Reportage
Selbstzweifel und Chaos in Südafrika

Nach der Fußball-Weltmeisterschaft richten sich alle Augen auf den nächsten Gastgeber: Wird Südafrika bis 2010 fertig mit Stadien und Straßen? Eine Handelsblatt-Reportage über die organisatorischen Schwierigkeiten im Vorfeld einer WM-Ausrichtung.

KAPSTADT. Nebelschwaden ziehen von der Strandpromenade über das Gelände mit den verwahrlosten Spielfeldern. Mittendrin liegt ein Fußballstadion, das schon bessere Tage gesehen hat. Der Putz blättert von der blauen Fassade, die Eingänge sind mit Stacheldraht verbarrikadiert. Hinter einem Busch gegenüber dem Haupteingang sitzen Landstreicher um eine Blechtonne, in der ein Feuer lodert.

Kaum vorstellbar: Genau hier, zwischen Kapstadts Atlantikküste und der nahe gelegenen City, soll in vier Jahren eines der Halbfinalspiele der Fußball-WM 2010 stattfinden.

Noch ist kein einziger Spatenstich für das geplante neue Stadion in Green Point getan. Noch ist unsicher, wer die Arena finanziert und wie sie genau aussehen soll. Eigentlich sollte Kapstadts Stadion ganz woanders entstehen – am Rande der schwarzen Townships. Doch dann wurde das Konzept kurzfristig über den Haufen geworfen.

Das Gezerre um die neue Fußball-Arena ist symptomatisch für die Vorbereitungen der WM 2010. Von den immer wieder beschworenen Fortschritten, die Organisationschef Danny Jordaan präsentieren will, ist mehr als zwei Jahre nach Vergabe der WM an Südafrika nicht viel zu sehen: Der Stadienneu- und -umbau stockt, Straßen- und Zugprojekte kommen nicht voran und werden viel teurer als gedacht, die Gewalt im Lande eskaliert – und die Planung ist zum Teil chaotisch.

Dennoch versprühte Staatschef Thabo Mbeki große Zuversicht, als er am Wochenende offiziell den Stab von Gastgeber Deutschland für sein Land übernahm. Sicher, die WM 2006 sei die beste aller Zeiten gewesen. „Aber wir werden unser Versprechen halten und in Südafrika die erfolgreichste WM aller Zeiten veranstalten“, tönte Mbeki am Freitag vor 800 Gästen im Berliner Tempodrom.

Sehr optimistische Worte. Auch wer mit den an der Organisation Beteiligten spricht, hört stets das Gleiche: Klar gebe es noch die eine oder andere Hürde, aber die Südafrikaner seien zäh und innovativ. Immerhin habe das Land bereits den Rugby-Worldcup glänzend organisiert und die Afrika-Meisterschaft vor zehn Jahren. Aber beide Veranstaltungen waren einige Nummern kleiner als eine Fußballweltmeisterschaft.

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