Reaktionen auf Verpflichtung von Steve McClaren
Wieder ein England-Coach der „zweiten Wahl“

„Willkommen, Nummer 2“, begrüßte der „Daily Telegraph“ den kommenden englischen Nationaltrainer. Die Boulevardpresse ließ keine Zweifel aufkommen, welches Gütesiegel Englands oberster Fußballlehrer trägt.

dpa LONDON. "Willkommen, Nummer 2", begrüßte der "Daily Telegraph" den kommenden englischen Nationaltrainer Steve Mcclaren. Die Boulevardpresse ließ keine Zweifel aufkommen, welches Gütesiegel Englands oberster Fußballlehrer trägt: "Zweite Wahl".

Und auch die englischen Fans sind wenig begeistert von dem Mann, der nach der Fußball-WM die Nachfolge von Sven Göran Eriksson antritt. Sein Arbeitgeber, der englische Fußball-Verband FA, trägt die Hauptschuld daran, dass Mcclaren als billige Verlegenheitslösung erscheint. Dilettantisch, naiv und chaotisch verlief die monatelange Suche nach dem 11. Nationaltrainer in der Geschichte der "Three Lions". Die Wunschkandidaten sagten aus unterschiedlichen Gründen ab: Arsenal-Trainer Arsène Wenger bevorzugt die tägliche Arbeit im Verein, der Brasilianer Luiz Felipe Scolari fühlte sich dem Mediendruck in England nicht gewachsen.



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"Es ist mir egal, ob ich zweite Wahl bin. Ich bin die Wahl der FA, ich bin die richtige Wahl", sagt Mcclaren. Bislang ist er meist nur als "Nummer 2" aufgefallen: Als Assistenztrainer von Eriksson (seit 2000) und von Alex Ferguson bei Manchester United (1999-2001). Als Chefcoach konnte er nur beim Premier-League-Club FC Middlesbrough Erfahrung sammeln. Immerhin: Den mittelmäßigen Verein führte er in dieser Saison überraschend ins Uefa-Pokalfinale und 2004 zum ersten Titelgewinn der Vereinsgeschichte, dem Ligapokal.

Zumindest bei seiner Präsentation machte Mcclaren alles richtig. "Ich bin heute der glücklichste Mann Englands", freute er sich und zeigte die Emotionen, die die englischen Fans beim unterkühlten Schweden Eriksson vergeblich suchen. Trotzdem sind die Anhänger gegen Mcclaren: In sämtlichen Umfragen sprach sich eine deutliche Mehrheit gegen ihn aus. "Dies ist die farbloseste Entscheidung, die der Verband treffen konnte. Sie wird weder von den Fans noch den Medien unterstützt", kritisierte Martyn Mcfadden, Fansprecher aus Newcastle.

"Gebt dem Kerl 'ne Chance", bat der "Daily Star". Und auch die Murdoch-Presse, die noch wenige Tage zuvor Mcclarens ein Jahr zurückliegende Affäre mit der Sekretärin des FC Middlesbrough enthüllt hatte, stimmte versöhnliche Töne an: "Er ist nicht beliebt, wird aber überraschen", schrieb die "Sun". Die "Daily Mail" weiß, wann sich die Stimmung ändern kann: "Gewinn was und dann lieben wir Dich - vielleicht."

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