemeinde, der Kader, die TV-Einnahmen sowie das Geschäft rund um das Stadion.

Der sich ergebende Unternehmenswert ist eine Schätzung. Wichtig dafür sind das Kapital des Eigentümers, die Schulden, die Barmittel sowie alle Werte, die in Geld umgemünzt werden können. Die sich ergebende Zahl dient als ein kompakter Indikator für Sponsoren, Geldgeber und Geschäftspartner des Vereins. Die fünf Faktoren im Detail:

Die Profitabilität

Hier geht es vor allem um die Bilanz, die von vielen Klubs in Europa inzwischen regelmäßig veröffentlicht wird. Fußballvereine verdienen in erster Linie Geld durch Spiele im Stadion, Fanartikel, Sponsoren und TV-Rechte. Wieviel Gewinn sie daraus generieren, hängt stark von der sportlichen Vorgabe ab: Wie viel Geld fließt in den Kader? Wie sehr nutzt der Verein Spielerverkäufe?

In der Bundesliga ist Bayern München der einzige Verein, der mehr als 500 Millionen Euro pro Saison umsetzt. Dahinter folgt Borussia Dortmund mit mehr als 300 Millionen Euro. Bei immerhin 160 Millionen Euro liegt der Bundesliga-Vierte Borussia Mönchengladbach. Der Siebte, Hertha BSC, hat gerade mitgeteilt, dass man in der nächsten Saison wahrscheinlich mehr als 100 Millionen Euro einnimmt.

Die Fangemeinde

Je populärer ein Klub ist, desto größer ist das Umsatzpotenzial. Die Fangemeinde rekrutiert sich aus den Stadionbesuchern, den Mitgliedern des Vereins und der Fanklubs sowie immer stärker aus den sozialen Medien. Durch Facebook, Twitter, Instagram und Co. erreichen die großen Klubs eine Millionengemeinde, mit der immer direkter Geschäfte angebahnt werden.

KPMG hat zum Beispiel ausgerechnet, dass die 32 Klubs in ihrem Ranking 589 Millionen Fans auf Facebook haben. 92 Millionen davon entfallen auf den FC Barcelona, 88 Millionen auf Real Madrid und 69 Millionen auf Manchester United. Bayern München hat mehr als 37 Millionen „Gefällt mir“-Angaben auf seiner Facebook-Seite.

Der Kader

Fußballvereine im Profifußball geben das meiste Geld aus für ihre Spieler. Will man das sportliche Potential eines Klubs beurteilen, eignen sich die Schätzungen, die über alle wichtigen Spieler etwa über die Plattform Transfermarkt.de abrufbar sind. Die Regel dabei: Je wertvoller ein Kader, desto größere Chancen hat ein Verein, dies in sportliche Erfolge umzumünzen.

 

TV-Millionen ermöglichen Superdeals

Wie das Beispiel Leicester City in der englischen Premier League zeigt, gibt es immer wieder Ausnahmen von Regel „Geld schießt Tore“. Doch für eine Schätzung der Erfolgschancen eignen sich die Kaderwerte recht gut. Sehr häufig kommen Teams mit den wertvollsten Spielern in Pokalwettbewerben und den Meisterschaften sehr weit.

Die Fernsehrechte

Den stärksten Hebel im Fußball liefern aktuell die TV-Rechte. Die englische Premier League macht hier vor, welche Möglichkeiten sich bieten. Die Folge: ein Superdeal nach dem anderen. So erhält Borussia Mönchengladbach vom FC Arsenal 45 Millionen Euro Ablöse für den Schweizer Granit Xhaka. Eine Summe, die vor einigen Jahren noch völlig undenkbar gewesen wäre.

Aktuell jagen die Preise für Vereinswechsel jedoch rasant in die Höhe. Der deutsche Weltmeister Mats Hummels (künftig Bayern München) ist ein weiteres Beispiel dafür. 38 Millionen Euro für einen Spieler, der nur noch ein Jahr Vertrag hatte, ist enorm. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge: „Die Preisgestaltung hat ohnehin bald kein Bundesligist mehr im Griff. Das Transfergeschäft ist ein globaler Markt.“

Das Stadion und sein Umfeld

Fußball wird zum Erlebnissport – und das Stadion eines Vereins ist künftig das Zentrum dafür. Bayern München macht dies in Deutschland mit der Allianz Arena vor. Dorthin strömen die Menschen auch, wenn kein Spiel ist. Die Gründe: Sie besuchen das Bayern-Museum, machen eine Stadion-Tour oder kaufen im großen Bayern-Shop ein.

Auch kleinere Vereine wie Borussia Mönchengladbach sind dabei, solch ein Umfeld um ihr Stadion aufzubauen. In Gladbach können Besucher auch direkt die Profis beobachten, wenn sie auf den anliegenden Plätzen trainieren. All dies garantiert einen stetigen Einnahmestrom für den Verein. Wobei die Grundvoraussetzung immer ist: Schnelles Wachstum ist nur bei sportlichen Erfolgen drin.

 

 

 

 

 

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