Razzia bei der Fifa
Das Skandal-Komitee

Das Fifa-Exekutivkomitee bekommt Gegenwind: Nach der morgendlichen Razzia gegen ranghohe Mitglieder der Fifa ist das skandalumtoste Gremium in Aufruhr. Wer wurde in dem Züricher Luxushotel festgenommen und warum?
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Düsseldorf/ZürichWenn der neue FIFA-Präsident - vermutlich Joseph Blatter - am Samstag das neue Exekutivkomitee (Exko) des Weltverbandes zu seiner ersten Sitzung zusammentrommelt, sitzen viele neue Funktionäre am Tisch in der FIFA-Zentrale in Zürich. Einer von ihnen ist DFB-Chef Wolfgang Niersbach, der auf Theo Zwanziger folgt. Er gilt als Kritiker.

Dennoch: Niersbach versucht die Erwartungen zu bremsen. Der DFB-Chef will in der Fifa-Exekutive nicht nur Nein-Sager sein. Gemeinsam mit David Gill, dem früheren Direktor von Manchester United, gilt der deutsche Spitzenfunktionär jedoch als Europas Hoffnungsträger für mehr professionelle Kontrolle. „Wir werden nicht immer einer Meinung sein“, kündigte Niersbach einen harten, aber fairen Umgang mit den Kollegen, inklusive Blatter, an.

Kontrolle ist bitternötig, wie die jüngste Razzia gegen Spitzenfunktionäre der Fifa in Zürich, bei der sechs Offizielle festgenommen wurden, zeigt. Dabei geht es um nicht weniger als 100 Millionen Euro. Am frühen Mittwochmorgen haben Schweizer Polizeibeamte im Auftrag der US-Justiz sechs Fußballfunktionäre wegen Steuervergehen festgenommen.

Ein Sprecher des Schweizer Bundesamts für Justiz bestätigte, dass Geld sei von Sportmedien- und Sportvermarktungsunternehmen gekommen. Als Gegenleistung hätten sie von den Funktionären Medien-, Sponsoring- und Vermarktungsrechte an Fußball-Turnieren in den USA und Lateinamerika erhalten. Die Namen der Festgenommenen sind mittlerweile bekannt. Die US-Justiz hat neun hochrangige Manager des Weltfußballverbandes Fifa wegen Korruptionsverdachts angeklagt. Unter ihnen seien zwei amtierende Vizepräsidenten des Verbandes, erklärte das US-Justizministerium am Mittwoch.

So berichtet die Nachrichtenagentur „Bloomberg“, dass unter den Festgenommen der Präsident der Confederation of North, Central American and Caribbean Association Football (kurz: CONCACAF) Jeffrey Webb sein soll. Der Mann von den Cayman Islands ist Mitglied im Fifa-Exekutivrat. Neben Webb wird auch der Uruguayer Eugenio Figueredo immer wieder genannt.

Besonders brisant für Blatter ist allerdings Jack Austin Warner aus Trinidad und Tobago: Er war bis 2011 Vizepräsident der Fifa und gilt als enger Vertrauter Blatters. Warner muss sich mittlerweile in einer Vielzahl von Korruptionsverdachtsfällen vor der Justiz verantworten. Außerdem wurden Julio Rocha, Costas Takkas, Rafael Esquivel, José Maria Marin und Nicolás Leoz auf der Liste der US-Justizbehörde genannt.

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