Real Madrid
Ein Klub am Rande des Nervenzusammenbruchs

Trainer Bernd Schuster gibt sich griesgrämig, Sportdirektor Predrag Mijatovic ist überfordert, Präsident Ramón Calderón gereizt: Bei Real Madrid tobt vor dem Gastspiel im weißrussischen Borissow eine Krise mit ungewissem Ausgang.

BERLIN. Jetzt auch noch Weißrussland. Minusgrade und Schnee begrüßten die Delegation von Real Madrid bei der Ankunft gestern Nachmittag in Minsk, heute zum Spiel werden Temperaturen bis minus 20 Grad erwartet plus Eis und noch mehr Schnee, dazu elf aufgedrehte Kicker von Bate Borissow, die vor zehn Tagen zum dritten Mal nacheinander Landesmeister wurden und seitdem nicht anderes zu tun haben als die Schneeflocken zu zählen und auf Real Madrid zu warten. Etwas Gemeineres hat der europäische Fußball im November kaum zu bieten, zumal nicht für Reisende aus Spanien. Der Trip ins graue Minsk kommt daher wie eine biblische Strafexpedition.

Dabei haben sie es momentan wahrlich schon schwer genug beim spanischen Champion. Lauter verletzte Spieler, ein Trainer, der sich von Ultimatum zu Ultimatum hangelt, ein Sportdirektor, der allenfalls bei einem Achtziger-Jahre-Yuppie-Contest eine gute Figur abgäbe, und ein Präsident, der angesichts der am 7. Dezember anstehenden Mitgliederversammlung jegliche Souveränität vermissen lässt. Real Madrid ist dieser Tage ein Klub am Rande des Nervenzusammenbruchs.

Der Reihe nach sind da zunächst die Verletzten. Fast jeder Spieler von Bedeutung hat diese Saison schon einmal dem Lazarett angehört. Derzeit fehlen unter anderem in Ruud van Nistelrooy (bis Saisonende) der Torjäger, in Arjen Robben (wie fast ständig) der einzige Flügelspieler, in Mahmadou Diarra der Imperator im Mittelfeld; vor dem Bate-Spiel haben sich nun auch noch in Fabio Cannavaro der Abwehrchef und in Gonzalo Higuaín der Beste der Saison abgemeldet. Die klubnahen Sportblätter schreiben von "Virus" und "Epidemie", derweil Trainer Bernd Schuster klagt: "Das muss sich ändern, so sind wir nicht konkurrenzfähig."

Schuster ist immer noch Trainer, obwohl seine Entlassung schon mehrfach perfekt schien - zum Beispiel nach dem 0:1 vor zehn Tagen in Valladolid, das eine Pleitenserie in Champions League (zwei Niederlagen gegen Juventus, weshalb heute nicht verloren werden darf) und Pokal (Aus gegen den Drittligisten Irún) abrundete. Schuster nahm es gleichgültig zur Kenntnis, am nächsten Tag schwänzte er das Training, ohnehin übergibt er es immer öfters seinem Assistenten. Verweigerte er früher nur die Kommunikation mit der Journaille, meidet er inzwischen auch regelmäßig das Gespräch mit Spielern oder der Klubführung. Der Deutsche strahlt eine derartige Lustlosigkeit aus, dass er wohl nur aus finanziellen Gründen nicht von selbst kündigt.

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