Reform des Transfersystems Ceferin und Infantino fordern politische Unterstützung

Nach dem Wechsel-Wahnsinn im Sommer fordern die mächtigsten Männer im Weltfußball Änderungen am Transfersystem. Dabei ruft UEFA-Präsident Ceferin die Politik um Hilfe und bezieht sich auf die Kritik der Bundeskanzlerin.
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„An alle europäischen Politiker: Wir könnten nicht mehr zustimmen. Aber ihr habt uns nicht sehr geholfen, die Dinge in Ordnung zu bringen.“ Quelle: Reuters
UEFA-Präsident Aleksander Ceferin

„An alle europäischen Politiker: Wir könnten nicht mehr zustimmen. Aber ihr habt uns nicht sehr geholfen, die Dinge in Ordnung zu bringen.“

(Foto: Reuters)

Genf Nach der Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel am Ablöse-Wahnsinn hat UEFA-Präsident Aleksander Ceferin die Politik zur Unterstützung bei der Reform des Transfersystems aufgerufen. „An alle europäischen Politiker: Wir könnten nicht mehr zustimmen. Aber ihr habt uns nicht sehr geholfen, die Dinge in Ordnung zu bringen“, sagte Ceferin beim außerordentlichen Kongress der Europäischen Fußball-Union am Mittwoch in Genf. Auch FIFA-Chef Gianni Infantino sprach sich bei der nur 50-minütigen Vollversammlung für Änderungen auf dem Transfermarkt aus.

In diesem Sommer war unter anderem Brasiliens Superstar Neymar für die Rekordsumme von 222 Millionen Euro vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain gewechselt. Es gebe ein „ganzes Arsenal, um das Spiel besser zu regulieren“, betonte UEFA-Chef Ceferin. Als mögliche Maßnahmen nannte er die Einführung einer Gehaltsobergrenze, eine Luxussteuer, kleinere Kader, eine Beschränkung von Kommissionen für Berater und eine Begrenzung von Ausleihen. Vieles davon wird durch europäisches Recht eingeschränkt oder verhindert. „Das Momentum ist da“, sagte Ceferin. „Ich habe jede Intention es zu tun. Es ist mein Ziel.“

„Der Wechsel zeigt die ganze Perversion des Spitzenfußballs“
Lionel Messi, FC Barcelona
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„Es war eine enorme Freude, all die Jahre mit Dir zu teilen“, schrieb Messi. „Wir sehen uns.“ Neymar (r.) war 2013 zum FC Barcelona mit dem argentinischen Superstar Messi (l.) gewechselt.

Christian Streich, SC Freiburg
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„Es ist mir wirklich egal, ob 220 oder 440 Millionen Euro gezahlt werden, da kann ich nicht mehr greifen“, sagte Christian Streich, der Coach des SC Freiburg. „Wir sind in einem irrealen Bereich angekommen, aber der ist gerade Realität“, erklärte der 52-Jährige. „Der Gott des Geldes wird immer größer, und irgendwann verschlingt er alles.“

Jürgen Klopp, FC Liverpool
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„Das ist nicht der nächste Schritt, glaube ich und hoffe ich. Ich glaube, es wird eine Ausnahme bleiben“, sagte der Trainer des FC Liverpool nach der Finalniederlage beim Audi Cup in München. Kommt der Wechsel Neymars in dieser Höhe wirklich zustande, wäre es die mit weitem Abstand höchste im Weltfußball bezahlte Ablösesumme. „Ich dachte, das „Financial Fairplay“ wäre dafür erfunden worden, dass so etwas nicht geht“, wunderte sich Klopp.

Die Welt online
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„Nach Neymars Wechsel ist niemand mehr sicher: Neymars Wechsel ist eine Zäsur für den Fußball. Festgeschriebene Ablösen in astronomischen Höhen wie die für den Brasilianer galten bisher als unerschwinglich. Nun aber haben selbst Topklubs Probleme.“

Zeit Online
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„222.000.000: Paris hat den Fußball vollauf verstanden: Man braucht nicht nur Gute, man braucht die Größten. Neymar. Paris investiert in glorreiche Zeiten.“

Stuttgarter Zeitung
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„222 – Zahlencode des Wahnsinns: Der Wechsel von Neymar zeigt die ganze Perversion des Spitzenfußballs. Für 222 Millionen Euro, so rechnet der Berliner „Tagesspiegel“ besonders eindrucksvoll vor, ließe sich der Ostteil des zerstörten Mossul wieder aufbauen.“

Neue Zürcher Zeitung
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„Das Publikum schwankt zwischen Faszination und Abscheu, aber es ist eine heuchlerische Empörung, die meisten schauen weiter gebannt zu, wenn Profifussball gespielt wird.“

Merkel hatte sich jüngst kritisch über die in diesem Sommer drastisch angestiegenen Ablösen geäußert. „Solche Summen kann kein Mensch nachvollziehen. UEFA und FIFA sollten die Regeln für Spielertransfers noch einmal anpassen, um für größere sportliche Balance zu sorgen“, sagte die CDU-Parteivorsitzende zuletzt der „Mittelbayerischen Zeitung“. Sie sehe die finanziellen Entwicklungen im Fußball „genauso kritisch wie viele“.

Als Gast der UEFA-Vollversammlung betonte auch Infantino, dass es Änderungen brauche. „Es ist an der Zeit, dass wir alle zusammen das Transfersystem für die Zukunft in Angriff nehmen“, sagte der Chef des Weltverbands. Die globalen Transferausgaben vom 1. Juni bis 1. September betrugen nach Erhebung der FIFA 3,93 Milliarden Euro - und damit fast so viel wie im kompletten Jahr 2016. Die Provisionen für Berater seien dabei deutlich angestiegen, erklärte Infantino. „Das muss uns alles sehr besorgen.“

Beim rekordverdächtig kurzen außerordentlichen UEFA-Kongress erhielt WM-Gastgeber Russland wieder einen Sitz im FIFA-Rat. Alexej Sorokin, Organisationschef der Weltmeisterschaft 2018, wurde per Akklamation als neues Mitglied für die Regierung des Weltverbands gewählt. Er war der einzige Kandidat für den Posten. Seine Amtszeit im FIFA-Rat, dem auch DFB-Präsident Reinhard Grindel angehört, läuft bis 2018.

Der fünfte UEFA-Kongress in nur zwei Jahren war nötig gewesen, weil ein europäischer Sitz in dem FIFA-Gremium zuletzt frei geblieben war. Im März hatte das Governance und Review Committee der FIFA dem russischen Multi-Funktionär Witali Mutko hatte eine Bewerbung verwehrt. Das Gremium befürchtete einen Interessenskonflikt durch die Ämter Mutkos als Präsident des Organisationskomitees der WM 2018, russischer Verbandspräsident und stellvertretender russischer Ministerpräsident.

Als Vertreter der Europäischen Club-Vereinigung im Exekutivkomitee der UEFA wurden Andrea Agnelli von Juventus Turin und Ivan Gazidis vom FC Arsenal einstimmig gewählt.

  • dpa
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