Respekt vor Australiens Coach
Italien fürchtet sich vor Hiddink-Komplex

Vor dem Achtelfinalspiel gegen Australien fürchtet die italienische Mannschaft vor allem einen: Guus Hiddink. Der Trainer der Australier warf die "Squadra Azzurra" schon mit den Südkoreanern aus der WM 2002.

Italien hat es vor dem heutigen Achtelfinalspiel (17.00 Uhr/live in der ARD und bei Premiere) in Kaiserslautern nicht leicht. Nicht nur der Wett- und Manipulationsskandal in der Heimat beschäftigt den dreimaligen Weltmeister, sondern auch der Name des Trainers des Gegners Australien lässt bei der "Squadra Azzura" unangenehme Erinnerungen aufkommen.

"Oh ja, Guus Hiddink", sagte Stürmer Alberto Gilardino, und die italienischen Journalisten auf der Pressekonferenz in der Duisburger MSV-Arena zucken zusammen. "Er wird sein Team wieder mal fantastisch einstellen. Die Australier werden allesamt kämpfen bis zur letzten Minute, sie werden rennen bis zum Umfallen." Genau wie Südkorea 2002, als der Niederländer mit den Gastgebern den vermeintlichen Titelanwärter früh auf die Heimreise schickte.

Italien hat spürbare Angst vor erneutem Scheitern

Das Achtelfinal-Aus stürzte Italien in tiefe Depression, und die Angst vor einem erneuten Scheitern an Taktik-Magier Hiddink ist deutlich zu spüren. "Wir haben großen Respekt vor Australien. Sie sind physisch sehr stark, machen die Räume extrem eng und stehen dem Gegner immer auf den Füßen", analysiert Torhüter Gianluigi Buffon, der am 18. Juni 2002 in der Verlängerung den Kopfball des heutigen Duisburgers Ahn Jung-Hwan passieren lassen musste.

Eine Verarbeitung des Traumas von Daejon hat in Italien nie stattgefunden, die Schuld wurde bei Schiedsrichter Byron Moreno und dem damals in Perugia spielenden Ahn gesucht. Deswegen klingt der Appell von Gilardino schon fast ein wenig verzweifelt. "Wir dürfen um Himmels Willen nicht noch einmal denselben Fehler machen. Da machen wir uns keine Illusionen", dozierte der Torjäger, und seine Augen blicken flehend in die Runde. Italien fürchtet sich vor einem Hiddink-Komplex.

Buffon: "Diese Sache dürfen wir nicht an uns heranlassen"

Zumal auch der Skandal um den ehemaligen Juve-Sportdirektor Luciano Moggi weiter seine Kreise zieht. Gegen vier Top-Klubs wurde inzwischen ein Verfahren eingeleitet, insgesamt 13 Profis von Juventus Turin, dem AC Mailand, Lazio Rom und dem AC Florenz könnten im ungünstigsten Fall am Tag der Urteilsverkündung ohne einen Verein dastehen. "Diese Sache", wie Buffon die Affäre nennt, "dürfen wir nicht zu nah an uns heranlassen. Da müssen wir irgendwie die Köpfe frei kriegen."

Dies könnte auch für die "Aussies" gelten, die im Fritz-Walter-Stadion von Kaiserslautern gegen Japan (3:1) den historischen ersten WM-Sieg gefeiert hatten. Down Under haben die Leute nur noch "König Fußball" im Kopf, das Land wurde in einen Ausnahmezustand versetzt. Wenn Schiedsrichter Luis Medina Cantalejo um 01.00 Uhr Ortszeit in Sydney das Spiel anpfeift, werden Hunderttausende ihre Helden frenetisch unterstützen. Die australische Wirtschaft befürchtet im Falle eines Erfolges einen "blauen Montag", an dem viele Australier die Arbeit ruhen lassen und lieber einen "Feier-Tag" einlegen.

Beazley: "Wer seine Leute deswegen feuert, ist ein Arsch"

Dass die drohenden Konsequenzen den trinkfesten "Aussies" völlig egal sein werden, wusste Oppositonsführer Kim Beazley bereits vor dem Brasilien-Spiel (0:2): "Wer seine Leute deswegen feuert, ist ein Arsch", sagte der Politiker.

Während also ganz Australien auf den "Hiddink-Faktor" setzt, dämpft ausgerechnet der Trainerfuchs selbst die Euphorie. "Es war vor vier Jahren eine völlig andere Konstellation. Ich glaube nicht, dass Italien noch einmal einen krassen Außenseiter unterschätzen wird." Der 59-Jährige, der laut Abwehrspieler Lucas Neill "immer die richtigen Entscheidungen trifft", wird einen seiner seltenen Fehler rückgängig machen: Für den schwachen Zeljko Kalac steht Stammkeeper Mark Schwarzer zwischen den Pfosten.

© SID

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