Reaktionen auf „Football Leaks“
„Grobes Foulspiel am Gemeinwohl“

Cristiano Ronaldo, Mesut Özil und Co.: Dokumente der Enthüllungsplattform „Football Leaks“ belasten zahlreiche Sportprofis schwer. Politiker fordern die Rote Karte für die Fußballmillionäre.
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DüsseldorfOffshore-Leaks, Panama Papers – und nun die „Football Leaks“: Ein Rechercheverbund von neun europäischen Medien, darunter der Hamburger „Spiegel“, haben Daten der Enthüllungsplattform „Football Leaks“ ausgewertet. Die insgesamt 18,6 Millionen Dokumente belasten offenbar zahlreiche Spitzensportler schwer. So soll der mehrmalige Weltfußballer Cristiano Ronaldo bis vor zwei Jahren eine Briefkastenfirma in der Karibik für seine Werbeeinnahmen genutzt haben – und so Millionen an Steuern gespart. Auch Mesut Özil, Spieler beim britischen Klub FC Arsenal, soll bei der Steuer geschummelt haben.

Unklar ist, inwieweit die beiden Spieler sich damit strafbar gemacht haben. So weist etwa der „Spiegel“ darauf hin, dass Ronaldo bei seiner Steuerersparnis von einer umstrittenen Sonderregelung des spanischen Steuerrechts profitiert haben soll. Özil dagegen soll den Dokumenten zufolge zwei Millionen Euro Steuern nachgezahlt haben – inklusive Verzugszinsen. Laut „Spiegel“ ging es bei den Vorwürfen gegen den Fußballer um unterschiedliche Berechnungsgrundlagen bei der Bezahlung von Özils Spielerberatern.

Mit der Auswertung der Dokumente von „Football Leaks“ seien 60 Journalisten des Rechercheverbunds „European Investigative Collaboration“ insgesamt sieben Monate beschäftigt gewesen, so der „Spiegel“ in einer Mitteilung. Neben Originalverträgen von Spielern fanden sich auch E-Mails und geheime Nebenabsprachen in dem 1,9 Terabyte umfassenden Datensatz. Das entspreche dem Umfang von 500.000 Bibeln, so das Magazin.

Neben dem „Spiegel“ gehören dem Konsortium auch die Medien „Der Falter“ aus Österreich, „El Mundo“ aus Spanien, „L’Espresso“ aus Italien, „Le Soir“ aus Belgien, „Mediapart“ aus Frankreich, „Newsweek Serbia“ aus Serbien, die dänische „Politiken“ sowie „The Black Sea“ aus Rumänien an.

Erste Reaktionen aus der Politik verlangen die „Rote Karte“ für die Fußball-Profis. „Die Fußball-Großverdiener leben von Millionen Fans, die täglich hart arbeiten und ehrlich Steuern zahlen. Wenn diese Millionarios ihren Beitrag zum Gemeinwesen verweigern, hat das mit Fair Play nichts mehr zu tun, sondern ist Verrat an den Fans. Sie richten durch schlechtes Vorbild und ungerechte Steuervermeidung doppelten Schaden an. Dafür habe ich kein Verständnis“, sagt etwa SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann.

Dass gerade die Reichsten am wenigsten Steuern zahlen sei nichts Neues, sagt der Vorsitzende der Partei Die Linke, Bernd Riexinger. Schon die umfangreichen Korruptionsenthüllungen in den Fußballverbänden hätten demonstriert, dass es keine heile und edle Fußballwelt gibt, so Riexinger, „Dass sich manche Großverdiener unter den Fußballspielern nicht anders als Starbucks, Apple und Co. verhalten und mit Briefkastenfirmen und anderen Steuertricks möglichst wenig bis gar keine Steuern zahlen, zeigt, dass die 'schönste Nebensache der Welt' zu einem gnadenlosen Geschäft verkommen ist, in dem gefeierte 'Helden' sich mit allen Mitteln vor ihrer gesellschaftlichen Verantwortung drücken.“

Sven Giegold, Mitglied der Grünen-Fraktion im Europaparlaments, verlangt, dass Einnahmen, die aus sportlichen Leistungen folgen, in dem Land versteuert werden müssen, in dem der Profi aktiv ist. „Die Steuervermeidung der Fußballstars sind ein grobes Foulspiel am Gemeinwohl. Mit ihren Steuertricks schaden die Fußballmillionäre den Menschen, die ihnen im Stadion zujubeln. Die Fußballer verfehlen durch ihr gesellschaftsschädliches Verhalten bei weitem ihre Vorbildfunktion für viele junge Menschen.“ Die Fußballprofis nutzten laut Giegold eine besonders ausgeklügelte Steuertaktik und schleusten so ihre Einnahmen in verschiedene Steueroasen. Ein weiteres Mal seien Irland und Großbritannien beim Steuerdumping führend und brächten so andere EU-Länder um ihre Einnahmen.

Die Steuertricks zeigten erneut, dass der Steuerwettbewerb in Europa mit gemeinsamen Mindeststeuersätzen für Unternehmen eingedämmt werden müsse. Die EU-Kommission müsse hier mit einem Gesetzesvorschlag nachlegen. Giegold: „Wir dürfen Steueroasen innerhalb der europäischen Gemeinschaft nicht länger dulden. Fairplay gilt nur nicht nur auf dem Spielfeld, sondern umso mehr beim Steuern zahlen.“

Kevin Knitterscheidt
Kevin Knitterscheidt
Handelsblatt / Volontär
Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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