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WM im 17. Bundesland

Die Sorge der mallorquinischen Hoteliers war unbegründet: Selbst während der Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land zieht es Tausende Deutsche auf die Baleareninsel. Zahlreiche sind unter den Urlaubern, die nicht nur Sonne und Strand suchen, sondern eine der heißesten Partys.

PALMA DE MALLORCA. Nach zwölf Minuten ist die Luft raus beim Fußballclub TSV Schwaförden. Das aufblasbare Ganzkörpertrikot, das die Männer zu lebenden Fußbällen machen soll, schlackert bei einigen um die Körper. In diesem Moment fällt auf der Großbildleinwand vor ihnen im Spiel Deutschland gegen Costa Rica der Ausgleich für die Lateinamerikaner. "Finale, oho, Finale ohohoho", haben die Männer, alle mit schwarz-rot-goldener Perücke auf dem Kopf, bisher gesungen. Jetzt entfährt Gerd, einem von ihnen, ein knappes "Oh".

Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land. Und die Mitglieder des TSV Schwaförden aus der Nähe von Bremen sind Tausende Kilometer weit weg. Sie feiern auf Mallorca - zusammen mit vielen anderen Fußballfans sind sie auf die Balearen-Inseln geflogen und zelebrieren dort eine der heißesten WM-Partys. Mallorca im Ausnahmezustand. Und mittendrin ein Reporter auf der Suche nach der ultimativen Grenzerfahrung.

Megapark, 3 500 Quadratmeter an der Playa de Palma, vier Großbildleinwände, das Ganze nur wenige Meter entfernt vom Balenario 6, dem berüchtigten "Ballermann". "Die beste Fußball-Atmosphäre außerhalb der Fußballstadien Deutschlands" verkündet die Internetseite "volle-pulle-mallorca". Nicht gelogen, das mit der vollen Pulle. Aber es ist nicht nur eine, sondern Tausende.

Das Bier fließt schon Stunden vor dem Deutschland-Spiel in Strömen. Der Boden gleicht einem Meer aus Strohhalmen. Auf der Strandpromenade vor dem Gebäude gilt es, die ersten Alkoholleichen zu umschiffen. Wer nicht trinkt, der isst: Würstchen, so lang wie Besenstiele. Innen drin gibt es Fleischbeschauung der anderen Art. Halb nackte Körper, fast ebenso oft weiblich wie männlich, bemalt, verschwitzt, die Farbe der Haut changiert von rot nach braun. Jeder zeigt hier ungeniert, was er kann. Eine Dunkelhaarige legt für den Fotografen kokett die Hände auf ihr Bikini-Oberteil, das zwei Bällen nachempfunden ist. Ein Blondschopf macht eindeutige Bewegungen mit dem Unterleib. Dazu Lärm aus tausend Kehlen. "Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin."

Die nach oben offene Halle ist schön geschmacklos. Der Vergnügungstempel ist der Kathedrale von Palma nachempfunden. Spätestens ein Blick auf die Scheiben im Gemäuer verhindert allerdings kulturelle Verwechslungen. Statt religiöser Motive bajuwarisch-weißblaue Karos. Fröhlich grüßt inmitten die Dirndl-Maid.

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