Rekordmann Bale
Warum sich 100 Millionen Euro lohnen könnten

Zweimal Mesut Özil zum Mitnehmen, bitte: Real Madrid hat Gareth Bale zum teuersten Fußballer der Welt gemacht. Die Summe sorgt allgemein für Kopfschütteln – dabei könnte sich das Investment sogar rentieren.
  • 4

Die vielleicht bemerkenswerteste Reaktion auf den Rekordtransfer von Gareth Bale zu Real Madrid kam von den Königlichen selbst. Zinédine Zidane, Sportdirektor und ehemals teuerster Fußballer der Welt, bezeichnete den 100-Millionen-Euro-Transfer als „unverständlich“. Kein Spieler sei so viel Geld wert, sagte Zidane gegenüber dem französischen TV-Sender Canal Plus. Zidane, der als unbezahlbar galt, dessen Marktwert aber letztlich auf rund 75 Millionen Euro festgelegt wurde.

Mit dieser Meinung steht der Ex-Weltfußballer nicht alleine da. Auch BVB-Trainer Jürgen Klopp bezeichnete die Summe als „Wahnsinn“, DFB-Manager Oliver Bierhoff sprach von „Zahlen, die man irgendwann nicht mehr begreifen kann“. Bierhoff merkte an, dass bei diesen hohen Summen für einen Betriebswirt schwer nachvollziehbar sei, wie man diese wieder reinholen könne.

Die Summe ist aber nicht so absurd, wie sie zunächst klingt. Das meinen zumindest Experten. Denn Reals Investition könnte sich durchaus bezahlt machen – durch höhere Trikotverkäufe, Marketingeinnahmen und sportlichen Erfolg.

Wie das funktionieren könnte, lässt sich am Beispiel von Cristiano Ronaldo verdeutlichen. Der Madrilene wechselte im Sommer 2009 für die damalige Rekordsumme von 94 Millionen Euro von Manchester United zu den „Galaktischen“. Auch damals sahen viele den Transfer kritisch, hielten die Ablöse für zu hoch. Doch allein die Trikotverkäufe im ersten Jahr glichen die Ausgaben wieder aus: Die Shirts von „CR7“ knackten die Millionenmarke und brachten Real Madrid rund 100 Millionen Euro ein – abzüglich der Kosten für Hersteller und andere Dienstleister. Ähnlich gut liefen die Trikotverkäufe auch beim Transfer von David Beckham in die spanische Hauptstadt. Als Katalysator wirkt die Strahlkraft des Klubs: Forbes führt Real als zweitwertvollsten Sportverein der Welt auf, laut Deloitte-Studie besitzen die Madrilenen den vierthöchsten Markenwert.

Auch Bales Trikotverkäufe werden an der Millionenmarke kratzen, meint Johannes Struckmeier. Der Manager der Sport Business Gruppe von Deloitte sagte Handelsblatt Online, dass allein das Etikett „teuerster Spieler“ für einen anfänglichen Schub der Trikotverkäufe sorgen werde. „Unabhängig vom sportlichen Erfolg werden im ersten halben Jahr Initialtrikotverkäufe stattfinden“, so Struckmeier.

Hinzu kommen die Marketingeinnahmen, die Bale Real Madrid bescheren könnte. So soll Madrid zum Beispiel an den privaten Werbeeinnahmen von Cristiano Ronaldo beteiligt sein. Aber selbst, wenn das bei Bale vertraglich nicht der Fall sein sollte, kann der Verein auf andere Art und Weise von seinem neuen Superstar profitieren. Bei Werbereisen oder Freundschaftsspielen etwa kann Real allein für das Auflaufen des Rekordtransfers mehr Geld verlangen als bisher. „Wenn ein Veranstalter unbedingt will, dass Bale spielt, wird er auch einen entsprechenden Betrag dafür bieten“, erklärt Struckmeier.

Kommentare zu " Rekordmann Bale: Warum sich 100 Millionen Euro lohnen könnten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Situation im Fussballgeschäft erinnert an das Geschäft der Drogenkuriere.
    Die Reiseaktivitäten der Kuriere machen für sich genommen keinen Sinn. Zum Geschäft werden diese erst durch den damit verbundenen Drogentransport.

    Im Fussballgeschäft sind die Spieler lediglich Puppen die verschoben werden. Medienwirksam zur Ablenkung versehen mit einer Kompetenzlegende.
    Real sind Veranstaltungen und Spieler geradezu Beiwerk in dem Steuerschieber- und Geldwäschezirkus, der sich des Fussballs bemächtigt hat.
    Wenn sie Ohrfeigengesichter mit Milliardenvermögen aus Korruptionsstaaten suchen ... dann brauchen Sie im Fussballgeschäft nucht lange zu suchen.

  • Bale-Transfer:
    Viel wurde schon dazu gesagt – mMn. zu eindimensional. Ich halte den Transfer weder für unmoralisch, noch für unökonomisch.
    [...]

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Gareth Bale ist nicht mit Ronaldo zu vergleichen.

    Die Art und Weise, wie Ronaldo spielt, ist einfach anders als die von Bale, auch wenn sie sehr ähnlich rüberkommen, weil sie schnell laufen können.

    Allerdings sollte man den Vergleich mit dem, was Ronaldo in England geschafft hat, nicht erwähnen dürfen.

    Damals hatte Ronaldo die beste Mannschaft der Welt und den besten Trainer der Welt.
    Selbst seine Mannschaft bestand aus mehreren Spielern (Rio Ferdinand, Vidic, Rooney, Giggs etc.) bestand, die schon damals weltklasse und die besten der besten waren.

    Bale hatte im Gegensatz zu Ronaldo niemanden, wobei Modric auch gut war, aber damals nicht wirklich einer der besten Spielern.

    Ob die Nationalmannschaft eine große Rolle spielt, wage ich zu bezweifeln.

    Okay..Jeder Spieler will dabei sein, aber WM oder EM als Karrieresprung zu sehen, ist für manche Spieler unnötig bzw. überflüßig, denn jeder weiß, dass das fußballerische Niveau der WM und EM einfach viel viel niedriger ist als das der Champions-League.

    Bale schafft es zu beweisen, dass er in der nächsten Generation (nach Messi und Ronaldo) der beste Spieler werden kann, es sei denn, es wird schlimm verletzt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%