Rekordergebnis für Bundesliga: Spielend reich werden

Rekordergebnis für Bundesliga
Spielend reich werden

Zum zwölften Mal in Serie feiert die DFL einen Umsatzrekord: Die Bundesliga-Klubs haben in der vergangenen Saison über drei Milliarden Euro eingenommen. Doch ist das schon die Wachstumsgrenze? Eine Analyse.
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FrankfurtChristian Seifert könnte sich zurücklehnen, es sich in seinem Büro gemütlich machen. Wohlwissend, dass er einen guten Job macht. Einen sehr guten. Seit vielen Jahren schon gibt er, immer Ende Januar, stolz die positive wirtschaftliche Entwicklung des Profifußballs in Deutschland bekannt. Für die er verantwortlich ist. Die Liga eilt von Umsatzrekord zu Umsatzrekord, der Gewinn hat sich vervielfacht. Dank ausverkaufter Stadien, dank der Attraktivität des deutschen Fußballs für das Fernsehen und die Sponsoren , dank der Erlöse auf dem Transfermarkt.

Doch der 47-Jährige lehnt sich nicht zurück. Auch nicht an diesem Donnerstagmittag. Im Gegenteil. Er beugt sich vor, spricht mit fester, lauter Stimme ins Mikrofon. Rund zwei Dutzend Journalisten sind in die DFL-Zentrale nach Frankfurt gekommen, um dem Chef der Deutschen Fußball-Liga dabei zuzuhören, wie er sich die Zukunft des deutschen Profifußballs vorstellt. Und wie sich die Gegenwart darstellt: Zum ersten Mal haben die 18 Klubs in der vergangenen Saison zusammen die Umsatzmarke von drei Milliarden Euro überboten. Insgesamt wurde in der Saison 2015/16 die Summe von 3,24 Milliarden Euro umgesetzt.

Das Bemerkenswerte daran ist: Selbst bei ihrem zwölften Rekord in Serie hat es die Branche geschafft, den Vorjahreswert von 2,62 Milliarden Euro noch einmal um 23,71 Prozent zu steigern. Dabei spielt der neue, gigantische Fernsehvertrag, der den Vereinen der Ersten und Zweiten Liga in Zukunft pro Spielzeit erstmals mehr als eine Milliarde Euro an Medieneinnahmen garantiert, bei diesen Zahlen noch gar keine Rolle. Er gilt erst ab der Saison 2017/18. Es ist also davon auszugehen, dass Seifert in zwölf Monaten den nächsten Rekord vermelden kann.

Nach der englischen Premier League ist die Bundesliga im europäischen Vergleich weiterhin die Nummer zwei. „Das Wachstum ist notwendig, um international konkurrenzfähig zu bleiben“, erklärte Seifert. Und weiter: „Wir sind sehr zufrieden.“ In keiner anderen europäischen Top-Liga werden pro Spiel mehr Tore geschossen als in der Bundesliga, die meisten Zuschauer pro Spiel – weltweit – hat die Liga ohnehin. Und sie ist so jung wie kaum eine andere.

Es gilt Tabus zu beachten

Besser geht es doch nicht. Oder? Wann platzt die viel beschworene Blase, wann lässt das Interesse der Fans nach, wann verlieren sie vor lauter Kommerz die Lust am Spiel? Wenn das schier grenzenlose Wachstum im Fußball eine Notwendigkeit ist, um international mithalten zu können, dann muss man genau wissen, wer es finanziert. Die DFL steckt deshalb nach eigenen Angaben viel Geld in die Marktforschung, der Verband will wissen, wie die Menschen denken, die jede Woche ins Stadion gehen, die kein Spiel im Fernsehen verpassen. Für die die Emotionen, die der Fußball weckt, so wichtig sind.

Und kommt zu der Erkenntnis: „Stand heute haben wir die Wachstumsgrenze nicht erreicht“, sagte Seifert in Frankfurt. Doch er weiß, dass er vorsichtig sein muss, dass er nicht überziehen darf. „Das Seherlebnis darf nicht leiden“, so nennt er das. Heißt: Werbeunterbrechungen während des Spiels, wie es beispielsweise im American Football üblich ist, sind tabu. Und auch die Nachwuchsarbeit muss immer weiter verbessert werden. Die Infrastruktur steht, das Konzept aber muss weiter entwickelt werden.

Aus dem vorgestellten Bundesliga-Report geht auch hervor: Rund eine Milliarde Euro fließen mittlerweile in die Gehälter der Spieler und Trainer. Bei etwa 530 Profis in der höchsten deutschen Spielklasse macht das ein durchschnittliches Jahreseinkommen pro Spieler von rund 1,9 Millionen Euro. „Jeder, der in der Bundesliga spielt, sollte wem auch immer dankbar sein, dass er dieses Talent besitzt“, sagte der DFL-Geschäftsführer. Und: „Aus Sicht des Durchschnittsverdieners in Deutschland ist das unfassbar viel Geld. Aus Sicht eines Drei-Milliarden-Unternehmens wie der Bundesliga muss man aber auch sagen: Die Kernwertschöpfung geht nur von einem sehr geringen Personenkreis von etwa 530 Spielern aus.“ Heißt: Die Spieler haben diese Summen durchaus verdient.

Bleibt abzuwarten, wie lange der Fan Seifert da noch zustimmt.

Kommentare zu " Rekordergebnis für Bundesliga: Spielend reich werden"

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  • "Sergio Puntila27.01.2017, 09:30 Uhr
    Der Chefdemokratenfresser als Oberkommentator des HB sondert in gewohnt langweiliger Manier, klingt schon fast andressiert, was Sie hier tagtäglich vor sich hingeifern, werter MH"

    Ich geifere nicht, ich kommentiere. Ich gebe mir den ganzen Tag große Mühe, jeden, aber auch wirklich jeden Artikel zu kommentieren,
    um die Leute von der grün-sozialistischen Murkselregierung zu warnen.

    Ja, ich bin ein Fan von Trump und Putin, das sind wenigstens noch zwei echte Kerle mit eigener Meinung, nicht wie unser sprechender Hosenanzug!

    Ja, ich bin ein Anhänger der AFD, denn nur diese Partei kann unser Reich noch retten!

    Nein, ich bin nicht arbeitslos und habe deshalb soviel Zeit Kommentare zu schreiben, ich bin arbeitssuchend!
    Danke

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