RB-Geschäftsführer im Interview
„Wir sind keine Gefahr für den Fußball“

RB Leipzig Geschäftsführer Ulrich Wolter spricht im Handelsblatt Online-Interview über die Kommerzialisierung von Tradition und „Traditionsentwicklung“.
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LeipzigHerr Wolter, wann sehen wir RB Leipzig in der ersten Bundesliga?

Ulrich Wolter: Wir versuchen, dies so schnell wie möglich zu erreichen, haben aber keinen konkreten Zeitplan. Wir bleiben unserer Philosophie treu, dass wir es mit jungen und hungrigen Spielern und nicht mit Stars jenseits der 30 schaffen wollen.

Das „Investorenmodell“ wurde gerade in der Bundesliga am Beispiel 1899 Hoffenheim erst überschwänglich gelobt, dann über die Maßen kritisiert – insbesondere in der letzten Saison, als Hoffenheim vor dem Abstieg stand. Was wollen Sie in Leipzig anders und vor allem besser machen als Hoffenheim?

Ich weiß nur, und das sage ich allen Kritikern auf den Kopf zu: Sie sollen unseren Weg respektieren. Wir respektieren die so genannten Traditionsvereine und diese sollen unseren Weg genauso respektieren. Ich glaube nicht, dass von uns eine Gefahr für den deutschen Fußball ausgeht – ganz im Gegenteil.

Was antworten Sie Kritikern, die RB vorwerfen, die 50 + 1 – Regel, nach der in Deutschland ein Verein nicht in den Händen einer Einzelperson sein darf, auszuhöhlen?

Wir sind mit dem DFB und der Deutschen Fußball-Liga unsere Satzung umfassend und lange genug durchgangen und haben vom DFB grünes Licht für die Lizenz ohne Auflagen bekommen.

Im Zusammenhang mit RB Leipzig war immer wieder der schöne Begriff der „Traditionsentwicklung“ zu lesen. Wie wollen Sie Fußball-Tradition „entwickeln“, insbesondere im als problematisch geltenden Fußball-Osten Deutschlands?

Mich stört an dem Begriff, dass viele Vereine „Tradition“ als Schutzschild für ihre eigenen Fehlleistungen verwenden und darüber hinaus gnadenlos kommerzialisieren.

Aber Sie kommerzialisieren die Marke Red Bull doch auch…?

Ich finde den Vorwurf, wonach wir „den Fußball zerstören“, nicht gerechtfertigt. Warum sollten wir das tun? Wieso sind wir eine Gefahr für den Fußball? Herr Mateschitz ist kein russischer Oligarch oder arabischer Scheich, der sich als Spielzeug einen Klub kauft. Wir stehen für ein Sportkonzept mit Nachhaltigkeit. Das sollen alle anderen respektieren.

Die Fans können nicht Mitglied bei RB werden, sondern nur im offiziellen Fanklub. Warum diese Maßnahme?

Wir sind ein Verein nach BGB-Vereinsrecht, wir haben die erforderliche Mitgliederzahl. Aber Mitgliederzahlen sind für uns kein Marketing- oder Promotiontool. Günstige Tickets und Fanartikel bekommt man bei uns, wenn man Mitglied in einem der offiziellen Fanklubs ist. Wir wollen ein größtmögliches Maß an Rechtsicherheit für unsere Investitionen.

Aber sollten die Fans keinen Anspruch an Transparenz haben?

Die Zustände, die in manchen Vereinen herrschten bzw. herrschen, waren sicher nicht für deren Entwicklung förderlich.

Welche Rolle spielen ehemalige Fußball-Stars aus Ostdeutschland wie Michael Ballack, etwa als Repräsentanten oder Botschafter, in ihren Planungen?

Da haben wir keine Ambitionen.

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