Rechtsextremismus im Sport
Ein Fußballklub voller Neonazis

In Sachsen-Anhalt bedroht ein rechtsextremer Kreisligist seit Jahren Spieler und Schiedsrichter. Der Landessportverband hat nun beschlossen, den Klub auszuschließen. Doch so einfach ist das in diesem Fall nicht.
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BerlinMichael Pieper war der erste Schiedsrichter, der Nein sagte, schon vor vier Jahren. Er kannte die Spieler, die damals den FC Ostelbien Dornburg gründeten. Er wusste, „was das für eine Klientel war“, sagt er. Ein paar von ihnen hatten zuvor in anderen Vereinen der Gegend gespielt und Pieper hatte ihre Beschimpfungen gehört. „Judenschweine" oder „Euch haben sie in Auschwitz vergessen“. Nein, Spiele von Ostelbien würde er ganz bestimmt nicht pfeifen. „Ich will nicht in meiner Freizeit um Leib und Gesundheit fürchten müssen“, sagt er.

Mittlerweile hat Pieper Gesellschaft bekommen. 59 von 65 Schiedsrichtern des Kreisverbandes Jerichower Land in Sachsen-Anhalt weigern sich, Spiele der Dornburger zu leiten. „Die wollen sich das nicht mehr antun“, sagt Pieper. Auch vier Vereine haben vor der Saison erklärt, nicht mehr gegen den Neonazi-Klub anzutreten.

Der FC Ostelbien Dornburg verbreitet seit Jahren in der Kreisliga Furcht und Einschüchterung. Schiedsrichter werden bedroht, Gegenspieler brutal gefoult oder rassistisch beleidigt. Zu den Spielen rückt mittlerweile routinemäßig die Polizei an, manchmal mit bis zu 40 Beamten. Der Verein ist von Neonazis durchsetzt, 15 von 18 Spielern sind laut Recherchen von MDR und Mitteldeutscher Zeitung dem Landesverfassungsschutz von Sachsen-Anhalt als Rechtsextremisten bekannt.

Ein TV-Beitrag des MDR aus dem Juli zeigt die Mannschaft bei einem Spiel in Paplitz. Erst schubst der Torwart einen Gegenspieler um, nach der Partie schlägt ein Spieler namens Dennis Wesemann den Gegner nieder, woraufhin sich eine Massenschlägerei entwickelt. Ein anderer Spieler schreit den Schiedsrichter an: „Du brauchst Dich nicht wundern, wenn wir Dich irgendwann mal anstecken.“

Im Januar griffen Spieler von Ostelbien bei einem Hallenturnier in Gommern den Schiedsrichter und Zuschauer an. Und bei einem Ortsbesuch der Tageszeitung wurde ein Kosovo-Albaner in den Reihen des Dornburg-Gegners SG Blau-Weiß Niegripp von Dennis Wesemann bespuckt. Ein anderes Mal sprang Wesemann einem Gegner mit offener Sohle in den Rücken. Er trägt die Nummer 18, in der Neonazi-Szene der Code für die Initialen von Adolf Hitler.

Dennis Wesemann hat das Sagen beim FC Ostelbien. Und nicht nur dort. Er wurde immer wieder bei Neonazi-Kundgebungen gesehen und hat die gewaltbereite Hooligan-Vereinigung Blue White Street Elite gegründet, in der ein Großteil der Ostelbien-Fußballer aktiv sein soll. Die Hooligans traten lange rund um Spiele des 1. FC Magdeburg auf. Ein zeitweiliges Verbot musste das Oberverwaltungsgericht Sachsen-Anhalt aber wieder aufheben.

Kommentare zu " Rechtsextremismus im Sport: Ein Fußballklub voller Neonazis"

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  • Seien wir doch mal ehrlich:

    Wenn man die Nazis wirklich loswerden möchte, könnte man es auch.

    Die Macht dazu hat der Staat. Und auch das garantierte Einverständnis der Bevölkerung.

    Wo ein Wille, ist auch ein Weg. (Und kein Ja, aber . . .)

    Das kann man Merkel, Schäuble & Co. zu Hundert Prozent vorwerfen. Sie haben es versäumt, nicht verstanden, nicht auf die Reihe gekriegt usw. Ein paar NSU-Schauprozesse als Alibi für das Ausland reichen da nicht aus.

  • Herr Paul,

    normale Menschen tun nicht so, als wären sie normal. Sie sind normal.

    Normalität vorzutäuschen ist eher etwas für pathologische Fälle.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich und achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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